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Fintechs34 Prozent mehr Geld – ein Fintech profitiert besonders

In den ersten vier Monaten des Jahres hat es wieder mehr Investitionen in deutsche Fintechs gegeben. Experten sehen die Entwicklung positiv, warnen allerdings vor weiteren schwierigen Phasen.Dennis Schwarz 31.05.2024 - 12:47 Uhr
Blick über Berlin: Die Hauptstadt ist bei deutschen Fintechs gefragt. Foto: Imago/Westend61

Frankfurt. Deutsche Fintechs erhalten wieder mehr Geld von Investoren – zumindest etwas: In den ersten vier Monaten dieses Jahres nahmen Unternehmen in 32 Finanzierungsrunden insgesamt 408 Millionen Euro ein – und damit 34 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Das geht aus Zahlen von Barkow Consulting hervor.

„Seit dem vierten Quartal sehen wir eine deutliche Erholung im Fintech-Markt. Das Niveau ist allerdings weiterhin deutlich hinter den Jahren 2021 und 2022“, sagte Max Flötotto, der bei McKinsey die Bankenberatung in Deutschland und Österreich leitet.

2021 konnten deutsche Fintechs im Vergleichszeitraum in 65 Finanzierungsrunden noch 1,3 Milliarden Euro einsammeln, 2022 waren es von Januar bis April 928 Millionen Euro in 39 Finanzierungsrunden.

„Wir befinden uns nicht mehr in einer Welt, in der alles nach oben geht und finanziert wird. Deshalb werden einige Fintechs auch weiterhin Probleme haben. Bestandsinvestoren wollen auch nicht mehr alles  finanzieren“, so Flötotto.

Auch Olga Shikhantsova, Partnerin beim Frühphaseninvestor Speedinvest, warnt: „Die Krise ist noch nicht vorbei.“ Für viele Fintechs gebe es noch immer schwierige Phasen. Dies werde auch noch zwölf Monate andauern.

Investoren zeigen sich angesichts des Makroumfelds weiterhin wählerisch: Ukrainekrieg, die hohe Inflation, die Zinswende sowie auch die Wirtschaftsschwäche machen Risikokapitalgeber zurückhaltender. Finanzierungsrunden dauern zudem deutlich länger.

Der Druck ist für Fintechs groß, schnell einen glaubwürdigen Weg zu einem profitablen Geschäft vorzuweisen. Das fällt vielen schwer. Das bestätigt Shikhantsova: Die Zahl der Unternehmen, die im Fintech-Bereich Geld aufgenommen haben, sei deutlich zurückgegangen, sagte sie. 

Trotz des anhaltend schwierigen Umfelds haben einige Fintechs in diesem Jahr bereits Finanzierungsrunden abschließen können. Dazu zählt auch Solaris. Das Berliner Unternehmen hat im März nach einer monatelangen Hängepartie seine im vergangenen Sommer abgeschlossene Finanzierungsrunde erweitert – und 96 Millionen Euro von Bestandsinvestoren eingesammelt. Dabei konnte Solaris seine Bewertung nach eigenen Angaben bei 1,6 Milliarden Euro halten.

Ebenfalls im März hat die Kölner Firma NX Technologies, die hinter der Zahlungsplattform Bezahl.de steckt, 22 Millionen Euro von Investoren erhalten. Und der Berliner Kreditkartenspezialist Pliant konnte im April 18 Millionen Euro von der Wagniskapitalsparte des US-Onlinebezahldienstes Paypal einsammeln.

B2B-Fintechs bei Investoren gefragt

Die drei Finanzierungsrunden zeigen: Vor allem B2B-Fintechs können aktuell bei Investoren punkten, also junge Unternehmen, die sich auf Geschäftskunden (Business-to-Business) fokussieren. So ermöglicht Solaris anderen Start-ups, die Banklizenz des Instituts zu nutzen und damit erste Geschäfte zu machen. Bezahl.de ist auf das Zahlungsmanagement für Autohändler spezialisiert, und Pliant gibt Kreditkarten an Unternehmen aus, die deren Beschäftigte dann nutzen können.

Carsten Höltkemeyer: Der Solaris-Chef konnte im März 96 Millionen Euro von Bestandsinvestoren einsammeln. Foto: Solaris

Im B2B-Bereich gebe es für Unternehmen noch viele Probleme zu lösen, wie etwa KYB, grenzüberschreitende Zahlungen oder die Infrastruktur im Allgemeinen, sagte Investorin Shikhantsova. KYB („Know your Business“) bezeichnet die Identitätsprüfung von Unternehmenskunden. Hier bieten Fintechs Lösungen an.

Anders sieht es hingegen bei B2C-Fintechs (Business-to-Consumer) aus. Diese Unternehmen wenden sich direkt an die Endkunden und brauchen möglichst viele davon, um positive Skaleneffekte zu erzielen.

„Das B2C-Thema bleibt schwierig, Wachstum ist nach wie vor mit hohen Akquisitionskosten verbunden“, sagt McKinsey-Experte Flötotto. Den Trend beobachtet auch Shikhantsova: „Im B2C-Bereich sind viele Probleme bereits gelöst, alles ist digital“, sagt sie. Aber es gebe einige Bereiche wie etwa die Vermögensverwaltung, die von Investoren immer noch nachgefragt werden.

Das zeigt der digitale Vermögensverwalter Scalable Capital. 60 Millionen Euro sammelte das Unternehmen Ende vergangenen Jahres von Investoren ein. „60 Millionen Euro sind verdammt viel Geld. Wir befinden uns nicht mehr in den Jahren 2020 oder 2021, wo fast jeder Kapital bekommen hat“, sagte Firmenmitgründer und -chef Erik Podzuweit damals.

Dass nicht alle Unternehmen durch die Krise kommen, zeigt das Fintech Creditshelf. Die Frankfurter Kreditplattform kämpfte zuletzt mit großen Finanzierungsproblemen. Ende April wurde das Unternehmen an den Schweizer Konkurrenten Teylor verkauft.

„Das Investitionsumfeld hat gerade erst begonnen, sich zu erholen“, warnt deshalb Speedinvest-Partnerin Shikhantsova. Einige Unternehmen hätten ihre Probleme einfach aufgeschoben, indem sie eine interne Finanzierungsrunde mit Bestandsinvestoren zur Überbrückung abgeschlossen und abgewartet haben, bevor sie sich für ihre nächste Finanzierungsrunde an den Markt wenden. „Aber diese Frist läuft ab“, sagte sie.

IPO-Markt öffnet im zweiten Halbjahr

Immerhin: Geld ist bei den Investoren ausreichend vorhanden – und auch der Drang zu investieren. „Als Investor kannst du nicht einfach aufhören zu investieren und an der Seitenlinie warten: Du bist auf der Suche nach dem nächsten europäischen Champion“, so Shikhantsova.

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Wie groß der Kontrast sein kann, zeigt die Berliner Einlagen- und Anlageplattform Raisin. Seit Wochen wird über einen möglichen Börsengang spekuliert. Das Fintech hatte 2023 zum ersten Mal einen Gewinn eingefahren. Zum Zeitplan für einen möglichen Börsengang äußerte sich Finanzchef und Mitgründer Frank Freund kürzlich gegenüber dem Handelsblatt nicht. Raisin habe keine Eile mit einem Börsengang, hieß es nur.

„Einige europäische Fintechs warten darauf, dass einer vorangeht“, so Flötotto. Der IPO-Markt laufe sich langsam warm, sagte der McKinsey-Experte. Barbod Namini vom deutschen Start-up-Finanzierer HV Capital erwartet, dass sich der IPO-Markt für europäische Fintechs in der zweiten Hälfte dieses Jahres öffnet. „Dann werden wir sehen, dass Fintechs in Europa, die sich in späten Wachstumsphasen befinden, an die Börse gehen“, so der Investor.

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