Interview: Berenberg-Chef Hendrik Riehmer: „Die Party an den Märkten ist erst einmal vorbei“
Der persönlich haftende Gesellschafter der Hamburger Berenberg Bank glaubt, dass das Thema Inflation unterschätzt wird.
Foto: Roselieb für HandelsblattFrankfurt. Kaum ein deutscher Bankchef ist so nahe am Geschehen an den Kapitalmärkten wie Hendrik Riehmer. Jetzt warnt der persönlich haftende Gesellschafter der Hamburger Berenberg Bank, die ihr Geld vor allem mit Aktienplatzierungen, Fonds und der Vermögensverwaltung verdient, vor einem Stimmungswechsel an den wichtigen Aktienmärkten in Europa und den USA. Riehmer befürchtet, dass es im Frühjahr zu einer Korrektur von bis zu 15 Prozent kommt.
Grund für die Warnung: Der Banker glaubt, dass eine lähmende Stagflation – also eine längere Phase von hoher Inflation bei gleichzeitig schwachem Wachstum – das wahrscheinlichste Konjunkturszenario ist.
Aber Riehmer hat auch eine gute Nachricht: Langfristig bleibt er optimistisch für die Aktienbörsen. Die von ihm prognostizierte Korrektur sieht er als Kaufgelegenheit vor allem für Aktien, die von globalen Megatrends profitieren – wie die Chiphersteller Infineon oder ASML.
Lesen Sie hier das gesamte Interview:
Herr Riehmer, vor ungefähr einem Jahr haben wir uns zum letzten Mal zum Interview getroffen. Damals sagten Sie eine Korrektur an den Aktienmärkten voraus, die im Frühjahr 2021 dann auch gekommen ist. Wie sehen Ihre Prognosen jetzt aus?
Ich fürchte, dass ich auch dieses Mal nicht sehr viel Zuversicht verbreiten kann. Die Party an den Börsen ist aus meiner Sicht erst einmal vorbei. Wir stehen an der Klippe zu einer deutlich schwierigeren Situation an den wichtigsten Kapitalmärkten in den USA und Europa.