Interview mit Michael Gschrei: Wirecard-Skandal: „Die Prüfer haben wohl nicht hingeschaut“
Der Münchener Wirtschaftsprüfer kritisiert seine Zunft harsch. Angesichts des Versagens von EY im Fall Wirecard forderte er Maßnahmen, die mehr Unabhängigkeit im Prüfsystem gewährleisten.
München. Der Fall Wirecard sei „ein Super-GAU für die Wirtschaftsprüfer“, sagt Michael Gschrei, Vorstandssprecher des Verbands wp.net, in dem sich mittelständische Wirtschaftsprüfer organisiert haben.
Im Interview macht Gschrei den Bilanzkontrolleuren der Gesellschaft EY große Vorwürfe: „Die Prüfer haben bei Wirecard wohl nicht genau hingeschaut.“ Man habe offenbar die von Wirecard vorgelegten Belege einfach akzeptiert und nicht weiter nachgefragt. Versagt habe bei EY auch die gesetzlich vorgesehene interne Qualitätssicherung durch einen Aufpasser.
Konkret moniert Gschrei, wie die Prüfer mit den 1,9 Milliarden Euro umgingen, die angeblich auf Treuhänderkonten bei zwei philippinischen Banken lagen. „Der Prüfer braucht die Originalbestätigung der Bank, auf seinen Namen ausgestellt.
Die Prüfer hätten gut daran getan, nach Manila zu fahren und mit den zwei Banken zu reden.“ Offenbar seien die Institute jedoch nicht mal angeschrieben worden. Er glaube, so Gschrei im Handelsblatt, dass Aktionäre mit Erfolg gegen EY klagen könnten: „Das alles war für mich grob fahrlässig. Es liegt für mich eine große Fehlerkette vor.“