Fusionen und Übernahmen: Börsenmantel 468 Spac übernimmt Kochboxversender Marley Spoon
Der Kochboxversender Marley Spoon aus Berlin liefert Schritt-für-Schritt-Rezepte und vorportionierte saisonale Zutaten.
Foto: IMAGO / ShotshopFrankfurt. Der bisher am Boden liegende Markt für Börsenmäntel sendet ein Lebenszeichen. Der Börsenmantel 468 SPAC II SE von Alexander Kudlich, Ludwig Ensthaler und Florian Leibert fusioniert mit der Marley Spoon SE und wird eine Mehrheitsbeteiligung an dem Kochboxversender erwerben.
Der Käufer beabsichtigt nach eigenen Angaben, Marley Spoon frisches Kapital zur Verfügung zu stellen und die Börsennotierung von der ASX-Börse in Sydney an die Frankfurter Wertpapierbörse zu verlagern.
Im Rahmen der Transaktion und zusätzlich zu den finanziellen Mitteln, die 468 SPAC II bei Abschluss des Unternehmenszusammenschlusses bereitstellen wird, erhält Marley Spoon bereits vor Abschluss der Fusion bis zu 35 Millionen Euro frisches Kapital. Dieses soll zukünftiges Wachstum ermöglichen und die Bilanz des Unternehmens stärken, heißt es in einer Mitteilung vom Dienstag.
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Börsenmäntel, auch „Special Purpose Acquisition Companies“ (kurz: Spacs) genannt, sind Zweckgesellschaften. Firmen können mit ihnen ohne den umständlichen Prozess eines Börsengangs quasi durch die Hintertür an die Börse gehen. Dabei wird zunächst ein Spac an der Börse gelistet – eine leere Firmenhülle, zumeist von prominenten Investoren oder Ex-Bankern aufgesetzt.
Als Nächstes nehmen die Spac-Manager ein Übernahmeziel ins Visier. Weitere Investoren werden angeworben, um im Vorfeld der Akquisition eine Pipe genannte Kapitalerhöhung zu zeichnen. Nach der Fusion mit dem gelisteten Vehikel ist das Übernahmeziel an der Börse notiert und kann in der Folge über die Ausgabe von Aktien weiteres Wachstumskapital einwerben. Dass ein Spac ein bereits börsennotiertes Unternehmen übernimmt – wie jetzt Marley Spoon –, ist aber eher eine Ausnahme.
Bewertungen von Kochboxherstellern bislang volatil
Um die Zubereitung des Abendessens zu vereinfachen, enthalten die Kochboxen Schritt-für-Schritt-Rezepte und vorportionierte saisonale Zutaten. Marley Spoon wird durch verschiedene Marken als wöchentliches Abonnement angeboten.
Seit der Markteinführung im Jahr 2014 hat sich Marley Spoon zu einem Unternehmen mit einem Umsatz von 400 Millionen Euro entwickelt, das rund 300.000 aktive Kunden bedient und jährlich etwa 63 Millionen Mahlzeiten in sieben Ländern ausliefert. Das Geschäftsjahr 2022 schloss die Gesellschaft mit einem Verlust im operativen Geschäft ab.
Ebenfalls börsennotiert ist der Konkurrent Hellofresh. Fabian Siegel, der Gründer und CEO von Marley Spoon, hatte in der Vergangenheit auch Lieferheld gegründet und war als Co-CEO von Delivery Hero tätig.
Trotz vorteilhafter makroökonomischer Entwicklungen in der gesamten Branche sind die Bewertungen von Kochboxunternehmen in den letzten Jahren volatil gewesen. Seit Anfang 2022 erfolgte eine Korrektur der Börsenbewertungen in diesem Segment.
Der Deal folgt auf eine vorherige Transaktion von 468 SPAC I SE, die einen Unternehmenszusammenschluss mit dem Audioboxen-Hersteller Tonies SE umsetzte und das erforderliche Kapital für die globale Expansion von Tonies bereitstellte. 468 SPAC II wurde im Januar 2022 mit einem Gesamtvolumen von 210 Millionen Euro aufgelegt. Für 468 SPAC II fungierte Berenberg als Finanzberater und Sullivan & Cromwell LLP als Rechtsberater.