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Kölner TraditionsbankDeutsche Bank will Sal. Oppenheim aufspalten

Die Kölner Privatbank Sal. Oppenheim steht vor dem Aus: Europas einst größte unabhängige Privatbank soll zerlegt werden. Die Kernstücke sollen an die Fondstochter der Deutschen Bank gehen – für die das eine willkommene Bereicherung ist.Yasmin Osman, Michael Maisch 25.10.2017 - 17:07 Uhr Artikel anhören

Die Zukunft der Traditionsbank sieht düster aus.

Foto: dpa

Frankfurt. Der Umbau der Deutschen Bank trifft die Kölner Privatbank Sal. Oppenheim mit voller Wucht. Das traditionsreiche Institut soll aufgeteilt werden, erfuhr das Handelsblatt aus Finanzkreisen. Das besonders wertvolle Geschäft mit institutionellen Kunden schnappt sich die Deutsche-Bank-Tochter Deutsche Asset Management (Deutsche AM). Auch die etwa 40 bis 50 Mitarbeiter dieses Bereichs, ist zu hören, sollen zur Deutschen AM wechseln.

Unklar ist, was mit dem verbleibenden Sal.-Oppenheim-Geschäft, der Beratung reicher Kunden, wird. Es gilt als unwahrscheinlich, dass die Sparte eigenständig überlebensfähig ist. Eine Integration in den Konzern, etwa in den Wealth-Management-Bereich der Deutschen Bank, gilt deshalb als wahrscheinlich. Sal. Oppenheim, Deutsche AM und Deutsche Bank wollten sich zu den Informationen auf Anfrage nicht äußern.

Für die Deutsche AM ist der Zuschlag des institutionellen Geschäfts von Sal. Oppenheim eine willkommene Bereicherung: Sal. Oppenheim hat sich über die Jahre einen sehr guten Ruf in der quantitativen, also regelbasierten, Aktienanlage erarbeitet. „Das Quant-Geschäft ist eine echte Stärke von Sal. Oppenheim“, sagte ein Insider. In den vergangenen 16 Jahren haben sich die Quant-Fonds in 14 Jahren besser als ihre Vergleichsindizes geschlagen. Die Fondsmanager der Privatbank analysieren dazu rund 200 Faktoren, mit denen sie die relative Attraktivität von Aktien ermitteln.

Gefragtes Quant-Geschäft

Bislang besaß die Deutsche AM bei Quant-Strategien keine nennenswerte eigene Expertise. Dieses Geschäft spielt insbesondere für institutionelle Investoren eine wichtige Rolle, das gilt vor allem für Asien. Die Deutsche AM könnte diesen Ansatz künftig global ausrollen. Deutsche-AM-Chef Nicolas Moreau hat mehrfach deutlich gemacht, dass er gerne im Ausland wachsen möchte, unter anderem in Asien.

Mit der Entscheidung putzt die Deutsche Bank ihre Fondstochter vor deren geplantem Börsengang noch einmal hübsch heraus. Die Bank will einen Minderheitsanteil der Deutschen AM an die Börse bringen. Offiziell hat sich die Bank dafür eine Frist bis Frühjahr 2019 gegeben, aber dem Vernehmen nach ist eine Aktienplatzierung im ersten Halbjahr 2018, vermutlich im Frühjahr, am wahrscheinlichsten. Je nach Bewertung könnte die Bank bei einem Verkauf von rund einem Viertel der Fondssparte bis zu zwei Milliarden Euro einspielen.

Der Teil-Börsengang der Deutschen AM ist ein wichtiger Baustein der im Frühjahr angekündigten Strategie der Deutschen Bank. Das Institut hatte Anfang März neben dem Börsengang der Fondssparte auch die Integration der Postbank in die Privatkundensparte sowie niedrigere Kosten angekündigt.

Fortschritte bei der Umsetzung der Strategie sind für die Bank notwendig, da die Geschäftszahlen, die am Donnerstag veröffentlicht werden, dem Vernehmen nach eher enttäuschend ausgefallen sind. „Sollten die Zahlen nicht gut ausfallen, wäre es umso wichtiger, dass die Bank dann in Sachen Strategie liefert, liefert, liefert – und nicht nur ankündigt“, sagte ein Bankenaufseher.

Düster sieht dagegen die Zukunft für die 1789 gegründete Privatbank Sal. Oppenheim aus. Kommt es zur Integration der Restbestände, würde damit ein turbulentes Kapitel deutscher Bankengeschichte enden. Noch Mitte der 1990er-Jahre galt die familiengeführte Bank als überkapitalisiert. Nach dem Kauf der BHF Bank war Sal. Oppenheim sogar die größte unabhängige Privatbank Europas mit mehr als 3000 Mitarbeitern. Zum Vergleich: Heute arbeiten noch 320 Menschen für Sal. Oppenheim.

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Denn die Vertreter der siebten Generation der Gründerfamilie und von ihnen angestellte Manager führten die Bank in einer Mischung aus Größenwahn und Missmanagement in den Abgrund. Sal. Oppenheim ging riskante Engagements ein, etwa beim insolventen Handels- und Tourismuskonzern Arcandor oder der IKB. Auch mit Wertpapierspekulationen verlor das Institut viel Geld. Am Ende bewahrte nur der Notverkauf Sal. Oppenheims an die Deutsche Bank im Jahr 2009 das Bankhaus vor dem Aus.

Die Deutsche Bank erbte neben dem Fondsgeschäft und der Vermögensverwaltung auch einige Rechtsstreitigkeiten, etwa wegen geschlossener Immobilienfonds, die Sal. Oppenheim mit dem Immobilienberater Josef Esch aufgelegt hatte. Erst im Dezember 2016 etwa einigte sich die Bank in einem Vergleich mit der Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz.

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