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Jochen Klösges Mut zum Neuanfang: Der neue Aareal-Chef soll frische Impulse geben

Der Ex-Commerzbank-Manager gilt als versierter Immobilienexperte. Fast noch wichtiger für den neuen Job dürfte sein, dass er als strategischer Kopf gilt, der neue Wege geht.
16.06.2021 - 19:11 Uhr Kommentieren
Einst fädelte er für die Commerzbank die Dresdner-Bank-Übernahme ein, später war er für das Immobiliengeschäft zuständig - auch für dessen Abwicklung. Quelle: DGAP
Jochen Klösges

Einst fädelte er für die Commerzbank die Dresdner-Bank-Übernahme ein, später war er für das Immobiliengeschäft zuständig - auch für dessen Abwicklung.

(Foto: DGAP)

Frankfurt Alte Liebe rostet nicht – für den Kölner Jochen Klösges ist der Chefposten bei der Aareal Bank so etwas wie eine Rückkehr zu den Wurzeln. Der 56-Jährige wechselt vom Chefposten der E.R. Capital Holding, dem Family Office des Hamburger Unternehmers Erck Rickmers, zum Wiesbadener Immobilienfinanzierer. Zuvor war der gebürtige Kölner viele Jahre als Banker in der Immobilienfinanzierung aktiv – in guten wie in schlechten Zeiten.

Klösges war einst Vorstand der mittlerweile untergegangenen Eurohypo, damals einer der größten Immobilienfinanzierer Europas, und er verantwortete im Vorstand der Commerzbank das gewerbliche Immobiliengeschäft, auch als dieses erst geschrumpft und dann gänzlich abgewickelt wurde. „Für das Thema Immobilien hat Jochen gebrannt“, sagt ein Weggefährte.

Fast noch wichtiger für Klösges’ neue Aufgabe dürften allerdings seine strategischen Fähigkeiten sein. Der Wiesbadener Immobilienfinanzierer, den der Fan des 1. FC Köln ab Mitte September führen soll, benötigt dringend neue Perspektiven. In den vergangenen Jahren hielt Hermann Josef Merkens, bis zu seiner Erkrankung Klösges’ Vorgänger an der Aareal-Spitze, seine Aktionäre mit lukrativen Portfoliokäufen bei Laune, bei denen immer wieder üppige Sondergewinne anfielen.

Jenseits solcher speziellen Gelegenheiten gilt das gewerbliche Immobiliengeschäft als schwierig und relativ riskant. Die Aareal Bank hat sich bislang schwer damit getan, neue Geschäftsfelder aufzubauen, sieht man einmal von der Software-Tochter Aareon ab.

Von Klösges’ Berufung erhofft sich der Aufsichtsrat daher wohl auch neue Impulse im Geschäft. Menschen, die den neuen Aareal-Chef lange kennen, trauen ihm das auch zu: „Er bringt die Fachkenntnis mit und den nötigen Schwung, um Dinge zu verändern“, bescheinigt ihm ein früherer Kollege. „Er ist nicht in alten Denkmustern verhaftet.“

Mut zum Neuanfang

Klösges war in den Jahren 2007 bis 2009 Leiter der Konzernentwicklung und damit auch Strategiechef, als es bei der Commerzbank hoch herging: Er hat die Übernahme der Dresdner Bank federführend eingefädelt und gesteuert. „Das war sein Meisterstück“, sagt einer, der diese Übernahme nach wie vor für richtig hält. Als die Commerzbank Staatshilfen benötigte, gehörte Klösges zu den maßgeblichen Managern, die darüber mitverhandelten.

Auch als Chef der E.R. Capital bewies Klösges Mut zu Neuem. Er hat das Family Office, das ursprünglich stark auf die Schifffahrt konzentriert war, in eine stark diversifizierte Gruppe umgewandelt, mit Schwerpunkten in Bereichen wie Immobilien, erneuerbare Energien, Private Equity, Schifffahrt und Asset-Management. Klösges habe „hervorragende Arbeit geleistet“, lobte Rickmers, Gründer und Inhaber der Gruppe, zum Abschied.

Streng genommen hatte Klösges auch mit seinem Wechsel nach Hamburg Mut zum Neuanfang bewiesen. Denn vor seinem Wechsel hatte seine steile Bankerkarriere bei der Commerzbank ein abruptes Ende gefunden – die wohl unschönste Episode in seiner Karriere.

Klösges stieß über die Eurohypo zur Commerzbank. Nach der Übernahme durch die Commerzbank integrierte Klösges den Immobilienfinanzierer in den neuen Mutterkonzern und hatte sich über den Job als Leiter Konzernentwicklung in den Vorstand hochgearbeitet, zuständig unter anderem für das Immobiliengeschäft.

Das wurde zum Stolperstein, als das durch die Finanzkrise schwer gebeutelte und vom Staat gerettete Kreditinstitut 2012 beschloss, komplett aus der gewerblichen Immobilienfinanzierung auszusteigen. Klösges hatte im Commerzbank-Vorstand vergeblich dafür gekämpft, zumindest einen gesunden Kern der Immobilien- und Schiffsfinanzierung fortzuführen. Mit Commerzbank-Chef Martin Blessing lag er in dieser Frage über Kreuz. Dass er im Sommer 2013 dann auf unschöne Art aus dem Führungsgremium der Bank gedrängt wurde, überraschte in Frankfurt deshalb niemanden.

„Mit seiner Meinung hält er nicht hinter dem Berg“

Klösges hätte damals wie sein ebenfalls geschasster Vorstandskollege Ulrich Sieber dagegen klagen können. Er zog es vor, bei der E.R. Capital Holding noch einmal neu anzufangen. „Das Ende bei der Commerzbank war für ihn schmerzhaft, aber er ist kein Mensch, der sich in so etwas verbeißt“, sagt einer, der ihn lange kennt.

Weggefährten aus Klösges’ Bankerleben schildern den neuen Aareal-Chef unisono als freundlichen, „wirklich netten“ Kollegen. „Mit seiner Meinung hält er aber nicht hinter dem Berg“, sagt einer von ihnen. Klösges könne auch mit schwierigen Themen umgehen – egal ob es um die Trennung von Mitarbeitern oder Kunden gehe.

Eine Mischung aus Charme und Klarheit könnte Klösges vielleicht auch im Umgang mit schwierigen Investoren wie etwa dem Hedgefonds Petrus Advisers helfen. Der Aareal-Bank-Großaktionär fordert von dem Wiesbadener Institut seit einiger Zeit eine höhere Rendite und mehr Sparsamkeit ein. Dass einige Investoren die Kritikpunkte des Londoner Investors teilen, zeigte die missglückte Abstimmung der Aareal Bank über die Vorstandsvergütung auf der Hauptversammlung.

In der Commerzbank haben Klösges viele als Motivator und Menschenfänger in Erinnerung. Ob sein Charme auch bei Investoren verfängt, muss er noch unter Beweis stellen.

Mehr: Aareal Bank muss in turbulenten Zeiten auf CEO-Suche gehen

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