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IPODas sind die deutschen Börsenkandidaten für 2023

Steigende Zinsen und hohe Kursschwankungen lassen viele Firmen mit dem Börsengang noch zögern. Bereits im Frühjahr könnte jedoch eine erste deutsche Firma die Stimmung auf dem Parkett testen.Peter Köhler, Arno Schütze 23.12.2022 - 10:10 Uhr Artikel anhören

Nach Einschätzung der Investmentbankern sei eine größere Welle an Börsengängen erst dann zu erwarten, wenn die hohe Inflation abflaut und bei den Notenbanken ein Ende der Zinserhöhungen absehbar ist.

Foto: dpa

Frankfurt. Der Markt für Börsengänge ist dieses Jahr eingebrochen. Gerade einmal neun deutsche Unternehmen wagten laut Deutscher Börse in einem von hoher Inflation, steigenden Zinsen und Rezessionssorgen geprägten Umfeld in diesem Jahr ein Listing. Mit einer Ausnahme waren das sehr kleine Firmen. Doch das kommende Jahr könnte das Ende dieser Flaute bringen.

Eine Mehrheit der vom Handelsblatt befragten Experten rechnet damit, dass der Markt für Börsengänge sich in der zweiten Jahreshälfte deutlich beleben wird. Die Berater von Kirchhoff Consult rechnen mit mindestens zehn Börsengängen im Jahr 2023. Vor allem profitable Unternehmen würden den Weg an die Börse wieder suchen und finden, glauben Spitzenbanker.

Davor wird es nach Einschätzung von Fachleuten jedoch schwierig bleiben. „Für die ersten Monate des neuen Jahres erwarten wir nur vereinzelte Transaktionen, eine deutliche Belebung eher ab Sommer“, prognostiziert Carsten Berrar, Kapitalmarktrechtler bei Sullivan Cromwell. Denn die Investmentbanker sind sich einig: Eine größere Welle an Börsengängen sei erst dann zu erwarten, wenn die hohe Inflation abflaut und bei den Notenbanken ein Ende der Zinserhöhungen absehbar ist.

IPOs: Diese Firmen könnten den Börsengang 2023 wagen

Ein erster Lackmustest für die Aufnahmebereitschaft des Marktes könnte nach Einschätzung von Experten der Cloud-Anbieter Ionos werden. Finanzkreisen zufolge könnte die Firma schon im Februar in Frankfurt als Newcomer starten, sollten sich die Märkte bis dahin stabilisiert haben. Ansonsten werde der Deal im weiteren Jahresverlauf stattfinden.

Ionos ist nicht der einzige Kandidat, der sich für einen Sprung auf das Parkett bereit macht. Zu den Börsenkandidaten zählen 2023 auch der Tankkartenanbieter DKV Mobility und Schott Pharmaverpackungen. Auch die Wasserstofffirma Nucera, ein Teil des Thyssen-Krupp-Konzerns, wird in Finanzkreisen als möglicher Börsenaspirant gehandelt.

Die Technologie der Firma gilt angesichts der derzeitigen Energiekrise als wegweisend: Erneuerbare Energien sind im Trend. „Nucera ist ein Hypethema. Aber ob die schon bei den ersten dabei sind, ist unklar“, sagt ein Frankfurter Kapitalmarktbanker, der namentlich nicht genannt werden möchte.

Börsengang 2023: Noch ist die Unsicherheit groß

Denn noch herrscht auf dem eingebrochenen Markt für Initial Public Offerings, abgekürzt IPOs, wie Börsengänge bei den Profis genannt werden, große Unsicherheit. Joachim Ringer, der das Investmentbanking und Kapitalmarktgeschäft der Credit Suisse in Deutschland verantwortet, ist zwar vorsichtig optimistisch, dass sich der Markt 2023 stabilisiert. Dafür müssten sich jedoch die Rahmenbedingungen aufhellen. „Um das IPO-Geschehen wieder auf ein normales Niveau zu bringen, braucht es grundsätzlich mehr Stabilität“, betont der Spitzenbanker.
>> Lesen Sie auch: Die Rally der Porsche-Aktie könnte bald enden – und andere Autohersteller attraktiver werden

„Positiv ist, dass wir bereits einen Rückgang der Inflation erkennen können und das Zinsniveau dadurch perspektivisch ein Plateau finden wird“, sagt der Experte. Dadurch würden Geschäftsaussichten planbar, was elementar für mögliche Börsengänge sei. IPOs von Technologiefirmen würden allerdings noch länger schwierig bleiben. Wenn sich das IPO-Fenster öffne, werde man zuerst Unternehmen sehen, die den Anlegern bereits stabile Cashflows bieten können.

Wichtig werde auch die Entwicklung in den USA als Leitmarkt der Börse sein. „Die Geschichte zeigt: Erst muss sich der IPO-Markt in den USA öffnen, bevor wir wieder mehr Börsengänge in Europa sehen“, betont Berrar, Kapitalmarktrechtler bei Sullivan Cromwell. Der Risikoappetit auf US-Börsengänge sei üblicherweise größer als der auf europäische. Das dürfte auch daran liegen, dass die meisten Investoren aus den USA kommen und sie nach schwierigen Börsenzeiten erst Zutrauen zum Heimatmarkt fassten, bevor sie in der Ferne investierten.

So bleiben einige von den bereits hochgehandelten Börsenkandidaten in Deutschland lieber noch in der Deckung. Vorerst auf Eis liegen die IPO-Pläne des Gasmotorenherstellers Innio und des Baustoffherstellers Xella, der angesichts der sich abkühlenden Baukonjunktur abwartet, heißt es in Finanzkreisen.

Parship, Stepstone und Chrono24 lassen sich mit IPOs Zeit

Das Marktumfeld, das man für ein Comeback der IPOs brauche, gebe es noch nicht in den ersten sechs Monaten, meint Investmentbanker Henrik Johnsson von der Deutschen Bank. Vor allem einige Onlineportale würden es im nächsten Jahr nach Ansicht von Beobachtern in den ersten Monaten noch nicht auf den Kurszettel schaffen.

Dass die zu Beginn des Jahres 2022 als Kandidaten gehandelten Unternehmen Parship (Datingportal), Stepstone (Jobbörse), Best Secret (Onlinemode) und Chrono24 (Uhren) im ersten Halbjahr 2023 einen Börsengang versuchen, gilt in Finanzkreisen als unwahrscheinlich. Bei anderen Adressen wie Solaris (Banking-Plattform) und Autodoc (Kfz-Teile), würden inzwischen Alternativen zur Kapitalbeschaffung über die Börse geprüft.

Erfolg der Porsche-Emission verstellt den Blick auf die Flaute

Denn die starken Kursschwankungen an der Börse bedeuten für die Börsenaspiranten ein großes Risiko bei der Festsetzung eines Zeitplans. Die sogenannte Volatilität des Marktes wird im VIX-Barometer gemessen. Dieser Indikator war laut den Experten der Berenberg Bank in diesem Jahr nur an 21 Handelstagen unter der kritischen Marke von 20. Deshalb sei es eine so große Herausforderung, IPOs verlässlich zu planen. Andererseits gilt die Pipeline für Börsengänge als gut gefüllt, viele Unternehmen stehen grundsätzlich parat.

P911 lautet das Börsenkürzel des Sportwagenbauers Porsche. Der Börsengang war im Jahr 2022 mit Abstand der größte in Deutschland.

Foto: Bloomberg

„2023 könnte trotz noch anhaltender Unsicherheit wieder ein aktiveres IPO-Jahr werden“, glaubt darum Kai Tschöke, Co-Chef Investmentbanking bei Rothschild & Co im deutschsprachigen Raum. Es gebe einige Unternehmen, die 2022 ihre Vorbereitungen für ein Listing bereits gut und weit vorangetrieben hätten. „Sie könnten schnell und agil auf sich öffnende Marktfenster reagieren und den Schritt aufs Börsenparkett vollziehen“, glaubt Tschöke.

Das Thema Nachhaltigkeit wird nach Einschätzung von Jens Hecht, Vorstand der Kirchhoff Consult AG, ein zunehmend wichtiger Faktor in der Vorbereitung. „Neben der Darstellung der Profitabilität oder eines plausiblen Weges dahin, rücken die ESG-Kriterien stärker in den Fokus. Aussichtsreiche Unternehmen bereiten sich bereits intensiv vor, um mit einer überzeugenden Equity Story das nächste IPO-Fenster zu nutzen.“

Dieses Jahr stach allein der Sportwagenbauer Porsche in einem insgesamt schwachen Jahr für Börsenneulinge hervor. Faktisch für das gesamte Emissionsvolumen in Deutschland sorgte 2022 der neun Milliarden Euro schwere Porsche-IPO. Die Transaktion fiel allerdings aus der Rolle, da die Eigentümerfamilie der Porsche-Mutter Volkswagen nicht an einem maximalen Emissionspreis interessiert war, um selbst günstig Porsche-Aktien kaufen zu können. Der Deal gelang daher auch in einem Marktumfeld, in dem sich keine anderen Firmen an ein Listing trauten.

Viele Börsengänge in 2020 und 2021 haben die Anleger enttäuscht

Ohne das Listing des Sportwagenbauers wäre auch das europäische Emissionsvolumen nach Berechnungen von Berenberg um 93 Prozent gegenüber dem Vorjahr gefallen und hätte ungefähr das Niveau aus dem Jahr 2009 erreicht. Immerhin hat die Porsche-Aktie seit dem ersten Handelstag deutlich zugelegt, während viele Newcomer aus den Jahren 2021 und 2020 die Anleger enttäuschten, darunter beispielsweise Mister Spex und Auto1.

Keine Belebung erwarten die Investmentbanker 2023 dagegen beim Spezialthema leere Börsenmäntel. Diese Spacs – das Kürzel steht für Special Purpose Acquisition Companies – erlebten 2021 in den USA einen regelrechten Boom, vereinzelt gab es auch Emissionen in Europa. Bei Spacs geht zunächst ein leerer Firmenmantel an die Börse und sucht sich dann ein Übernahmeziel, das dann mittels Fusion quasi durch die Hintertür gelistet wird.

In Deutschland gibt es nach Einschätzung von Investmentbankern aktuell nur noch ganz wenige aktive Spac-Prozesse. Dazu gehört etwa der Spac European Healthcare Acquisition & Growth Company (EHC), der Finanzkreisen zufolge Übernahmegespräche mit dem österreichischen Medizintechnikhersteller Croma führt.

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Erstpublikation: 21.12.2022, 16:49 Uhr.

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