Quartalszahlen: Deutsche Bank deutet höhere Ausschüttungen an – Aktie gewinnt deutlich
Zuletzt stand die Deutsche Bank hier zu Lande wegen IT-Problemen bei der Postbank in den Schlagzeilen.
Foto: dpaFrankfurt. Die Deutsche Bank will an ihre Aktionäre mehr Geld ausschütten als bislang geplant. Der Grund dafür: Die Bank benötigt weniger Eigenkapital für ihr Geschäft, weil die Bilanzrisiken geringer eingestuft werden und weil sich künftige regulatorische Vorschriften weniger stark auswirken als gedacht.
Die Bank habe „Spielraum identifiziert, zusätzliches Kapital in Höhe von drei Milliarden Euro freizusetzen“, schrieb Vorstandschef Christian Sewing in einem Brief an die Beschäftigten des Instituts. Die Bank könne deshalb mehr an die Aktionäre ausschütten als bislang geplant, „über die acht Milliarden Euro bis einschließlich 2025 hinaus, die wir bereits angekündigt hatten“.
In den nächsten zwei Jahren würden Extra-Ausschüttungen in Form von Aktienrückkäufen stattfinden, sagte Sewing zu Analysten. Die Bank spreche darüber mit ihren Bankenaufsehern. Europäische Banken benötigen für Ausschüttungen die Erlaubnis der Bankenaufseher.
Geben die Behörden grünes Licht, will die Bank bereits im kommenden Jahr ihre Schlagzahl bei Aktienrückkäufen steigern. Allerdings soll nicht das ganze freigesetzte Eigenkapital an die Anteilseigner fließen. Einen Teil will die Bank auch nutzen, um in Technologie, Kontrollen und ins Geschäft zu investieren. Sewing will aber „einen signifikanten Anteil“ der drei Milliarden Euro an die Aktionäre geben.
Die Aktie der Deutschen Bank reagierte prompt, stieg im Mittagshandel um mehr als sechs Prozent und setzte sich an die Spitze des Deutschen Aktienindex. Die Analysten von Keefe, Bruyette & Woods bezeichneten die verbesserten Ausschüttungspläne als positiven Faktor. Die Aussagen über mögliche Ausschüttungen dürften daher der Hauptgrund für den Anstieg der Deutsche-Bank-Aktie sein.
Aussagen zu Ausschüttungen haben in den vergangenen Monaten einen besonders großen Einfluss auf die Aktienkurse europäischer Banken gehabt. Allerdings hatte das Institut im dritten Quartal auch höhere Gewinne erzielt als von Analysten erwartet.
Deutsche Bank: Gewinn übertrifft Analystenschätzungen
Von Juli bis Ende September hat die Bank ihre Erträge sowie den Vorsteuergewinn im Vergleich zum Vorjahr vor allem durch höhere Zinseinnahmen deutlich steigern können. Da die Steuerquote des Instituts aber deutlich höher war, fielen der Nettogewinn und die Rendite niedriger aus.
Die Erträge sind im dritten Quartal um drei Prozent auf rund 7,1 Milliarden Euro gestiegen. Der Vorsteuergewinn erhöhte sich um sieben Prozent auf 1,7 Milliarden Euro. Aufgrund einer höheren Steuerquote – sie stieg deutlich von 23 auf 30 Prozent – sank der den Aktionären zurechenbare Nettogewinn aber um acht Prozent auf 1,03 Milliarden Euro. Analysten hatten im Durchschnitt mit 937 Millionen Euro gerechnet.
Den Anstieg des Vorsteuergewinns verdankte die Bank in erster Linie höheren Zinseinnahmen. Seit den Zinserhöhungen der EZB sowie der US-Notenbank Fed verdienen viele europäische Banken wieder deutlich besser mit Zinsgeschäften, das gilt auch für die Deutsche Bank. Sie erhöhte ihren Ertragsausblick für das Gesamtjahr deshalb auf 29 Milliarden Euro.
Mittlerweile lässt die Gewinndynamik im Zinsbereich aber wieder nach. Der Zinsüberschuss fiel im dritten Quartal geringer aus als im Vorjahr, auch die Zinsmarge ging zurück.
Vorstandschef Sewing ist aber zuversichtlich, dass die Bank künftig mehr zinsunabhängige Erträge erzielt, etwa im Emissions- und Beratungsgeschäft der Investmentbank, das wieder deutlich besser als im Vorjahr abschnitt. Die Investmentbank insgesamt war allerdings weniger profitabel, da die Einnahmen aus dem wichtigen Anleihe- und Währungshandel schrumpften.
Postbank-Probleme verursachen zusätzliche Kosten
Die Kosten des Instituts sind im dritten Quartal um vier Prozent auf 5,2 Milliarden Euro gestiegen. Zum Teil lag das an Ausgaben für Rechtsstreitigkeiten und Abfindungen. Aber auch ohne solche Effekte stiegen die Kosten im Vergleich zum Vorjahr um zwei Prozent.
Das war auch auf zahlreiche Neueinstellungen zurückzuführen, die die Deutsche Bank vorgenommen hat. Dadurch stieg die Zahl der Beschäftigten um 2204 Stellen auf 89.260 Vollzeitjobs. Mittelfristig will die Bank ihren Personalstand wieder reduzieren, sagte Finanzvorstand James von Moltke. Derzeit benötigt die Bank noch viele Mitarbeiter, um Defizite in ihren Kontrollsystemen zu verbessern.
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Die Bank räumte in ihrem Quartalsbericht außerdem ein, dass „die zusätzlich erforderlichen Mittel zur Abarbeitung des Rückstandes zu zusätzlichen Kosten und Verzögerungen bei Initiativen in anderen Teilen der Bank führen“ werden. Finanzvorstand James von Moltke bezifferte die zusätzlichen Kosten auf eine einstellige Millionensumme im dritten Quartal und rechnet für das vierte Quartal mit einem zusätzlichen Aufwand von 30 bis 35 Millionen Euro.
Er soll überwachen, ob die Bank die Probleme bis zum Jahresende löst. Noch immer beschweren sich zahlreiche Kunden über Verzögerungen. Das Institut spricht aber von deutlichen Fortschritten bei der Abarbeitung der Probleme.