Private Equity: EQT geht mit einem Mega-Fonds auf Firmenjagd
Der EQT-Konzern hält in Deutschland unter anderem Anteile des Healthcare-Unternehmens Ottobock.
Foto: OttobockFrankfurt. Die Beteiligungsgesellschaft EQT wächst mit ihren jüngsten Fonds in eine neue Dimension. Der EQT X werde auf eine Größe von rund 20 Milliarden Euro ausgelegt, teilte der schwedische Private-Equity-Konzern mit, der Vorgängerfonds hatte gut 15 Milliarden Euro einsammeln können. Die Entwicklung zeigt exemplarisch das stürmische Wachstum dieser Industrie.
Die institutionellen Geldgeber für die Fonds – darunter sind Versicherungen, Versorgungswerke, Stiftungen und Family-Offices – leiden unter der jahrelangen Nullzinspolitik der Notenbanken. Dadurch fehlen rentierliche Staatsanleihen, die Profi-Vermögensverwalter müssen auf Alternativen wie Private Equity ausweichen.
Die Private-Equity-Branche hat von einer Liquiditätswelle profitiert und einem insgesamt günstigen Investorenumfeld. Zwar hätten die Inflationsbedenken zugenommen, die Aussichten für die Branche blieben aber positiv, sagt Cameron Joyce, Vice President Research Insights beim Analysehaus Preqin. Ein Grund für die Attraktivität der Anlageklasse sind die hohen Renditen – laut Preqin erzielten die Fonds weltweit eine jährliche Rendite von 18,8 Prozent in den fünf Jahren bis März 2021.
EQT spielt schon lange in der ersten Liga der Beteiligungsfonds, erreicht mit dem neuen Megafonds aber einen weiteren Meilenstein. Beim Vorgängerfonds wurden 550 Unternehmen angeschaut und letztlich 14 Investments realisiert.
Der EQT-Konzern – der auch Fonds für Start-ups und Infrastruktur umfasst – investierte 2021 insgesamt gut 20 Milliarden Euro, nach zwölf Milliarden im Vorjahr. In Deutschland ist die Gesellschaft unter anderem beim Healthcare-Unternehmen Ottobock investiert, ebenso beim Hygienespezialisten Schülke.
Milliardenschwere Deals
Zuletzt hatte sich EQT für die Auskunftei Schufa interessiert, zusammen mit einem weiteren Finanzinvestor hatte EQT den Tierbedarfshändler Zooplus übernommen. Nach dem Exit des Softwarekonzerns Suse über die Börse kündigte EQT für 2022 weitere Veräußerungen oder Börsengänge an, wobei Ottobock in Finanzkreisen als ein Kandidat für die zweite Jahreshälfte gehandelt wird.
„Wir sehen weiterhin gute Gelegenheiten im deutschsprachigen Raum, etwa in den Bereichen Healthcare, Technologie und technologiegestützte Dienstleistungen sowie Industrial Tech. In der Regel realisieren wir hier zwei bis drei Deals per annum. Das dürften auch wieder milliardenschwere Transaktionen werden“, sagte Marcus Brennecke, Partner bei EQT, dem Handelsblatt. Die Spannweite des Eigenkapitaleinsatzes reiche von 125 Millionen bis circa eine Milliarde Euro.
Der Partner bei EQT ist von der Qualität der Infrastruktur des Konzerns überzeugt.
EQT hat laut Brennecke sehr viele regionale Büros, und außerdem könne man auf rund 600 frühere Topmanager und Vorstände im Netzwerk als Berater zugreifen. Das habe sich – gerade auch in der Coronapandemie – als Wettbewerbsvorteil herausgestellt. „Wir nutzen auch zunehmend Künstliche Intelligenz und Data-Mining zum Herausfiltern von Investments“, ergänzte Brennecke, der seit 2005 bei EQT arbeitet.
EQT, hinter der die schwedische Wallenberg-Familie steht, ist börsennotiert und zeigt daher mehr Transparenz als viele andere Fonds. So teilte die Gesellschaft am Mittwoch mit, dass frühere EQT-Vehikel teilweise das 2,5- oder 2,8-Fache des ursprünglichen Kapitaleinsatzes verdienten.
Starkes Wachstum
Private-Equity-Fonds gehen Minderheits- oder Mehrheitsbeteiligungen ein, halten die Unternehmen für drei bis sieben Jahre und geben sie dann an strategische Käufer oder andere Finanzinvestoren weiter. Dabei erzielen sie in der Regel einen höheren Erlös als den Einstandspreis. Zuletzt waren die Bewertungen deutlich gestiegen.
Laut Preqin werden in diesem Jahr weltweit etwa 645 Milliarden Euro in neue Private-Equity Fonds fließen, im Jahr 2026 könnten es gut 810 Milliarden sein. Dabei werde es vermehrt zu sogenannten Delistings kommen, also Übernahmeangeboten für gelistete Unternehmen, die später von der Börse genommen werden. Ein Grund dafür sei der zunehmende Mangel an passenden Mittelständlern, Familienunternehmen und abgetrennten Konzernteilen abseits der Börsen.
Weltweit hat es 2021 nach einer ersten Schätzung rund 8000 Deals gegeben, die unter Beteiligung von Finanzinvestoren zum Abschluss kamen. Der addierte Wert dürfte etwa 800 Milliarden Dollar ausmachen, damit wäre der bisherige Rekord aus dem Jahr 2007 – also vor der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers – mit gut 700 Milliarden Dollar gebrochen.
Allerdings könnte der Boom in diesem Jahr auch gebremst werden. Denn die steigenden Zinsen verteuern die Fremdfinanzierung der Transaktionen, außerdem belasten steigende Preise für Rohstoffe und Störungen in den Lieferketten die Portfoliounternehmen der Private-Equity-Fonds. 2022 wird holpriger, meint ein Branchenbeobachter.