Jahreszahlen: Marktturbulenzen bescheren Deutscher Börse Rekordgewinn
Die Aktie des Börsenbetreibers hat seit ihrem Jahreshoch am 25. April rund zwölf Prozent verloren.
Foto: dpaFrankfurt. Die hohen Ausschläge an den Märkten und die Zinswende haben der Deutschen Börse einen Rekordgewinn beschert. Das Betriebsergebnis (Ebitda) kletterte im vergangenen Jahr um 24 Prozent auf 2,5 Milliarden Euro, wie Deutschlands größter Börsenbetreiber am Mittwochabend mitteilte.
Die Nettoerlöse kletterten ebenfalls um knapp ein Viertel auf 4,3 Milliarden Euro. Mit beiden Kennzahlen übertraf der Konzern die Schätzungen der Analysten leicht. Die geplante Dividende, die um 40 Cent auf 3,60 Euro je Aktie steigen soll, liegt dagegen unter den Markterwartungen.
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„Im abgelaufenen Geschäftsjahr haben wir nicht nur unsere Prognose klar übertroffen, sondern auch die Ziele unserer Wachstumsstrategie Compass 2023 ein Jahr früher erreicht“, sagte Vorstandschef Theodor Weimer. „Der erhöhte Absicherungsbedarf unserer Kunden sowie steigende Zinsen haben zu deutlichem zyklischen Rückenwind geführt.“ Darüber hinaus hätten eigene Wachstumsinitiativen zum Ergebnisanstieg beigetragen.
„Auch im laufenden Jahr rechnen wir, trotz der erwarteten Abschwächung der Konjunktur, mit weiterem Wachstum unseres Geschäfts“, erklärte Weimer. Konkret peilt er einen Anstieg der Nettoerlöse auf 4,5 bis 4,7 Milliarden Euro und des Betriebsgewinns auf 2,6 bis 2,8 Milliarden Euro an.
Kern der Deutsche-Börse-Strategie bleibe Wachstum aus eigener Kraft, ergänzt um Zukäufe, „wo strategisch und finanziell sinnvoll“, betonte Weimer. „Zudem erwarten wir in der neuen Ära der Geldpolitik weitere zyklische Impulse.“
Experten sagen für 2023 mehr Gegenwind voraus
An den Finanzmärkten geht es seit dem Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine turbulent zu. Für große Betriebsamkeit sorgen zudem die hohe Inflation, die gestiegenen Energiepreise und die Zinswende der Notenbanken.
Die Deutsche Börse profitiert von den steigenden Zinsen gleich doppelt. Im Wertpapierverwahrgeschäft verdient sie mit den Bareinlagen ihrer Kunden deutlich mehr. Im vergangenen Jahr schossen die Nettozinserträge im Segment Security Services um 420 Prozent auf 260 Millionen Euro nach oben. Zudem zog der Handel mit Zinspapieren an der Derivatebörse Eurex deutlich an.
Im Handel florierte auch das Geschäft mit Devisen, Gasprodukten und Indexderivaten. Wegen der hohen Ausschläge mussten die Marktteilnehmer zudem deutlich mehr Sicherheiten hinterlegen. Unter dem Strich baute die wichtigste Konzernsparte Trading und Clearing ihren Betriebsgewinn um 23 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro aus.
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Angesichts dieser Entwicklung hat die Deutsche-Börse-Aktie bereits im vergangenen Jahr deutlich zulegt. Die Mehrheit der Analysten empfiehlt das Papier weiterhin zum Kauf, sagt für 2023 allerdings mehr Gegenwind voraus.
Nach dem großartigen Jahr 2022 sei nun nur noch mit einem guten oder sehr guten 2023 zu rechnen, erklärten die Experten der Deutschen Bank kürzlich in einer Studie. Im Handelsgeschäft müsse sich die Börse an den hohen Vergleichswerten von 2022 messen lassen. Zudem bestehe Unsicherheit, wie sich das Handelsvolumen 2023 entwickle.
Im Wertpapierverwahrgeschäft rechnen die Deutsche-Bank-Analysten dagegen weiter mit kräftigen Zuwächsen. Im Fondsservicegeschäft, in dem der Betriebsgewinn im vergangenen Jahr um 20 Prozent sank, sowie im Bereich Data und Analytics werde die Börse dank eigener Wachstumsinitiativen ebenfalls zulegen.
Unabhängig von der Geschäftsentwicklung stehen für die Deutsche Börse 2023 wichtige Entscheidungen an. Im Jahresverlauf will der Konzern eine neue Strategie für die nächsten Jahre verabschieden. Spätestens im nächsten Jahr muss dann die Nachfolge von Vorstandschef Weimer geregelt werden, dessen Vertrag Ende 2024 ausläuft.