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  5. Nach Untersuchungen zu Epstein-Verbindung: Barclays-Chef tritt zurück

Jes StaleyChef der britischen Großbank Barclays tritt wegen Epstein-Untersuchung zurück

Offenbar waren Staleys Verbindungen zu dem verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein enger als angegeben. Nun tritt der Barclays-Chef zurück.Carsten Volkery 01.11.2021 - 11:55 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Der Barclays-Chef Staley stand seit 2015 an der Spitze der Bank.

Foto: Reuters

London. Lange sah es so aus, als könne Jes Staley den Epstein-Skandal aussitzen. Doch nun wurde der Barclays-Chef von seiner Beziehung zu dem verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein eingeholt. Der Vorstandschef trete mit sofortiger Wirkung zurück, teilte die britische Großbank am Montag mit.

Am Freitagabend hatten die britischen Aufsichtsbehörden FCA und PRA der Bank das vorläufige Ergebnis ihrer Epstein-Untersuchung mitgeteilt. Zum Inhalt äußerten sich die beiden Behörden nicht, doch war Staley offenbar nicht mehr haltbar. Man habe sich auf den Rücktritt geeinigt, weil Staley das Ergebnis anfechten wolle, erklärte die Bank.

Staleys Abgang überraschte die Londoner City. Hier galt der US-Amerikaner als einer der erfolgreichsten Bankchefs. Während andere europäische Institute sich aus dem Investmentbanking zurückzogen, hielt Staley unbeirrt daran fest – und wehrte erfolgreich den aktivistischen Investor Ed Bramson ab. In der Coronapandemie zahlte sich die Strategie aus: Die Investmentbanksparte wurde erneut zum Gewinnbringer der Bank.

Doch während Staley glänzende Ergebnisse meldete, lief im Hintergrund die Epstein-Untersuchung weiter. Die Aufseher prüften, ob der Bankchef seine Beziehung zu dem Straftäter gegenüber der Bank und der Aufsicht korrekt dargestellt hatte.

Der Barclays-Chef hatte stets betont, nur eine berufliche Beziehung zu Epstein gehabt zu haben. Doch E-Mails, die 2019 von den US-Behörden nach London übermittelt wurden, legen offenbar nahe, dass das Verhältnis darüber hinausging.

Mehr als eine berufliche Beziehung?

Die beiden Männer hatten sich im Jahr 2000 in New York kennengelernt, als Staley für die US-Bank JP Morgan arbeitete. Der Privatbanker kümmerte sich persönlich um den vermögenden New Yorker Investor. Der Kontakt riss auch nicht ab, als Epstein 2008 wegen sexuellen Missbrauchs einer 14-Jährigen zu einer Haftstrafe verurteilt wurde.

Noch sieben Jahre später segelte Staley mit seiner Jacht „Bequia“ zu Epsteins Privatinsel Little St. James in der Karibik. In der Zeit betrieb Epstein einen Sexhandelsring mit Minderjährigen. Das ganze Ausmaß trat erst Jahre später zutage, als das FBI im Sommer 2019 Epstein verhaftete.

Der Untersuchungshäftling wurde bald darauf in seiner Zelle tot aufgefunden, die offizielle Erklärung lautete Selbstmord. Im Zuge der Ermittlungen gerieten zahlreiche Prominente ins Visier der Behörden, in Großbritannien wurde etwa Prinz Andrew von seinen royalen Aufgaben entbunden.

Schon 2020 unter Erklärungsdruck

Die FCA und die PRA begannen ihre Untersuchung gegen Staley im Dezember 2019. Als Barclays dies im Februar 2020 anlässlich der Quartalszahlen bekannt gab, geriet der Bankchef unter erheblichen Erklärungsdruck. Gegenüber Journalisten beteuerte er damals, dass er nach seinem Ausscheiden bei JP Morgan nur noch gelegentlich Kontakt mit Epstein gehabt habe.

Seinen letzten Kontakt hatte er demnach in der zweiten Jahreshälfte 2015 – kurz vor seinem Amtsantritt bei Barclays. Er habe dies alles der Bank offengelegt, erklärte Staley. Berichte, nach denen er Epstein gut gekannt habe, träfen nicht zu. Mittlerweile bereue er sehr, dass er eine Verbindung zu Epstein gehabt habe. Der Verwaltungsrat der Bank stellte sich damals hinter den Vorstandschef und sprach ihm „volles Vertrauen“ aus.

Knapp zwei Jahre später sind FCA und PRA nun offenbar zu dem Schluss gekommen, dass Staleys Darstellung gegenüber der Bank und der Aufsicht nicht ganz vollständig war. Offiziell äußerten sich die Behörden nicht dazu.

Barclays beeilte sich zu betonen, es gehe nicht darum, dass Staley auf irgendeine Art in Epsteins Verbrechen verwickelt gewesen sei. „Es ist anzumerken, dass die Untersuchung nicht zu dem Schluss kommt, dass Staley die mutmaßlichen Verbrechen Epsteins gesehen hat oder davon Kenntnis hatte“, teilte die Bank mit. Dies sei der zentrale Punkt gewesen, warum die Bank Staley nach Epsteins Verhaftung 2019 unterstützt habe.

Barclays hat Staley lange gestützt

Doch sind unvollständige Angaben gegenüber der Aufsicht in Bankenkreisen ein ernsthafter Vorgang. Schon der leiseste Zweifel daran, ob eine Person persönlich und fachlich geeignet ist, eine Bank zu führen, kann zum Aus führen.

Barclays hatte Staley lange gestützt, obwohl er schon zuvor durch fragwürdiges Vorgehen gegen einen Whistleblower aufgefallen war. Eine Zeit lang war der Bankchef umstritten, aber zuletzt schien er angesichts der guten Zahlen fester im Sattel zu sitzen.

Staleys Nachfolger nahm gleich am Montag seine Arbeit auf. Es ist der bisherige Chef des globalen Handelsgeschäfts, C.S. Venkatakrishnan, bei den Mitarbeitern auch bekannt als „Venkat“. Wie Staley war er mehr als zwanzig Jahre bei JP Morgan, bevor er 2016 als Risikovorstand zu Barclays kam.

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„Venkat“ sei bereits vor einem Jahr als bevorzugter Nachfolgekandidat für Staley ausgewählt worden, teilte die Bank mit. Deshalb habe man ihn zum Chef des Handelsgeschäfts befördert.

Tatsächlich laufen schon länger Überlegungen zur Stabübergabe: Die „Financial Times“ hatte bereits berichtet, dass Staley 2021 aufhören wolle und die Suche nach einem Nachfolger laufe. So abrupt hatte sich allerdings niemand Staleys Abgang vorgestellt.

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