Geldautomatensprengungen: Bundesinnenministerium sieht „erste Fortschritte“ beim Schutz von Geldautomaten
Bei der Sprengung dieses Geldautomaten im März in Hannover wurden Teilen der Deutsche-Bank-Filiale erheblich beschädigt.
Foto: IMAGO/Bernd GüntherFrankfurt. Das Bundesinnenministerium sieht „erste Fortschritte“ im Bemühen der deutschen Banken, ihre Geldautomaten besser gegen Sprengangriffe zu schützen. „Wir erwarten jedoch weiterhin sehr substanzielle Anstrengungen der Geldautomatenbetreiber, um diese zu sichern“, sagte eine Ministeriumssprecherin auf Anfrage.
Im vergangenen Jahr war die Zahl der Geldautomatensprengungen nach oben geschnellt. Es wurden 496 Sprengangriffe registriert, 27 Prozent mehr als 2021. Allerdings passierte es nicht bei allen Attacken, dass die Geldautomaten tatsächlich explodierten.
Inzwischen zeichnet sich ab, dass die Zahl der Attacken etwas zurückgeht. In Nordrhein-Westfalen gab es seit Jahresbeginn 86 versuchte und vollendete Sprengungen, 13 Prozent weniger als im selben Zeitraum 2022, so das Landeskriminalamt. In Niedersachsen waren es mit 19 Angriffen nur etwa halb so viele wie im Vorjahr. In Rheinland-Pfalz stieg die Zahl dagegen von 23 auf 26.
Die Polizei geht davon aus, dass die meisten Taten von einer mehrere Hundert Mann starken kriminellen Szene aus den Niederlanden verübt werden. Die Sprengattacken richten enormen Sachschaden an. Häufig werden die Gebäude, in denen sich Filialen und Geldautomaten-Standorte befinden, beschädigt. Dass bei den Attacken trotz umherfliegender Trümmerteile und Splitter bisher kein Unbeteiligter ernsthaft verletzt wurde, halten Experten für einen glücklichen Zufall.
Um den Tätern das Handwerk zu legen, setzen Polizei und Politik auch auf die Banken. Am Dienstag haben sich Vertreter und Vertreterinnen von Innenministerium, Bundeskriminalamt sowie Banken- und Versicherungsbranche deshalb erneut getroffen. Im November 2022 hatte sich die Teilnehmer bei einem „runden Tisch“ bereits zu mehr Schutzmaßnahmen bereit erklärt.
Neue Verklebetechnik soll bald eingesetzt werden
„Banken und Sparkassen haben in den letzten Jahren massiv in den Schutz vor Geldautomatensprengungen investiert und setzen weitere umfangreiche Maßnahmen um“, teilte die Deutsche Kreditwirtschaft, die gemeinsame Interessenvertretung der Banken, mit. Viele Banken gewähren in der Zeit von 23 Uhr bis 6 Uhr keinen Zugang mehr zu Geldautomaten und schließen die Vorräume zu den Filialen oder Selbstbedienungsfoyers.
Zudem nutzen die Geldhäuser häufig Videoübertragungssysteme, Abriss- und Erschütterungsmelder, spezielle Sicherungen von Fenstern und Zugangstüren sowie Vernebelungstechnik und Systeme, durch die Geldscheine bei einer Explosion verfärbt werden. Die Täter scheint dies nicht zu stören: Sie nehmen auch verfärbte Banknoten mit.
Sparkassen und Volksbanken wollen zudem künftig auf eine neue Technik setzen, durch die Geldscheine im Fall einer Explosion zu einem Klumpen verkleben. Noch allerdings fehlen spezielle Genehmigungen dafür, etwa mit Blick auf den Arbeitsschutz.