KfW-Kreditmarktausblick: KfW sieht Ende der Kreditflaute
Frankfurt. Die Förderbank KfW sieht Anzeichen für eine Wende im Darlehensgeschäft mit Unternehmen und Selbstständigen. „Erste Anzeichen machen Hoffnung auf ein Ende der Talfahrt am Kreditmarkt“, sagte die Chefvolkswirtin des Instituts, Fritzi Köhler-Geib. Denn nach kräftigen Rückschlägen im Vorjahr scheint sich das Neugeschäft mittlerweile zu stabilisieren.
Das geht aus dem jüngsten Kreditmarktausblick hervor, den die KfW für das Handelsblatt exklusiv berechnet. Im Jahresverlauf erwartet die KfW dann eine Belebung des Geschäfts. Für die Verdienstmöglichkeiten von Banken und Sparkassen wäre eine Erholung eine gute Nachricht. Die Rückgänge im Kreditgeschäft beschränken ihre Möglichkeiten, mit den Zinseinnahmen Geld zu verdienen.
Die KfW prognostiziert für das laufende erste Quartal einen Rückgang im Neugeschäft von drei Prozent im Vergleich zum Vorjahr und für das zweite Quartal ein Minus von 1,4 Prozent. Das entspräche einer deutlichen Verlangsamung des Abschwungs verglichen mit dem Jahr 2023. Denn im dritten Quartal lag das Minus noch bei „beträchtlichen 15,7 Prozent“, im vierten Quartal waren es der Analyse zufolge noch immerhin 12,5 Prozent.
Für die Ermittlung des Kreditneugeschäfts analysiert die KfW vierteljährlich die Veränderungen des von der Bundesbank erhobenen Kreditbestands und erstellt Annahmen über die planmäßigen Tilgungen, also Kreditrückzahlungen, da diese dabei einkalkuliert werden müssen. Wohnungsbaudarlehen und Kredite an Versicherer und Finanzierungsinstitutionen rechnet die KfW aus den Bundesbank-Daten heraus.
Auch Daten der Bundesbank zeigen, dass die Nachfrage nach Darlehen noch immer schrumpft, wenngleich nicht mehr im selben Tempo wie im vergangenen Jahr. In der vierteljährlichen Bundesbank-Umfrage unter Banken, dem Bank Lending Survey, berichten noch immer überdurchschnittlich viele Banken von einem geringeren Interesse ihrer Unternehmenskunden an Darlehen. Im vergangenen Jahr hatten allerdings noch deutlich mehr Kreditinstitute davon berichtet.
„Die negativen wirtschaftlichen Vorgaben wirken in Deutschland weiter bremsend für eine allgemeine Kreditausweitung im Binnenmarkt“, sagt ein Sprecher der Firmenkundensparte der Commerzbank. Dagegen beobachtet die Deutsche Bank „eine leichte Erholung im Kreditgeschäft mit Unternehmen“, wie ihr Leiter Unternehmensfinanzierung Hauke Burkhardt sagte. „Seit Jahresbeginn sehen wir mehr Aktivitäten bei der Finanzierung von Firmenkäufen und auch eine leichte Erholung bei Immobilienfinanzierungen“, so Burkhardt.
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„Eine nachhaltige Umkehr am Kreditmarkt setzt voraus, dass sich die Konjunktur erkennbar belebt und die Planungssicherheit der Unternehmen wieder zunimmt“, sagt auch KfW-Chefvolkswirtin Köhler-Geib. Entscheidend ist für sie, dass die Inflation weiter sinkt und damit die Chancen für Zinssenkungen steigen. „Eine Zinssenkung bedeutet ein positives Signal für die Investitionsentscheidungen der Unternehmen“, erläutert Köhler-Geib.
EZB: Anzeichen für Zinssenkung
Das Zinsniveau ist neben der Zurückhaltung von Anlageinvestitionen seit Langem der wichtigste Grund für den Verzicht auf Bankdarlehen, zeigen die Erhebungen der Bundesbank. Seit einigen Monaten mehren sich nun die Anzeichen dafür, dass die Europäische Zentralbank die Zinsen in diesem Jahr wieder senken könnte.
„Die Erwartung sinkender Zinsen hat dem Markt geholfen. Das schürt Hoffnungen für das Kreditgeschäft insgesamt“, sagt Firmenkundenleiter Burkhardt. Ähnlich sieht es die Commerzbank. „Die Fantasie für Zinssenkungen durch die EZB sowie der Bedarf für transformatorische Investitionen bieten die Chance für positive Impulse insbesondere in der zweiten Jahreshälfte 2024“, sagt ein Sprecher des Instituts.
Auf ihrem aktuellen Niveau bremsen die Zinskosten den Kredithunger der Unternehmen allerdings noch, meint Arno Fuchs, Chef des Finanzierungsspezialisten FCF Fox Corporate Finance. „Die absolute Zinslast für mittelständische Unternehmen befindet sich damit nahe eines Zehnjahreshochs“, sagt der FCF-Chef.
Bis Oktober 2023 sind die durchschnittlichen Zinsen für Unternehmenskredite auf 4,3 Prozent gestiegen, bevor sie im Dezember auf 3,4 Prozent zurückgingen. Doch seit Jahresbeginn sind die Zinsen bis Mitte Februar wieder bis auf 4,0 Prozent gestiegen, zeigt der FCF Zins- und Kreditmonitor, der dem Handelsblatt vorab vorlag.
Zurückhaltung auch bei Investitionskrediten
Grund genug für viele Firmen, sich gut zu überlegen, wofür sie Darlehen aufnehmen: „Das gestiegene Zinsniveau wirkt sich auf die Nachfrage nach kurzfristigen Betriebsmittelkrediten aus“, sagt Burkhardt. „Die Unternehmen setzen sich stärker damit auseinander, wie sie ihren Betriebsmittelbedarf intern optimieren können.“
Auch mit Investitionskrediten halten sich viele Firmen zurück. „Zwar investieren die Unternehmen wieder etwas mehr, aber das schlägt noch nicht so stark auf den Kreditmarkt durch, weil viele Firmen dafür sehr stark auf Innenfinanzierungen zurückgreifen“, so Burkhardt. Die Unternehmen planten auch verstärkt tiefgreifende, transformatorische Investitionen. „Doch solche Investitionen haben einen längeren zeitlichen Vorlauf in der Planung und der Finanzierung“, sagt Burkhardt.
Aus Sicht von Finanzierungsspezialist Fuchs trägt aber auch das restriktive Verhalten der Banken zur Flaute am Kreditmarkt bei. Seit Beginn der Zinserhöhungen hätten Banken die Margen, die sie von Kunden verlangen, deutlich erhöht.
Und vor zwei Jahren hätten Unternehmen in der Regel noch Kredite mit einer Laufzeit von fünf Jahren bekommen. „Mittlerweile sind drei Jahre der Standard, für längere Laufzeiten muss man kämpfen“, sagt Fuchs. „Wir beobachten nicht, dass sich die Kreditkonditionen für mittelständische Unternehmen verbessert haben“, resümiert er.
Dass die Banken seit dem Sommer 2022 bei der Kreditvergabe immer strenger geworden sind, zeigen auch Indikatoren wie die Bankenumfrage der Bundesbank oder die KfW-Ifo-Kredithürde, denen zu entnehmen ist, wie schwierig für Unternehmen der Zugang zu Bankfinanzierungen ist. Zuletzt haben sich die Anforderungen der Banken zwar leicht abgeschwächt, bleiben nach Ansicht von KfW-Chefvolkswirtin Köhler-Geib aber „deutlich restriktiv“. „Für das laufende Quartal erwarten wir, dass die Unternehmen ihre Anforderungen auf dem restriktiven Niveau belassen werden“, sagt Köhler-Geib.
Erstpublikation: 25.03.2024, 04:03 Uhr.