Hauptversammlung: Nach DWS-Skandal: Großinvestor Union Investment verweigert Vorstand und Aufsichtsrat Entlastung
Auf der virtuellen Hauptversammlung der DWS stellen sich Vorstand und Aufsichtsrat erstmals seit Bekanntwerden der Greenwashing-Vorwürfe den Aktionären.
Foto: REUTERSFrankfurt. Die unabhängigen Aktionäre der Fondsgesellschaft DWS haben deutlich ihren Unmut über die Turbulenzen rund um das Unternehmen gezeigt: Bei der Abstimmung auf der virtuellen Hauptversammlung am Donnerstag haben gut ein Sechstel der stimmberechtigten Aktionäre gegen die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat der Deutsche-Bank-Tochter gestimmt.
Der hohe Anteil an Gegenstimmen war deshalb möglich, weil die Deutsche Bank — mit knapp 80 Prozent der Aktien dominierender Aktionär der DWS — an der Abstimmung über die Entlastung der Spitzengremien nicht teilnehmen darf. Das sehen die Vorgaben des Aktiengesetzes für diejenigen Unternehmen vor, die wie die DWS als Kommanditgesellschaft auf Aktien organisiert sind.
Zu diesem vergleichsweise schlechten Abstimmungsergebnis hatte beigetragen, dass mit dem genossenschaftlichen Fondsanbieter Union Investment der größte unabhängige Aktionär Konsequenzen aus den Vorwürfen gegen die DWS und deren Umgang damit zog. Das Unternehmen hatte gegenüber dem Handelsblatt angekündigt, den Führungsgremien der DWS die Entlastung zu verweigern. Eine Begründung nannte der Investor nicht.
Die DWS steht im Visier mehrerer Aufsichts- und Strafverfolgungsbehörden. Die US-Börsenaufsicht SEC prüft Vorwürfe, wonach die Deutsche-Bank-Tochter Fonds als nachhaltiger dargestellt haben soll, als sie tatsächlich waren. Bundeskriminalamt und Staatsanwaltschaft hatten aus dem gleichen Grund vergangene Woche eine Razzia bei der DWS und dem Mutterkonzern Deutsche Bank durchgeführt.