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Intesa San Paolo und UBI Banca Italienische Bankenfusion gibt den Startschuss für die Konsolidierung des Problemsektors

Die Großbank Intesa hat sich im Kampf um den Konkurrenten UBI durchgesetzt. Ein Deal, der den italienischen Bankenmarkt durcheinanderwirbeln könnte.
31.07.2020 - 11:43 Uhr Kommentieren
Durch die Fusion von Intesa mit UBI Banca entsteht die größte Bank Italiens. Quelle: Reuters
Zentrale von Intesa San Paolo in Turin

Durch die Fusion von Intesa mit UBI Banca entsteht die größte Bank Italiens.

(Foto: Reuters)

Frankfurt Carlo Messina hat es geschafft. Nach wochenlangem Ringen hat der Chef der größten italienischen Bank Intesa Sanpaolo die feindliche Übernahme des kleineren Konkurrenten Unione di Banche Italiane (UBI Banca) endgültig unter Dach und Fach gebracht. Am späten Donnerstagabend meldete Intesa, dass mehr als 90 Prozent der UBI-Aktionäre das Übernahmeangebot angenommen hätten.

Durch die Fusion entsteht die größte Bank Italiens und das siebtgrößte Geldhaus der Euro-Zone mit einer Bilanzsumme von 950 Milliarden Euro. Bis zum Jahresende wollen sich die Banken von insgesamt 532 Filialen trennen, wie sie es den Kartellwächtern zugesagt hatten. Dann sollen die UBI-Aktionäre die Übernahme förmlich beschließen.

Nachdem Messina das Misstrauen der Aufseher und der eigenen Aktionäre überwunden hat, kann er jetzt den Vorsprung zum wichtigsten Mitbewerber Unicredit ausbauen. Nach Berechnungen des Informationsdienstes Bloomberg ist die Übernahme die größte Bankenfusion des vergangenen Jahrzehnts in Europa.

Es ist ein ungewöhnlicher Deal. Nicht nur, weil feindliche Übernahmen in der Bankenbranche sehr selten sind, sondern auch, weil Experten meinen, dass die Übernahme von UBI der Auftakt zur überfälligen Bereinigung des italienischen Bankenmarkts sein könnte. Die lange erwartete Konsolidierung in ganz Europa dürfte aber durch die Großfusion in Italien vorerst kaum in Schwung kommen.

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    Druck auf den Bankensektor wächst

    „Ich erwarte, dass der Intesa-Effekt Druck auf andere Bankchefs ausüben und zu einer Intensivierung von Übernahmegesprächen führen wird“, sagte der Vorstandschef des italienischen Geldhauses Mediobanca, Alberto Nagel, am vergangenen Donnerstag bei der Vorstellung der Quartalszahlen seines eigenen Instituts. Nagels Schlussfolgerung: „Wir werden eine wachsende Konsolidierung im italienischen Bankensystem sehen.“

    Davon geht auch die Ratingagentur Scope aus: „Die Fragmentierung des italienischen Bankensektors unterminiert die Profitabilität der einzelnen Institute und der gesamten Branche“, meint Marco Troiano, stellvertretender Leiter des Financial-Institutions-Teams von Scope.  Eine Konsolidierung könnte seiner Meinung nach Kapazitäten freisetzen, die die Geldhäuser dringend brauchen, um die Digitalisierung voranzutreiben.

    Dem Vorstandschef von Intesa Sanpaolo gelingt die feindliche Übernahme des kleineren Wettbewerbers UBI Banca. Quelle: Bloomberg
    Carlo Messina

    Dem Vorstandschef von Intesa Sanpaolo gelingt die feindliche Übernahme des kleineren Wettbewerbers UBI Banca.

    (Foto: Bloomberg)

    In den vergangenen Jahren sei es den italienischen Banken gelungen, den hohen Bestand an faulen Krediten nach und nach deutlich zu reduzieren. Je sauberer die Bilanzen würden, desto leichter könne die Konsolidierung in Gang kommen, argumentiert Troiano. 2015 lag der Anteil der faulen Kredite an den gesamten Ausleihungen der italienischen Banken noch bei 17 Prozent, bis zum März 2020 schrumpfte dieses Verhältnis auf knapp sieben Prozent. 

    Zwischen 2016 und 2019 ist die Zahl der italienischen Banken bereits von über 600 auf unter 500 gefallen. Im Vergleich zu den 1500 deutschen Banken mag das wenig erscheinen, Frankreich kommt allerdings mit rund 400 Banken aus und Spanien sogar nur mit rund 200.

    Weitere Übernahmekandidaten im Gespräch

    Zu den Kandidaten für eine Marktbereinigung in Italien zählt Scope beispielsweise die drittgrößte Bankengruppe des Landes, BPM. Derzeit gebe es Spekulationen, dass BPM mit der Großbank Unicredit verhandele. Außerdem werde BPM mit Monte dei Paschi in Verbindung gebracht, heißt es in einem Researchbericht der Ratingagentur. Italien musste die Traditionsbank nach langer Leidensgeschichte 2017 verstaatlichen. Im kommenden Jahr will sich der Staat aber wieder aus der Beteiligung an Monte dei Paschi zurückziehen.

    Als Intesa im Februar die Übernahme von UBI erstmals vorschlug, begründete die Großbank den Schritt auch damit, sich eine bessere Position für die erwartete grenzüberschreitende Konsolidierung in Europa sichern zu wollen. Scope-Experte Troiano glaubt aber nicht, dass die Ereignisse in Italien grenzüberschreitende Fusionen und Übernahmen in Gang bringen werden. Theoretisch könnten sinnvolle Deals zwar zur Diversifizierung und damit auch zur Stabilisierung von Gewinnen beitragen, praktisch seien die Argumente für internationale Übernahmen aber sehr viel schwächer als für eine nationale Konsolidierung.

    Dabei hat die Europäische Zentralbank (EZB) gerade erst ihre grundsätzliche Unterstützung für grenzüberschreitende Übernahmen signalisiert: „Was wünschenswert wäre und wozu wir ermuntern, ist mehr Konsolidierung“, sagte EZB-Präsidentin Christine Lagarde vor Kurzem in einem Interview. Wenn es zu einer grenzüberschreitenden Konsolidierung komme, „umso besser“, fügte die Notenbankerin hinzu und sagte: „Wir versuchen den regulatorischen Rahmen so zu verändern, dass er eine mögliche Konsolidierung nicht behindert.“

    Uneinheitliche Regulierung behindert EU-weite Konsolidierung

    Aber gerade die zersplitterte Regulierung stellt nach Meinung vieler Banker noch immer das größte Hindernis für eine paneuropäische Konsolidierung dar. Die europäische Kleinstaaterei sieht auch die Unternehmensberatung ZEB als größtes Hindernis für mehr Fusionen und Übernahmen zwischen den Großbanken.

    Während die USA einen stark integrierten Heimatmarkt mit fast 330 Millionen Einwohnern böten und China sogar auf 1,4 Milliarden potenzielle Kunden komme, verteilten sich in der EU etwa 510 Millionen Einwohner auf 28 Länder mit großen wirtschaftlichen und rechtlichen Unterschieden. Obwohl alle europäischen Großbanken einer zentralen Aufsicht unterliegen, blieben die nationalen Regularien – insbesondere auf Produktebene oder beim Daten- und Verbraucherschutz – deutlich unterschiedlich.

    Bereits in den vergangenen Jahren ist die Zahl der europäischen Banken deutlich geschrumpft – nach Berechnungen von ZEB zwischen 2007 und 2018 von 6127 auf 4600. Allerdings habe die Konsolidierungswelle vor allem kleinere Institute erfasst. Bei den Großbanken hinke Europa dagegen international hinterher. Unter den größten 20 globalen Banken finden sich laut ZEB lediglich sieben europäische Institute, von denen es nur zwei unter die Top 10 schaffen.

    Vor allem chinesische Banken und große US-Institute erwirtschaften nach Berechnungen der Berater Eigenkapitalrenditen oberhalb von zehn Prozent, während europäische Institute mit durchschnittlich 7,2 Prozent im Jahr 2018 fast ein Jahrzehnt nach der Finanzkrise immer noch auf einem deutlich niedrigeren Niveau liegen.

    Mehr: Wie es zum Eklat um Cerberus und die Commerzbank kam

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