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Italienische GroßbankUnicredit-Chef Mustier muss gehen

Der Vertrag des Franzosen wird nicht verlängert. Dahinter steht eine Grundsatzentscheidung: Unicredit könnte nun die Problembank Monte dei Paschi übernehmen.Regina Krieger 30.11.2020 - 21:55 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Der Vorstandschef der italienischen Großbank Unicredit galt eigentlich als erfolgreicher Sanierer.

Foto: Reuters

Rom. Unicredit-Chef Jean Pierre Mustier verlässt die italienische Großbank. Es sei in den vergangenen Monaten deutlich geworden, dass seine Vorstellungen zur Strategie nicht mit denen des Verwaltungsrats im Einklang stünden, erklärte Mustier am Montagabend. Mustier und die Bank teilten übereinstimmend mit, er werde nach dem Auslaufen seines Vertrags im April gehen.

Der Franzose steht seit Juli 2016 an der Spitze der „paneuropäischen“ Bank, wie Mustier Unicredit in Interviews gern nennt. Der ehemalige Fallschirmjäger setzte bei der Mutter der deutschen Hypovereinsbank einen harten Sparkurs durch. Die Aktie verlor nach Spekulationen um den Abgang bis Börsenschluss knapp fünf Prozent.

Seit Monaten wurde eigentlich über die mögliche Verlängerung des Vertrages spekuliert. Es ging jedoch um mehr als um die Personalie Mustier, es ging um die grundsätzliche Ausrichtung der Bank. Auf der einen Seite steht Mustiers strikte Ablehnung von Übernahmen und Fusionen, die er erst Anfang November bei der Präsentation der Quartalszahlen wiederholte: „Für Übernahmen gibt es keine Voraussetzungen, wir bleiben bei unserem Programm des organischen Wachstums.“

Dazu kommt, dass Mustier eine Ausgliederung der Auslandsaktivitäten von Unicredit in eine eigene Holding ausschloss, über die spekuliert worden war. „Das ist nach wie vor ein Projekt, aber wir haben nicht vor, daran weiterzuarbeiten“, sagte er.

Vor allem dieses Projekt, das Italiengeschäft und das Auslandsgeschäft zu trennen und für die deutsche und die österreichische Tochter eine eigene Einheit zu schaffen, sei auf Widerstand und Kritik bis in den Verwaltungsrat hinein gestoßen, heißt es jetzt. Außerdem musste Mustier wegen der Pandemie auf die Ausschüttung einer Dividende verzichten.

Neuer Besitzer für die Problembank Monte dei Paschi gesucht

Auf der anderen Seite steht die Suche des italienischen Staats nach einem neuen Besitzer für die Problembank Monte dei Paschi. Die Bank, deren Großaktionär seit der Rettung 2017 das römische Wirtschafts- und Finanzministerium ist, muss nach einer Übereinkunft mit der EU spätestens Ende 2021 wieder zurück auf den Markt. Und die Regierung will Unicredit als Käufer haben. Dagegen soll sich Mustier gestemmt haben.

Die Regierung hat im Haushaltsplan für 2021 eigens eine Kapitalerhöhung von zwei Milliarden Euro vorgesehen, um die Krisenbank aus Siena für einen Käufer attraktiv zu machen. Das Geschäft ist kompliziert, denn die populistische Koalitionspartei Bewegung Fünf Sterne würde die Bank lieber weiterhin in Staatshand behalten.   

Eine Schlüsselfigur in dem Spiel ist der designierte Präsident des Verwaltungsrats von Unicredit, Pier Carlo Padoan. Er hatte als Wirtschafts- und Finanzminister vor fünf Jahren die staatliche Rettung von Monte dei Paschi mit der EU-Kommission verhandelt. Von seinem Einfluss hängt ab, in welche Richtung die Großbank geht. Erst im Juli hatte es eine große Bankenfusion in Italien gegeben, als die Geschäftsbank Intesa Sanpaolo UBI Banca übernahm.  

Der Ausstieg Mustiers erhöht die Chancen einer Übernahme von Monte dei Paschi durch Unicredit, so die Analysten von Banca Akros vor der Bekanntgabe der Personalie am Montagabend. Auf der anderen Seite wird es unwahrscheinlicher, dass Unicredit über höhere Dividenden und Aktienrückkäufe Kapital an die Aktionäre zurückgibt.

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Nach Einschätzung der Analysten von Credit Suisse hätte eine Übernahme von Monte dei Paschi eine Reihe von Vorteilen für Unicredit. Nach ihren Berechnungen würde die Eigenkapitalrendite von Unicredit um 0,6 Prozent steigen, gleichzeitig könnte die neue größere Bank 40 Prozent der Kosten von Monte dei Paschi einsparen.

In Rom werden schon Nachfolger für Mustier gehandelt. Genannt werden Matteo Del Fante, der Vorstandschef von Poste Italiane, Bernardo Mingrone, Finanzchef der auf Zahlungsdienste spezialisierten Bank Nexi, Fabio Gallia, General Manager des Schiffbaukonzerns Fincantieri und auch Victor Massiah, der ehemalige Vorstandschef der Bank UBI Banca. Sogar Marco Morelli, dem gerade erst ausgeschiedenen Chef von Monte dei Paschi werden Chancen eingeräumt.
Mit Agenturmaterial

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