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Nach InsolvenzMehr als 100 Interessenten für Unternehmensteile von Wirecard

Einzelteile des insolventen Zahlungsdienstleisters sind gefragt: Zu den Interessenten zählen unter anderem der Investor KKR und die französische Bank Crédit Agricole.Christian Schnell, Felix Holtermann 07.07.2020 - 18:17 Uhr

Das Wirecard-Portfolio sehen sich unter anderem die US-Zahlungsdienstleister First Data und Fiserv genauer an.

Foto: dpa

München, Frankfurt. In die Verwertung von Einzelteilen des insolventen Zahlungsdienstleisters Wirecard kommt Bewegung. Mehr als hundert Interessenten hätten sich inzwischen gemeldet und ihr Interesse angemeldet, teilte der vorläufige Insolvenzverwalter Michael Jaffé am Dienstagnachmittag im Anschluss an eine Sitzung des vorläufigen Gläubigerausschusses mit.

Speziell für das Kerngeschäft von Wirecard, den Bereich Acquiring & Issuing, starte nun der Verkaufsprozess, hieß es. Beim Acquiring übernimmt Wirecard für Händler die Abrechnung von Kreditkartenumsätzen bei Online- und Terminalzahlungen. Über Konten bei der Wirecard Bank können die Kunden zudem ihren Zahlungsverkehr in verschiedenen Währungen abwickeln lassen.

Die Issuing-Seite wendet sich dagegen direkt an den Endkunden, der hierüber Prepaid- oder Debitkarten erhält. Privatkunden nutzen die Karten ebenso wie Unternehmen, die ihre Mitarbeiter beispielsweise im Außendienst oder auf Geschäftsreisen damit versorgen.

Das Prozedere bei der Verwertung der Einzelteile soll nun für alle Interessenten gleich geregelt sein, heißt es vom vorläufigen Insolvenzverwalter. Demnach könnten sich die potenziellen Investoren in Kürze nach Unterzeichnung einer Vertraulichkeitserklärung in neu eingerichteten, virtuellen Datenräumen informieren und mit den sogenannten Due Diligence-Prüfungen beginnen. Das Ziel sei dabei, zeitnahe Investorenlösungen im Interesse der Gläubiger, Arbeitnehmer und Kunden zu finden, hieß es.

Erste Erfolge zeichnen sich bereits ab. „Am weitesten fortgeschritten sind die Aktivitäten für die US-amerikanische Gesellschaft Wirecard North America“, heißt es von der Kanzlei Jaffé. Hierbei handelt es sich um das Kreditkartengeschäft, das Wirecard im Jahr 2016 von der amerikanischen Großbank Citi übernommen hatte. Wirecard North America hatte sich unmittelbar nach Bekanntwerden der Wirecard-Insolvenz bereits selbst zum Verkauf gestellt.

Konkurrent Worldline als möglicher Käufer

Dass für das solide und bislang unbescholtene Kreditkartengeschäft in den USA zügig ein Käufer gefunden werden kann, zeichnet sich bereits seit Tagen ab. Die internationale Investmentbank Moelis & Company ist mit der Veräußerung der Gesellschaft beauftragt. Eine allzu hohe Summe dürfte dabei allerdings nicht fließen. Die US-Tochter sollte früheren Planungen zufolge in den kommenden Jahren erst ausgebaut werden.

Auch für weitere internationale Beteiligungen läuft derzeit die Suche nach Investoren. Wirecards Kunden hätten den bisherigen Prozess größtenteils konstruktiv begleitet, heißt es aus der Kanzlei Jaffé. „Sie haben großes Interesse an einer zügigen Investorenlösung aus der Insolvenz bekundet“.

Die Namen einiger möglicher Interessenten an weiteren Einzelteilen von Wirecard machten in den vergangenen Tagen bereits die Runde. Unter den potenziellen Käufern sollen demnach der französische Konkurrent Worldline und der dänische Zahlungsabwickler Nets sein. Auch die Deutsche Bank und die Berliner Solarisbank sollen sich Teile des Konzerns anschauen, etwa die Wirecard Bank.

Laut mit dem Prozess vertrauten Personen gibt es darüber hinaus noch weitere potenzielle Investoren. Demnach sieht sich auch der Finanzinvestor KKR mit seiner deutschen Tochter Heidelpay das Wirecard-Portfolio an, außerdem der US-Zahlungsdienstleister Fiserv/First Data.

Auch einige europäische Großbanken stehen laut Insidern auf der Liste der Interessierten, darunter die französische Crédit Agricole, die bereits eine Kooperation mit Wirecard vereinbart hatte. Wie ernsthaft das jeweilige Interesse ist, sei schwierig zu beurteilen, heißt es aus Aschheim. „Einige klopfen nur an, um Informationen abzugreifen“, vermutet ein Manager. Andere seien womöglich nur an Kundendaten interessiert, nicht an Wirecards Technologie und Mitarbeitern.

Sicherung von Vermögenswerten begonnen

Parallel dazu versucht der vorläufige Insolvenzverwalter, die laufenden Kosten bei Wirecard zu reduzieren. Laut Jaffé wurden bereits Einsparmaßnahmen umgesetzt. „Durch das Insolvenzgeld für die mehr als 1.500 Mitarbeiter der insolventen Gesellschaften wird die Liquiditätssituation aktuell entlastet“, ließ er sich zitieren. Die Arbeitnehmer würden bereits in wenigen Tagen erste Gehaltszahlungen bekommen, da die Insolvenzgeldvorfinanzierung bereits laufe.

Ebenfalls wurden zwischenzeitlich Maßnahmen zur Sicherung von Vermögenswerten an den verschiedenen internationalen Standorten ergriffen. Dazu hätten erfahrene Spezialisten die Arbeit aufgenommen. Sie sollen auch helfen, die vielen undurchsichtigen Zahlungsströme, die es bei Wirecard in der Vergangenheit gegeben hat, aufzuklären.

Daneben betonte der vorläufige Insolvenzverwalter noch einmal, dass die Wirecard Bank nicht insolvent sei und Auszahlungen an Händler und Kunden weiterhin ohne Einschränkungen ausgeführt werden. In den vergangenen Tagen war bereits die Rede davon, dass es auch an der Wirecard Bank Interesse von internationalen Investoren gab. Ein möglicher Kaufpreis von 100 Millionen Euro wurde dabei genannt.

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