Interview Herbert Kubicek: „Banken achten zu wenig auf Benutzerfreundlichkeit für Senioren“
Nicht alle älteren Menschen umarmen bereitwillig neue Technologien im Alltag.
Foto: E+/Getty ImagesBerlin. Prof. Dr. Herbert Kubicek, 77, war bis 2011 Professor für Angewandte Informatik an der Universität Bremen, und arbeitet als Senior Researcher am Institut für Informationsmanagement Bremen. Einer seiner Schwerpunkte ist die Internetnutzung älterer Menschen.
Wie benutzerfreundlich ist Online-Banking für ältere Menschen?
Herbert Kubicek: Man muss unterscheiden, wie leicht man etwas findet und wie leicht oder umständlich dann die Ausführung ist. Den Menüpunkt Überweisung etwa findet man überall schnell. Aber die Übernahme von Empfängerdaten und vor allem die Sicherheitsabfragen sind unterschiedlich kompliziert. Das mit Abstand einfachste und doch sichere Verfahren, die Face-ID, wird noch lange nicht von allen Banken angeboten.
Was sind die größten Hürden?
Sehr viel schwieriger ist es bei Aktivitäten, die eher selten vorkommen, zum Beispiel Neuanmeldungen nach Systemwechseln bei Banken oder die Erhöhung des Überweisungslimits. Nach dieser Funktion muss ich selbst bei meinen drei Banken immer wieder suchen. Warum gibt es nicht auf jedem Überweisungsformular eine Anzeige der aktuellen Limits und einen direkten Link zur Erhöhung des Limits?
Was sollten die Banken ändern?
Es gibt dieses magische Dreieck zwischen Sicherheit, Kosten und Benutzerfreundlichkeit. Auf den wichtigen dritten Aspekt achten manche Banken noch viel zu wenig. Die Institute müssten sich besser untereinander abstimmen, etwa bei einheitlichen Autorisierungsverfahren.
Wie kann die immer digitaler werdende Gesellschaft ältere Menschen und auch solche mit einer Behinderung besser mitnehmen?
Das Digitale durchzieht alle Bereiche: Banking, Shopping, Verwaltung, medizinische Versorgung. Es gibt niedrigschwellige Einführungsangebote. Aber das reicht nicht. Um allen älteren Menschen bei den immer wieder auftretenden Problemen mit den vielen unterschiedlichen, aber nützlichen Angeboten die erforderliche Unterstützung zu gewähren, müsste es zusätzlich gut erreichbare Digitalambulanzen im öffentlichen Raum geben, die man bei Problemen anrufen oder aufsuchen kann und die bei Menschen mit geringer Mobilität auch nach Hause kommen. Die Probleme mit den meisten Anwendungen sind weitgehend gleich. Daher müssen die Banken das nicht allein machen, sondern könnten solche Stellen gemeinsam mit der öffentlichen Verwaltung und anderen Dienstleistern betreiben.