Finanzskandal in Holland: Deutsche Bank soll bei Aufklärung helfen
Die Deutsche Bank ist in einen Finanzskandal verwickelt.
Foto: dpaFrankfurt. Es sollte der große Wurf im Nachbarland werden. Mit dem Kauf von Teilen des Finanzkonzerns ABN Amro für gut 700 Millionen Euro war sich die Deutsche Bank im Jahr 2009 sicher, dass sie in die Spitzenliga der niederländischen Finanzkonzerne aufsteigt.
Heute wird man die Lage nüchterner sehen. Denn in Holland steht die Reputation des Instituts auf dem Spiel. Die Deutsche Bank ist Teil eines Auskunftsersuchens der niederländischen Justiz in einem veritablen Finanzskandal. Zwar wird gegen die Bank nicht ermittelt, wie die Staatsanwaltschaft betont. Sie ist aber in den Untergang der Wohnungsbaugesellschaft Vestia verwickelt, die mit Derivaten im zweistelligen Milliardenbereich spekuliert hat und im Februar mit staatlichen Garantien vor der Pleite gerettet werden musste.
Die Deutsche Bank war eine der 13 Banken, die Vestia nach Angaben aus Finanzkreisen die meisten Derivate-Kontrakte verkauft haben. Der Interimsdirektor von Vestia, Gerard Erents, sagte jetzt in einem Interview mit der niederländischen Zeitung „Het Financieele Dagblad“, dass die Banken im Durchschnitt zwei Milliarden Euro an Derivaten verkauft haben. Einige hätten sogar bis zu vier Milliarden Euro veräußert. In niederländischen Medienberichten heißt es, dass die Deutsche Bank und ABN Amro am stärksten engagiert waren.
Der frühere Finanzmanager von Vestia, Marcel de V., soll vermutlich über einen Intermediär, der zwischen den Banken und Vestia eingeschaltet war, Schmiergelder in Millionenhöhe bekommen haben. Die Vorwürfe gegen ihn lauten auf Bestechlichkeit und Geldwäsche. Die Untersuchungen in dem Fall umfassen nach Angaben aus Finanzkreisen auch Derivate-Kontrakte, die die Deutsche Bank London an Vestia über den Intermediär First in Finance Alternatives (Fifa) verkauft hat.
Die Deutsche Bank hält Teile des Finanzkonzerns ABN Amro, der in einen niederländischen Finanzskandal verwickelt ist.
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„Der Vestia-Fall ist schlecht für die Deutsche Bank in den Niederlanden. Die Bank steht im Mittelpunkt negativer Schlagzeilen“, sagt Hugo van Wijk, Geschäftsführer von Vallstein, einer Finanzberatungsstelle für niederländische und deutsche Unternehmen. Ein Sprecher der Deutschen Bank in Frankfurt sagte: „Die Deutsche Bank unterstützt die Behörden bei der Aufklärung.“
Vestia, die größte niederländische Wohnungsgesellschaft, hat deutlich mehr Derivate gekauft, als nötig gewesen wären, um Zinssteigerungen abzusichern. Der Interimsdirektor sagte, dass Vestia Ende 2011 für 24 Milliarden Euro Derivate in den Büchern stehen hatte, obwohl nur fünf Milliarden Euro an Währungsbeständen tatsächlich abzusichern waren.
Aktuell gebe es noch für zehn Milliarden Euro Derivate-Positionen. Würde Vestia diese Kontrakte verkaufen, würde sich der Verlust auf 1,6 Milliarden Euro summieren. Aktuell verhandeln die Banken mit Vestia über die Kontrakte.
In Holland wird jetzt diskutiert, ob die Banken mitverantwortlich sind, dass Vestia zu große Derivate-Positionen eingegangen ist. Interimsdirektor Erents findet, dass die Banken sich an der Schadensbegrenzung beteiligen müssten. Er hofft auf eine außergerichtliche Einigung. Dass die Deutsche Bank den Fall ernst nimmt, zeigt auch die große Zahl von Anwälten, die mittlerweile eingeschaltet wurden. Rund zehn Rechtsexperten von der Kanzlei Clifford Chance sollen damit befasst sein, heißt es in Finanzkreisen.
Die Probleme mit Vestia kommen für die Deutsche Bank zu einem ungünstigen Zeitpunkt. „Nach der Integration der neu erworbenen Teile von ABN Amro wollte die Bank neue Kunden gewinnen“, sagt Van Wijk. Die Geschäftskunden würden nicht sofort weglaufen, aber Aufklärung verlangen.
Und auch Vorstandschef Josef Ackermann dürfte an einer schnellen Aufklärung interessiert sein. Er hatte in der Vergangenheit betont: „Kein Geschäft ist es wert, den guten Ruf der Bank aufs Spiel zu setzen.“