Fintech: Nach Trennung vom CEO: Smartbroker muss Prognose senken und schiebt App-Start weiter auf
Die bereits seit einigen Jahren anvisierte Einführung der neuen Trading-Plattform “Smartbroker 2.0” verschiebt sich eigenen Angaben zufolge auf „voraussichtlich Mitte 2023“.
Foto: PressefotoFrankfurt. Fünf Tage hat es gedauert: Nachdem sich die Berliner Gruppe Smartbroker am vergangenen Freitag von ihrem bisherigen Chef Matthias Hach getrennt hat, gab der Konzern am späten Mittwochabend bekannt, die Umsatzprognose „aufgrund der veränderten Markteinflüsse“ senken zu müssen.
„Das Unternehmen verzeichnet einen Rückgang der Transaktionen je Depot sowie eine leichte Abnahme in den Werbeeinnahmen“, teilte der Konzern mit. Smartbroker, das bis vor Kurzem noch unter dem Namen Wallstreet-Online firmierte, erwartet nunmehr einen Umsatz zwischen 54 und 57 Millionen Euro statt bisher zwischen 62 und 67 Millionen Euro.
Im Vergleich zum Vorjahr, wo ein Umsatz von 51,4 Millionen Euro erzielt werden konnte, rechnet das Unternehmen damit nur noch mit einem marginalen Wachstum. Der Gewinn (Ebitda) liegt laut den vorläufigen Halbjahreszahlen bei 7,9 Millionen Euro, damit allerdings etwa zwölf Prozent unter dem Vorjahreshalbjahr. Nicht mit eingerechnet sind dabei die Kosten für die Neukundengewinnung.
Auch die bereits seit mehr als 1,5 Jahren anvisierte Einführung der neuen Trading-Plattform „Smartbroker 2.0“ verschiebt sich den Angaben zufolge auf „voraussichtlich Mitte 2023“. Die Plattform soll es Kunden des gleichnamigen Neobrokers ermöglichen, per App etwa ein Depot zu eröffnen.
Bislang sind diese Funktionen – im Gegensatz zu den Angeboten von Konkurrenten wie etwa Trade Republic – nur über eine Browser-Version verfügbar. Zur Smartbroker-Gruppe gehören neben dem Broker auch verschiedene Börsenportale wie etwa wallstreet-online.de.
Aufsichtsrat hat wohl die Geduld verloren
Am vergangenen Freitag hatte sich die Gruppe „einvernehmlich“ vom bisherigen Vorstandsvorsitzenden Hach getrennt. „Hintergrund des Ausscheidens sind unterschiedliche Vorstellungen über die künftige strategische Ausrichtung der Gruppe, insbesondere im Hinblick auf die Weiterentwicklung des Produkts Smartbroker“, teilte der Konzern mit.
Die neue Pressemitteilung lässt vermuten, dass der Aufsichtsrat mit der Geduld am Ende war. So hatte Hach bereits im März des vergangenen Jahres im Gespräch mit dem Handelsblatt angekündigt, dass die App 2021 schon auf den Markt kommen soll. Nun zeigten laut dem Konzern aber Tests zusätzlichen Entwicklungsbedarf. „Der Produktstart wird deshalb um einige Monate verschoben.“
Und damit verschieben sich auch die Planziele der kommenden Monate. Neben einem geringeren Umsatz rechnet Smartbroker durch den späteren Produktstart in diesem Jahr auch mit „einer geringeren Zahl an Neukunden“. Konnte der Neobroker im vergangenen Jahr noch etwa 120.000 neue Kundendepots eröffnen und eine Kundenzahl von etwa 200.000 verbuchen, wird die aktuelle Zahl lediglich mit „mehr als 200.000“ Kundendepots angegeben.
Der neue CEO und Gründer von Smartbroker, André Kolbinger, gibt sich dennoch optimistisch: „Unser Geschäftsmodell ist rentabel“, sagt er. Das Mediengeschäft sei weiter „hochprofitabel“ und werde mit steigenden Kundenzahlen des Smartbrokers weiter wachsen. Da der Konzern aber selbst nur wenig Neukunden erwartet, dürfte sich dieses Wachstum in Grenzen halten.