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Nach der Milliardenpleite Wirecard-Beschäftige bereiten Betriebsratsgründung vor

Viele Wirecard-Mitarbeiter fürchten den Jobverlust, einige auch die Ausweisung aus Deutschland. Nun organisieren sie sich. Am Donnerstag wurde erstmals abgestimmt.
20.08.2020 - 20:16 Uhr Kommentieren
Wirecard ist in einen milliardenschweren Betrugsskandal verwickelt und hat Insolvenz angemeldet. Quelle: Reuters
Wirecard

Wirecard ist in einen milliardenschweren Betrugsskandal verwickelt und hat Insolvenz angemeldet.

(Foto: Reuters)

Frankfurt Wirecard ist pleite, der Insolvenzverwalter hat das Sagen. Aber viele Mitarbeiter des Zahlungsabwicklers aus Aschheim bei München möchten im nun beginnenden Verkaufs- und Abwicklungsprozess mitsprechen. Am Donnerstag haben sie daher die ersten Schritte zur Wahl von Betriebsräten eingeleitet.

Für die ersten drei Wirecard-Gesellschaften fanden hierzu Wahlversammlungen in der Cafeteria der Konzernzentrale statt – die trotz Corona-bedingten Abwesenheiten gut besucht waren. Bei der Wirecard Acceptance Technology GmbH kamen rund 50 Mitarbeiter zusammen, rund 35 bei der Wirecard Service Technology GmbH und bei der Wirecard Bank rund 65 Leute.

Für jede Gesellschaft wurden jeweils drei Vorstandsmitglieder und drei Ersatzkandidaten zum Wahlvorstand gewählt. Die Wahlvorstände werden nun die eigentlichen Betriebsratswahlen vorbereiten und in einigen Wochen auch durchführen und hierfür zeitnah Wahlausschreiben aushängen. Die Kandidatensuche für die künftigen Betriebsräte läuft bereits, wie Teilnehmer berichten.

„Wir haben keinen Gegenwind des Managements gespürt, sondern sind von oben unterstützt worden“, erklärt ein frisch gewähltes Mitglied des Wahlvorstands, das ungenannt bleiben möchte. „Das freut uns. Wir haben Kollegen, die zum Teil über 20 Jahre hinweg Zeit und Kraft in das Unternehmen investiert haben. Die Stimmung ist sehr kollegial.“ Klar sei aber auch: Viele Mitarbeiter hätten schon gekündigt.

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    Besonders problematisch ist die Lage für ausländische Mitarbeiter, denen mit dem Jobverlust der Verlust ihrer Aufenthaltserlaubnis droht. Sie könnten im Rahmen eines Sozialplans bevorzugt behandelt werden. „Viele Wahlvorstände haben gesagt, sie machen den Job vor allem für ihre Kollegen“, sagt eine Teilnehmerin.

    „Wir, die neu gewählten Wahlvorstände der Wirecard Acceptance Technology, Bank und Service Technology, bedanken uns für die Unterstützung und das Vertrauen, das unsere Kolleginnen und Kollegen uns heute ausgesprochen haben“, heißt es in einer offiziellen Mitteilung.

    „Es ist unsere Absicht, zum nächstmöglichen Zeitpunkt ordentliche Betriebsratswahlen zu organisieren und erfolgreich durchzuführen. Die gesamte Belegschaft der Wirecard möchten damit die aktuelle Transformation unserer Firma unterstützen und dazu beitragen, das bestmögliche Ergebnis für Mitarbeiter und Gläubiger zu erreichen“, heißt es weiter.

    Betriebsrat soll im Oktober arbeitsfähig sein

    Lob kommt von der zuständigen Gewerkschaft Verdi, die die Betriebsratsgründung unterstützt. Der Münchener Verdi-Sekretär Kevin Voss kommentiert: „Ich bin sehr erleichtert, dass die Wirecard-Kollegen die Initiative ergriffen haben und ihre Rechte wahrnehmen.“ Noch vor einem Jahr sei eine geplante Betriebsratsgründung gescheitert, sagte Voss. „Am Anfang war die Stimmung sehr angespannt, jetzt sind alle sehr erleichtert.“

    „Auch die Unterstützung der Personalabteilung war groß, was, wie der Fall N26 zeigt, nicht selbstverständlich ist.“ Bei der Berliner Smartphone-Bank hatte das Management die Gründung eines Betriebsrats in der jüngsten Vergangenheit systematisch behindert.

    Die Gewerkschaft Verdi will für 1500 Wirecard-Beschäftigte in Aschheim bei München bis Oktober einen Betriebsrat auf die Beine stellen, der ihre Interessen im Insolvenzprozess vertritt. Aktuell geht die Gewerkschaft davon aus, „dass das Unternehmen im Paket verkauft wird“. Es gebe Bieter, die den Zahlungsdienstleister samt der Töchter übernehmen wollen. Bei Kündigungen und Sozialplänen im Fall von Betriebsschließungen könne der Betriebsrat dann mitbestimmen, so Verdi.

    Wirecard ist in einen milliardenschweren Betrugsskandal verwickelt und hat Insolvenz angemeldet. Der vorläufige Insolvenzverwalter Michael Jaffé arbeitet an einem Gutachten, welche Wirecard-Firmen fortgeführt werden können. Weltweit hat der Konzern rund 5800 Mitarbeiter.

    Mehr: Das sind die wichtigsten Köpfe im Wirecard-Skandal.

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