Italien: Krisenbank Monte dei Paschi kommt bei Risikoabbau voran
Der Börsenwert der ältesten Bank der Welt liegt bei derzeit rund zwei Milliarden Euro.
Foto: AFPRom. Die Zeit um den Jahreswechsel lief gut für die verstaatlichte Krisenbank Monte dei Paschi: Erst hatte die EU-Kommission im Dezember die Frist verlängert, zu der die Bank aus Siena ihren Plan vorlegen muss, wie sie zurück an den Markt will. Dann kam im Januar ein positives Urteil der Ratingagentur Moody’s, zum ersten Mal seit sieben Jahren.
Außerdem ist es der ältesten Bank der Welt, die 1472 gegründet wurde, gelungen, eine nachrangige Anleihe über 400 Millionen Euro zu platzieren. Die Nachfrage war mit 925 Millionen Euro groß, an der Börse in Mailand machte die Aktie einen Sprung nach oben. Der Börsenwert von Monte dei Paschi liegt bei zwei Milliarden Euro.
Als nächster Schritt zum Risikoabbau sind die Immobilien der Bank dran, mit einem Wert von 300 Millionen Euro. An diesem Freitag soll nach Angaben italienischer Medien die Versteigerung beginnen. Der Hauptsitz Rocca Salimbeni in Siena ist nicht darunter, dafür aber eine Liegenschaft am Corso in Rom, der Mailänder Sitz der Bank und zwei Objekte in Florenz. Interessenten sind Blackrock, Dea Capital und Hines/Ardion.
Der Plan von Bankchef Marco Morelli, die Bank für den Markt „aufzuhübschen“, scheint damit voranzuschreiten. Das Ziel ist eine Fusion oder eine Übernahme.
Das Abkommen mit der EU-Kommission sieht vor, dass die Bank Ende 2021 zurück am Markt ist. Monte dei Paschi hat 4,4 Millionen Retail- und 47.000 Unternehmenskunden und mehr als 36.000 vermögende Privatkunden, sowie Kundeneinlagen von 200 Milliarden Euro.
Niedriger Nettogewinn erwartet
Im dritten Quartal 2019 stieg der Nettogewinn im Vergleich zum Vorjahr um 3,3 Prozent auf 94 Millionen Euro. Insgesamt verzeichnete die Bank für die ersten neun Monate im Vergleich zum Vorjahreszeitraum 2018 aber einen Gewinneinbruch von 379 auf 187 Millionen Euro. Für 2020 rechnen die Analysten in Mailand mit einem niedrigeren Nettogewinn von 147,2 Millionen Euro. Dieser soll 2021 auf 295,2 und 2022 auf 388 Millionen Euro steigen.
Die Bank aus Siena war 2016 nach einer gescheiterten Kapitalerhöhung mit 6,9 Milliarden Euro vom italienischen Staat gerettet worden. Seitdem hält das Wirtschafts- und Finanzministerium den Mehrheitsanteil mit 68,5 Prozent. Die EU-Kommission und die EZB hatten nach langen Verhandlungen einer vorsorglichen Kapitalisierung zugestimmt.
Brüssel ist großzügig: Schon zweimal wurde die Frist verlängert, in der Italien einen Plan präsentieren muss, wie sich der Staat aus der Bank zurückzieht. Jetzt soll es so weit sein. „Anfang 2020“ werde der Plan präsentiert, teilte das Wirtschafts- und Finanzministerium mit. In Rom ist in Finanzkreisen von Anfang Februar die Rede. CEO Morelli arbeitet an der Umsetzung des Restrukturierungsplans, der Kosteneinsparungen, Reduzierung der Filialen und Entlassungen vorsieht.
Einen Strich durch die Planungen des Ministeriums könnte die Politik in Rom machen, falls die wackelige Regierung weiter in Schwierigkeiten gerät und es zu Neuwahlen kommt.
Ärger mit notleidenden Krediten
Das Hauptproblem von Monte dei Paschi ist das chronische Problem aller italienischen Institute: der Abbau der notleidenden Kredite. Fortschritte wurden jedoch gemacht. Die Heraufstufung von „negativ“ auf „positiv“ hätte man wegen der „signifikativen Prozesse“ vorgenommen, die bei der Bereinigung der Bilanz von faulen Krediten gemacht worden seien, heißt es bei Moody’s. Der Anteil der notleidenden Kredite an allen Krediten insgesamt sei innerhalb eines Jahres von 18 auf 12,5 Prozent gefallen. 2019 wurden notleidende Kredite im Wert von 3,8 Milliarden Euro verkauft. Noch stehen in den Büchern notleidende Kredite in Höhe von 14,5 Milliarden Euro.
Dieser Anteil von 12,5 Prozent sei noch immer „viel höher“ als der Durchschnitt des italienischen Bankensystems, der bei acht Prozent liege, so die Ratingagentur. Trotzdem übertrifft der Abbau das mit der EU-Kommission vereinbarte Ziel von 12,9 Prozent. Außerdem habe Monte dei Paschi dieses Ziel zwei Jahre früher erreicht als erwartet.
Das Wirtschafts- und Finanzministerium arbeite nun an der Schaffung einer „Bad Bank“, heißt es in Finanzkreisen. Doch Brüssel schaut genau hin, da die dafür ausgewählte Bank Amco ebenfalls im Staatsbesitz ist. Zehn der 14,5 Milliarden Euro an faulen Krediten sollen an Amco übertragen werden.
Noch im letzten Jahr hatte die Europäische Zentralbank ein Warnschreiben nach Siena geschickt. Darin war von „beträchtlichen Herausforderungen“ die Rede, die Monte dei Paschi bei der Rückkehr an den Kapitalmarkt bevorstünden. Die EZB wies auf Schwächen bei der Kapitalausstattung hin. Die Kennzahlen für Profitabilität und Kapitalpuffer lägen unter den Planzahlen.
Anfang Februar kommt der Verwaltungsrat zusammen, um über die Bilanz 2019 zu sprechen. Bis dahin müsse der Restrukturierungsplan in Brüssel sein, meint ein Finanzexperte. Anfang April geht nach der Hauptversammlung das Mandat Morellis zu Ende. Dann das Team auszuwechseln, schreibt der Leitartikler der „Sole-24ore“, würde den Sanierungsprozess verlangsamen. „Es wäre ein Wahnsinn, in Zeiten politischer Instabilität alles aufs Spiel zu setzen, was bisher an Gutem getan worden ist.“