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Lloyds-Chef Englands erfolgreichster Bankensanierer wird Chefaufseher der Credit Suisse

António Horta-Osório wird Nachfolger von Urs Rohner an der Spitze des Verwaltungsrats der Schweizer Großbank. Die hat mit einer Reihe von Altlasten zu kämpfen.
01.12.2020 Update: 01.12.2020 - 17:45 Uhr Kommentieren
Der langjährige Chef der britischen Bank Lloyds übernimmt in wenigen Wochen den Posten des Verwaltungsratspräsidenten bei der Credit Suisse. Quelle: Reuters
António Horta-Osório

Der langjährige Chef der britischen Bank Lloyds übernimmt in wenigen Wochen den Posten des Verwaltungsratspräsidenten bei der Credit Suisse.

(Foto: Reuters)

Frankfurt, London Einer der profiliertesten Sanierer der britischen Bankenwelt wird neuer Chefaufseher bei der Credit Suisse (CS). António Horta-Osório, derzeit noch Chef der britischen Lloyds Banking Group, soll ab Mai die Nachfolge von Urs Rohner als Präsident des Verwaltungsrats der Schweizer Großbank antreten. Es ist die nächste von einer ganzen Reihe an Spitzenpersonalien in der europäischen Bankenwelt.

Erst am Montag hatte die Lloyds den Nachfolger von Horta-Osório als CEO bekanntgegeben, Charlie Nunn, zuletzt Privatkundenchef bei der HSBC. Bei der italienischen Großbank Unicredit scheidet zudem CEO Jean Pierre Mustier aus. Horta-Osório ist einer der dienstältesten Vorstandschefs im britischen Bankgeschäft.

Er hatte die in der Finanzkrise verstaatlichte Lloyds 2011 übernommen und zurück in die Gewinnzone geführt. Nicht zuletzt dank ihm konnte die britische Regierung ihren Anteil mit Gewinn verkaufen. Seine neun Jahre an der Spitze gelten daher insgesamt als Erfolg, auch wenn er einige kostspielige Skandale zu verantworten hatte.

Mit dem Wechsel zu Credit Suisse steigt der 56-jährige Portugiese nun in eine neue Liga auf. Lloyds ist eine klassische Filialbank, die Privat- und Firmenkunden auf dem britischen Heimatmarkt bedient. Die globale Welt der Vermögensverwaltung und des Investmentbankings ist in gewisser Weise Neuland. Doch sehen Beobachter einen frischen Blick bei der Credit Suisse nicht unbedingt als Nachteil.

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    Erfahrung als Sanierer

    Horta-Osório sei eine gute Wahl, sagt Matthias Schulthess, Partner bei der Executive-Search-Firma Schulthess Zimmermann und Jauch. „Für den Posten des Chairmans brauchen Sie ein starkes Leadership-Profil. Das bringt er mit.“ Die Erfahrung als Sanierer sei hilfreich.

    „Gerade im aktuellen konjunkturellen Umfeld ist es wichtig, dass ein Chairman in der Lage ist, ein Unternehmen insgesamt effizient aufzustellen“, sagt der Headhunter. Bei der Credit Suisse muss Horta-Osório noch von der Aktionärsversammlung im Frühjahr 2021 bestätigt werden.

    Der scheidende Chefaufseher Rohner erklärte in einer Mitteilung: „Ich freue mich außerordentlich, dass wir eine im höchsten Maße erfahrene und ausgewiesene Persönlichkeit des internationalen Bankgeschäfts als meinen Nachfolger vorschlagen können.“

    In Züricher Finanzkreisen wurde die Berufung Horta-Osórios am Dienstag breit diskutiert. Bereits am Montagabend liefen unter Bankern Wetten, wer das Rennen macht. Einig waren sich die meisten Beobachter, dass ein Mann aus London zum Zuge kommt.

    Ein öfter diskutierter Name: Bill Winters von Standard Chartered, seit 2015 CEO der britischen Großbank. Im November im Gespräch für den Spitzenposten war Finanzkreisen zufolge auch Romeo Cerutti, derzeit Chefjustiziar der Credit Suisse und Rohner-Vertrauter. Die Bank wollte die Personalie vor einigen Wochen auf Anfrage des Handelsblatts nicht kommentieren. Cerutti wäre eine interne Lösung gewesen.

    Ein Schweizer Topbanker verweist jedoch darauf, dass mit der Berufung des Schweizers Thomas Gottstein zum CEO der Großbank im Februar der Weg frei geworden sei für eine ausländische Besetzung. Schweizer Banken müssten in der Regel zumindest von einem Landsmann geführt werden, sonst mangele es an Akzeptanz in der Heimat. Da Gottstein unumstritten sei, sei die externe Lösung vorstellbar geworden. Rohner räumt seinen Posten im Verwaltungsrat im kommenden Jahr im Einklang mit der Amtszeitbeschränkung von zwölf Jahren.

    Krisenreiches Jahr

    Er ist seit 2009 Mitglied des Gremiums und leitet dieses seit 2011. Allerdings war das letzte Jahr für Rohner extrem schwierig: Unter seiner Aufsicht war die Credit Suisse mit ihrem damaligen CEO Tidjane Thiam in einen Überwachungsskandal verstrickt. Ein anderer ehemaliger Spitzenmanager, Star-Vermögensverwalter Iqbal Khan, war zum Rivalen UBS gewechselt.

    Daraufhin wurden Privatdetektive engagiert, um zu überprüfen, ob Khan Kunden abwirbt. Der Überwachungsskandal hatte international hohe Wellen geschlagen, auch weil ein beteiligter Privatdetektiv Selbstmord beging. Die Affäre kostete CEO Thiam den Job, auch Chief Operating Officer Pierre-Olivier Bouée und der Sicherheitschef haben die Bank inzwischen verlassen.

    Der Skandal beschäftigt die Bank bis heute. Die Schweizer Bankenaufsicht Finma hat sich mittlerweile eingeschaltet. Zu Beginn der Woche berichtete zudem das „Wall Street Journal“, dass noch weitere hochrangige Mitarbeiter der Bank bespitzelt worden seien.

    Horta-Osório muss sich zudem mit einem weiteren Problem befassen: Wie die CS ebenfalls am Dienstag bekannt gab, muss das Institut einen dreistelligen Millionenbetrag zusätzlich für Restrisiken in den USA zurückstellen. Hintergrund ist ein Prozess aus der US-Immobilienkrise von 2009.

    Die US-Tochter der CS war vor der Finanzkrise auf dem Markt für strukturierte Wertpapiere auf der Basis von Wohnhauskrediten aktiv, sogenannten Residential Mortgage Backed Securities (RMBS). Die Bank reichte Immobilienkredite aus, sammelte diese und verpackte sie zusammen mit Krediten von anderen Banken in Wertpapiere, die sie an Investoren verkaufte.

    Das Versicherungsunternehmen MBIA, das Versicherungen für den Ausfall von RMBS-Papieren verkauft hatte, wirft der Credit Suisse vor, dass die zugrunde liegenden Sicherheiten nicht den vertraglichen Anforderungen entsprachen. Sie fordert von der CS rund 680 Millionen Dollar.

    Die CS erklärte, in der Vergangenheit bereits 300 Millionen für die Rechtsrisiken zurückgestellt zu haben. Nach einem Richterspruch in der Nacht zu Dienstag seien Rückstellungen in Höhe von weiteren rund 300 Millionen Dollar nötig. Erst vergangene Woche hatte die Bank bekannt gegeben, 450 Millionen Dollar auf eine Beteiligung beim US-Hedgefonds York Capital Management abschreiben zu müssen. Das laste auch auf der Eigenkapitalquote für das vierte Quartal.

    Zudem trifft die zweite Corona-Welle die Schweiz hart, die Fallzahlen lagen in der Spitze gemessen an der Bevölkerungszahl fünfmal höher als in Deutschland. Das wird zunehmend zur Belastung für die Firmenkunden im Heimatmarkt der CS. Die Expertise Horta-Osórios als Sanierer könnte daher schon bald erneut gefragt sein.

    Mehr: Unicredit-Chef Mustier muss gehen.

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