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ImmobilienfinanziererAareal Bank muss in turbulenten Zeiten auf CEO-Suche gehen

Kein Chef, Zoff mit Hedgefonds und die Corona-Folgen. Lange galt die Aareal Bank als Hort der Stabilität. Nun muss der Schulterschluss mit den Investoren gelingen.Yasmin Osman 21.04.2021 - 18:09 Uhr Artikel anhören

Die SDax-Bank hat mit ungewöhnlich vielen Problemen zu kämpfen.

Foto: Aareal Bank

Frankfurt. So viele Baustellen wie im Moment hat es bei der Aareal Bank seit Langem nicht mehr gegeben: Der langjährige Vorstandschef Hermann Josef Merkens tritt krankheitsbedingt zurück, das Institut muss wegen der Corona-Pandemie für das Geschäftsjahr 2020 einen Verlust ausweisen und hoffen, dass die Europäische Zentralbank (EZB) im Herbst dennoch wieder Dividenden erlaubt. Das sind die Vorzeichen für die Hauptversammlung am 18. Mai, auf der Großaktionär Petrus Advisers eine Kampfabstimmung über den Aufsichtsrat herbeiführen will.

Das sind ungewöhnlich viele Turbulenzen für den Wiesbadener Immobilienfinanzierer, der mehr als ein Jahrzehnt in erster Linie als stabiles, unspektakuläres und fast berechenbares Kreditinstitut galt. Als schillernd ging bestenfalls Merkens“ Vorgänger als Vorstandschef, Wolf Schumacher, durch, der das Institut im Herbst 2015 Knall auf Fall nach Reibereien mit der mächtigen Aufsichtsratschefin Marija Korsch verließ. Selbst während der großen Finanzkrise schrieb die Aareal Bank keine Verluste.

Die Nachfolgesuche für Vorstandschef Merkens trifft das Institut daher zu einem ungünstigen Zeitpunkt – zumal der Manager, der auch viele Jahre lang Finanzvorstand des SDax-Konzerns gewesen war, bei Analysten einen guten Ruf genießt. „Er hat einen sehr guten Job gemacht“, sagt etwa Philipp Hässler, Analyst bei Pareto Securites. „Er war immer sehr, sehr konservativ und hat so verhindert, dass die Aareal Bank zu hohe Risiken eingeht.“

Merkens“ Abschied, der nun zum 30. April erfolgt, hatte sich angebahnt. Im November gab er bekannt, aus gesundheitlichen Gründen mehrere Monate lang pausieren zu müssen. Die damals genannte Frist von bis zu vier Monaten ist längst verstrichen. Die Bank hatte seit Längerem an einem Plan B gearbeitet. „Der für diesen Fall vorsorglich bereits forcierte Prozess der Nachfolgesuche befindet sich inzwischen in einem fortgeschrittenen Stadium“, teilte die Bank mit.

Dem Pareto-Analysten Hässler wäre eine Art Merkens-Klon als Nachfolger wohl am liebsten. „Sein Nachfolger – egal ob intern oder extern – sollte fachlich versiert sein und den konservativen Kurs fortsetzen. Es wäre falsch, jetzt größere Risiken einzugehen, sei es in Bezug auf die Länder, die Sektoren oder die Art des Neugeschäfts“, sagt er.

Der bisherige Aareal-Chef Hermann Merkens verlässt die Bank aus gesundheitlichen Gründen.

Foto: Aareal Bank AG

Bis die Entscheidung fällt, übernehmen wie bisher schon Finanzvorstand Marc Heß und Vorstandsmitglied Thomas Ortmanns seine Aufgaben. Heß hatte das Institut nach außen vertreten und unter anderem die überarbeitete Strategie vorgestellt. Dafür zollt Warburg-Analyst Andreas Pläsier ihm großes Lob: „Insbesondere Finanzchef Mark Heß hat Merkens gut vertreten. Das Mittelfristprogramm der Bank weist in die richtige Richtung“, sagt er. Das Vakuum an der Spitze stört den aktivistischen Investor Petrus Advisers seit Längerem.

Der Londoner Hedgefonds, mit 9,4 Prozent der Aktien zweitgrößter Aktionär des Instituts, drängte nicht nur seit geraumer Zeit auf eine Nachfolgeregelung für Merkens. Er ist auch unzufrieden über das Tempo und das Ausmaß, mit dem das Institut auf seine strategischen Forderungen eingeht.

Der Vorstand des Instituts ist aus seiner Sicht zu groß und zu üppig bezahlt. Er bemängelt zudem die aus seiner Sicht zu hohen Kosten des Instituts und damit auch die Kosten-Ertrags-Relation. Mit Blick auf die Dienstleistungstochter Aareon wünscht sich Petrus Advisers einen „Spin-off“, also eine Abspaltung der Softwaretochter.

Dass die Aareal Bank dem Wunsch nach einer Abspaltung der Aareon nachkommt, gilt als unwahrscheinlich. Allerdings hat die Aareal Bank im vergangenen August einen Anteil von 30 Prozent an den Finanzinvestor Advent verkauft. Der Teilverkauf hatte gezeigt, wie viel die Aareon wert ist: Auf Basis des Kaufpreises wurde sie mit 960 Millionen Euro bewertet. Das entspricht gut zwei Dritteln der aktuellen Marktkapitalisierung der Aareal Bank. Das weckt nun Begehrlichkeiten.

Auf der Hauptversammlung wird es daher zu einem Kräftemessen zwischen der Aareal Bank und Petrus Advisers kommen. Der Hedgefonds hat die Tagesordnung ergänzen lassen und will über den Austausch von drei Aufsichtsräten des Instituts abstimmen lassen. Für die Aufsichtsratsvorsitzende Marija Korsch schickt Petrus Advisers den früheren Hypo-Vereinsbank-Vorstand Theodor Heinz Laber ins Rennen. Die frühere Hypo-Vereinsbank-Managerin Marion Khüny soll Christoph von Dryander ersetzen und der frühere Versicherungsmanager Thomas Christian Hürlimann Dietrich Voigtländer.

Über die Erfolgsaussichten lässt sich wenig sagen. Zwar gilt es als wahrscheinlich, dass sich der Hedgefonds Teleios, der mit fünf Prozent an der Bank beteiligt ist, den Forderungen anschließen wird. Doch damit hätten die beiden Aktivisten vermutlich noch keine Mehrheit auf der Hauptversammlung, deren Präsenz zuletzt zwischen 50 und 55 Prozent lag.

Analysten sind nicht in Wechselstimmung

Bei Analysten ist von einer großen Wechselstimmung nicht viel zu spüren. „Die Bank steht prinzipiell gut da“, sagt Pareto-Analyst Hässler. Und Warburg-Experte Pläsier ist zwar der Meinung, die Bank könne „sicherlich noch an der einen oder anderen Stelle effizienter werden“.

Doch dramatisch sieht er die Lage nicht: „Da gibt es sicher noch Speck, aber das Institut ist auf einem guten Weg.“ Zur fehlenden Wechselstimmung mag beitragen, dass die Aareal Bank auf einzelne Forderungen der Hedgefonds auch immer wieder einging. So deutete das Institut an, dass der Vorstand kleiner werden könnte. Die Vorstandsbestellung von Dagmar Knopek etwa läuft Ende Mai aus und wurde bisher nicht verlängert.

Dass die Aareal Bank überhaupt so stark unter Druck geriet, ist auch der Coronakrise geschuldet. Die Pandemie trifft das Institut stark, weil es viele Einkaufszentren und Hotels finanziert. Das zwang das Institut zu einer hohen Risikovorsorge, die letztlich zu den roten Zahlen im vergangenen Jahr geführt hat. „Wenn die Bewältigung der Pandemie länger dauert, sehe ich vor allem die Größe des Hotelportfolios kritisch. Es ist deutlich größer als das Portfolio der Pfandbriefbank“, sagt Pareto-Experte Hässler deshalb.

Der Kursverlauf der vergangenen Monate hat der Bank allerdings eher geholfen. Dazu beigetragen hat unter anderem die Dividendenpolitik. Die Aareal Bank will auf der Hauptversammlung über eine Ausschüttung von 40 Cent je Aktie beschließen lassen. Nach Ende des Dividendenbanns der EZB im September könnte dann eine außerordentliche Hauptversammlung im vierten Quartal über die Ausschüttung von weiteren 1,10 Euro je Aktie entscheiden.

„Es war sehr geschickt, dass die Aareal Bank ihre Dividendenpläne für das Gesamtjahr zusammen mit der Verlustmeldung kommuniziert hat. Das hat dem Aktienkurs sehr geholfen“, sagt Pareto-Analyst Hässler. Denn für die Bank ist die Dividendenpolitik längst ein wichtiges Instrument.

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„Sie hat sich als Dividendentitel positioniert“, erklärt Warburg-Analyst Pläsier. „Dadurch, dass Dividenden durch die EZB im vergangenen Jahr verboten wurden, hatte die Aareal Bank im vergangenen Jahr auch Boden bei einigen langfristigen Investoren verloren. Deshalb waren die Aussagen zu Ausschüttungen wichtig.“ Zu den stabilen Ankerinvestoren, die sich im vergangenen Jahr zurückgezogen hatten, zählt etwa Blackrock, deren Anteil im vergangenen Sommer von 9,7 auf 2,4 Prozent schrumpfte.

Die Rückkehr zu einer zuverlässigen Dividende könnte zu mehr Ruhe unter den Aktionären führen. Der Einstieg der Hedgefonds hatte aus Sicht von Finanzprofis aber auf jeden Fall sein Gutes: „Die Hedgefonds dürften zum Kursanstieg der Aareal Bank zumindest beigetragen haben“, meint Pläsier. „Wenn Investoren Druck kreieren, müssen Manager hinterfragen, ob sie alles richtig machen.“

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