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Landesbank Erst die Rettung, zurück ins Plus, dann sieben Prozent Rendite: NordLB hat ambitionierte Ziele

Die jüngst gerettete Landesbank NordLB will bis 2024 eine Rendite von mehr als sieben Prozent nach Steuern erzielen. Vorstandschef Thomas Bürkle erklärt, wie er das schaffen will.
21.01.2020 - 04:00 Uhr Kommentieren
NordLB steckt sich nach Rettung „ambitionierte“ Rendite-Ziele Quelle: dpa
NordLB

Die Landesbank hat sich hohe Ziele gesteckt.

(Foto: dpa)

Berlin Kurz vor Weihnachten kam die erlösende Nachricht aus Brüssel: Die EU-Wettbewerbsbehörde segnete den Rettungsplan für die angeschlagene NordLB ab. Doch die eigentliche Arbeit geht für Vorstandschef Thomas Bürkle jetzt erst los. Die viertgrößte Landesbank muss das Vertrauen der Kunden zurückgewinnen, in der Bilanz aufräumen und die Kosten senken.

So soll im kommenden Jahr die Rückkehr in die Gewinnzone geschafft werden. Für das Jahr 2024 hat sich Bürkle sogar eine Eigenkapitalrendite nach Steuern von über sieben Prozent vorgenommen. Das wäre dieselbe Liga, in der UBS, Banco Santander oder Intesa San Paolo spielen. Entsprechend kritisch werden die Pläne in der Branche beäugt.

„Ich bin der Letzte, der behauptet, dass wir kein ambitioniertes Ziel verfolgen“, sagt der 66-jährige Manager im Gespräch mit dem Handelsblatt. Die Kostenquote soll bis 2024 auf 46 Prozent sinken. Um einen Euro zu verdienen, würde die NordLB dann nur noch 46 Cent aufwenden. Auch das schaffen im Moment nicht viele Geldhäuser. „Ohne das Schiffskreditgeschäft, von dem sich die Bank vollständig trennt, kamen wir schon in der Vergangenheit auf 50 Prozent“, erklärt Bürkle.

Er führt die NordLB seit Anfang 2017 und will sie nun kleiner, schlanker, effizienter machen. Schiffskredite soll es künftig nicht mehr geben. Denn davon hatte die NordLB in den vergangenen Jahren so viele ausfallgefährdete Darlehen angehäuft, dass sie 2018 einen Rekordverlust von 2,4 Milliarden Euro schrieb und Kapitalhilfen brauchte.

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    Nach mehrmonatigen, teils sehr kontroversen Verhandlungen einigten sich die Sparkassen-Finanzgruppe und die Länder Niedersachsen und Sachsen-Anhalt schließlich auf ein 3,6 Milliarden Euro schweres Rettungspaket. Dann war die EU-Kommission am Zug, die das Paket am 23. Dezember absegnete – nach Bürkles Worten war das der „wichtigste Tag der Bank im vergangenen Jahr“. Denn erst danach konnte das ersehnte Geld fließen.

    Jetzt steht eine Radikalkur an: Die anvisierte Kapitalrendite soll maßgeblich durch Kosteneinsparungen erzielt werden. „Das ist der Haupttreiber“, sagt Bürkle, dessen Vertrag Ende 2021 ausläuft. Parallel zum Abbau der Bilanzsumme von 147 Milliarden auf 95 Milliarden Euro soll sich die Zahl der Mitarbeiter bis 2024 in etwa halbieren auf 2 800.

    Der Umbau findet in einem schwierigen Umfeld statt: Die Zinsflaute hält an, die Konjunktur kühlt sich gerade ab, und in Deutschland tobt ein „knüppelharter Wettbewerb“ um Firmen- und Privatkunden, wie der Bankenverband BdB unlängst noch einmal mahnte. Der Druck auf die Margen ist groß. Die Eigenkapitalrendite nach Steuern habe sich 2018 in der deutschen Bankenlandschaft auf ein Prozent halbiert, stellte die Unternehmensberatung Bain fest.

    Votum Brüssels war „hohe Hürde“

    Die NordLB will bei den Kunden künftig vor allem mit der Finanzierung von erneuerbaren Energien, Infrastrukturprojekten und Immobilien punkten. Beibehalten wird auch das Verbundgeschäft mit den Sparkassen sowie die Flugzeugfinanzierung, die auch schwarze Zahlen liefert. „Ich war immer davon überzeugt, dass wir der Kommission einen substanziellen und tragfähigen Businessplan vorgelegt haben“, sagt Bürkle.

    Aber natürlich sei das Votum Brüssels „eine hohe Hürde gewesen“, zumal die Wettbewerbskommission auch eigene Berater hinzugezogen und das Konzept „auf Herz und Nieren“ geprüft habe. Mit den freigegebenen Mitteln von 2,8 Milliarden Euro steigt die Kernkapitalquote der Landesbank nun auf 14 Prozent von zuletzt 6,5 Prozent an. Weil der Personalabbau aber viel Geld verschlingt, dürfte die NordLB auch für 2019 einen Verlust schreiben.

    Mit einer Prognose für 2020 hält sich Bürkle im Moment noch zurück. Klar sei nur, dass die Belastungen im Rahmen der Neuausrichtung auch im laufenden Jahr spürbare Auswirkungen auf das Bank‧ergebnis haben werden. Aber 2021 werden definitiv schwarze Zahlen angepeilt, die die Bank in die Lage versetzen sollen, wieder dividendenfähig zu sein.

    Ob es dann zu einer Ausschüttung kommt, werden die Träger entscheiden. Noch vor wenigen Monaten gab es einen Streit zwischen der Sparkassenorganisation und dem Land Niedersachsen darüber, welche Voraussetzungen für eine Gewinnausschüttung erfüllt sein müssen.

    Keinen Zweifel lässt Bürkle daran, dass die Immobilientochter Deutsche Hypo Teil des NordLB-Konzerns bleiben wird. „Die Deutsche Hypo ist eine gut geführte Bank und wird unser Kompetenzzentrum für das gewerbliche Immobiliengeschäft bleiben“, betont der Vorstandschef. In intensiven Diskussionen befindet sich das Management über die Ausgliederung der Investitionsbank von Sachsen-Anhalt.

    „Ich gehe davon aus, dass wir in den kommenden zwei Monaten Genaueres wissen“, sagt Bürkle. Beispielsweise brauche das Förderinstitut eine eigene Banklizenz. Auf keine Diskussion will sich Bürkle hinsichtlich einer möglichen Kommunalisierung der Braunschweigischen Landessparkasse einlassen, die derzeit Teil der NordLB ist. Er verweist auf Äußerungen des Aufsichtsratschefs Reinhold Hilbers, in Personalunion christdemokratischer Finanzminister Niedersachsens. Man sei offen für eine Herauslösung, dabei dürfe die NordLB aber keinen Schaden nehmen.

    Vorschusslorbeeren von Moody’s

    Auch wenn sich die Umrisse der neuen NordLB erst vorsichtig abzeichnen und die eigentliche Umbauarbeit erst beginnt, würdigte die Ratingagentur Moody’s bereits den Plan und stufte die Bank kürzlich um zwei Stufen auf „A3“ hoch. Bürkle spricht von einem „Vertrauensbeweis“. Natürlich sei die Kapitalisierung der Bank dafür die Grundlage.

    „Aber wenn die Ratingagentur unserem Geschäftsmodell nicht vertrauen würde, wäre unser Rating nicht um zwei Stufen gestiegen.“ Trotzdem sieht er bei der Bonitätsbewertung noch „Luft nach oben“. Ein höheres Rating erleichtert die Refinanzierung der Bank und wirkt sich positiv auf das Neugeschäft aus. Das habe aber im vergangenen Jahr trotz der Unsicherheiten „weniger gelitten als befürchtet“, so Bürkle. „Wir haben im Firmenkundengeschäft, in der Spezialfinanzierung und im Immobiliengeschäft recht gutes Neugeschäft geschrieben, das wir 2020 weiter steigern wollen.“

    Nicht unglücklich dürfte Bürkle darüber sein, dass ihm wohl bis 2024 das Thema Landesbankenkonsolidierung erspart bleiben wird. Zwar heißt es in der Grundlagenvereinbarung von Niedersachsen und Sparkassen-Finanzgruppe, dass die NordLB in eine zukünftige Konsolidierung einbezogen werden könne. Aber Bürkle kann nicht erkennen, „dass jemand bei der NordLB das Thema Landesbankenkonsolidierung forciert“.

    Im Moment sei das nicht Teil der Planung des Vorstands, die bis 2024 reiche. Als der Vorstandschef im vergangenen Jahr die Bilanz mit dem Rekordverlust vorstellte, bezeichnete er das Jahr 2018 als „das intensivste, das ich in meiner beruflichen Zeit erlebt habe“. Man darf gespannt sein, wie sein Urteil für das Jahr 2019 ausfällt.

    Mehr: Anfang Dezember erteilte die EU-Kommission die Genehmigung, jetzt ist es endlich da. Das Rettungspaket für die NordLB umfasst gut 3,6 Milliarden Euro.

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