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  5. Deutsche-Bank-Tochter DWS verdient zum Jahresauftakt weniger

QuartalszahlenDWS verbucht sinkenden Gewinn – Aktie deutlich im Minus

Die Erträge der Fondstochter der Deutschen Bank sind trotz wieder positiver Zuflüsse gesunken – und die Kosten gestiegen. Der Vorstand der DWS bleibt bei seinen Jahreszielen.Anke Rezmer 27.04.2023 - 12:51 Uhr aktualisiert Artikel anhören

James von Moltke wird ab November die Vorstandsverantwortung für die Vermögensverwaltung des Geldhauses tragen.

Foto: Reuters

Frankfurt. Die Deutsche-Bank-Fondstochter DWS legt für den Jahresauftakt ein schwächeres Ergebnis vor. Der bereinigte Vorsteuergewinn sank im ersten Quartal gegenüber dem Vorjahresviertel um 26 Prozent auf 206 Millionen Euro. Gegenüber dem Vorquartal ging der Gewinn um 19 Prozent zurück.

Die bereinigten Erträge schrumpften infolge niedrigerer Management- und Transaktionsgebühren im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um zwölf Prozent auf 610 Millionen Euro. Gegenüber dem Vorquartal sanken die Erträge um vier Prozent.

Die DWS hatte bereits angekündigt, dass das bereinigte Ergebnis vor Steuern wegen höherer Kosten für den Umbau der DWS voraussichtlich niedriger ausfallen wird. Der Fondsanbieter bestätigte seine Finanzziele für das Jahr.

Am Donnerstag verlor die DWS-Aktie zwischenzeitlich mehr als vier Prozent und beendete den Handel mit einem Minus von zwei Prozent. Große Investoren äußerten Unmut. „Mit dem Ergebnis vor Steuern kann man nicht zufrieden sein“, sagt einer.

Nach einem Jahr mit hohen Kapitalabflüssen von per saldo knapp 20 Milliarden Euro sammelte die DWS im ersten Quartal wieder netto 5,7 Milliarden Euro ein. Ohne Abflüsse aus Geldmarktfonds zum Jahresanfang steckten Anleger insgesamt 8,8 Milliarden Euro neues Geld in DWS-Fonds. Abflüsse aus Geldmarktfonds sind typisch am Jahresanfang. Anleger ziehen ihr zum Jahresende angelegtes Geld dort ab, um andere Investitionen zu tätigen.

Vor allem aus verschiedenen Wertpapieren gemischte Fonds zogen Kapital in Höhe von 5,6 Milliarden Euro an. Die DWS berichtet über ein neues Mandat eines Großinvestors. Auch die passiven Indexfonds ETF verbuchten Zuflüsse von per saldo 4,4 Milliarden Euro. In aktive, also von Fondsmanagern gemanagte Anleihe- und Aktienfonds gelangte neues Geld von je einigen Hundert Millionen Euro. Aus alternativen Fonds flossen dagegen 1,4 Milliarden Euro ab.

Durchwachsenes erstes Quartal für die Branche

Das Fondsanalysehaus Morningstar spricht für die Branche von einem durchwachsenen ersten Quartal in Publikumsfonds in Europa, in die private, aber auch professionelle Anleger investieren: Vor allem passive Fonds zogen neues Kapital an, während Mischfonds, alternative Strategien und aktive Aktienfonds Anlegerkapital verloren. Anleihefonds waren gefragt.

Unter den vier großen Fondsanbietern in Deutschland sammelte die DWS nach Morningstar-Daten im ersten Quartal mit netto 4,8 Milliarden Euro das meiste neue Anlegerkapital in Publikumsfonds ein. Die genossenschaftliche Union Investment verbuchte demnach per saldo 2,9 Milliarden Euro neues Geld in diesen Fonds, die Sparkassentochter Deka 0,5 Milliarden Euro. Anleger verkauften dagegen Publikumsfonds der Allianz-Tochter Allianz Global Investors für netto gut eine Milliarde Euro.

DWS-Chef Stefan Hoops sprach in der Konferenz mit Analysten von einem „respektablen Quartal“. Dank der anhaltenden Nachfrage der Kunden habe die DWS im ersten Quartal wieder Nettomittelzuflüsse verzeichnet und das verwaltete Vermögen erhöht, betonte er.

Das gemanagte Vermögen des größten deutschen Fondsanbieters für Privatanleger stieg im ersten Quartal vor allem dank Kursgewinnen und den Zuflüssen um 20 Milliarden Euro auf 841 Milliarden Euro. Gegenüber dem Vorjahresquartal liegt das Vermögen aber um sieben Prozent niedriger, was zu den darauf bezogenen geringeren Managementgebühren führte.

Die Managementgebühren-Marge ist gegenüber Ende 2022 von 0,281 auf 0,277 Prozentpunkte leicht gesunken. Die zunehmende Vorliebe der Anleger für die preisgünstigen ETFs drückt beständig auf die Marge. Generell rechnet Finanzvorständin Claire Peel damit, dass diese Marge folglich im Schnitt in jedem Jahr um 0,01 Prozentpunkte sinkt.

Die bereinigten Kosten sind gegenüber dem Vorjahresquartal um ein Prozent gesunken auf 404 Millionen Euro. Peel betont in diesem Zusammenhang, dass die DWS ihr striktes Kostenmanagement beibehalten habe.

Aufwand-Ertrags-Quote deutlich gestiegen

Gegenüber dem Vorquartal legten die Kosten aber um sechs Prozent zu. Die DWS begründet dies mit einem höheren Personalaufwand, nachdem Ende 2022 die Rückbuchung von Gewinnbeteiligungen bezogen auf künftige Performancegebühren bei alternativen Fonds kostensenkend gewirkt hat.

Die bereinigte Aufwand-Ertrags-Relation (CIR) ist im ersten Quartal 2023 deutlich auf 66,3 Prozent gestiegen, von 59,5 Prozent vor einem Jahr und 60 Prozent Ende 2022. Dies begründet das Fondshaus mit der technischen Abtrennung von der Konzernmutter, die dazu führe, dass das Fondshaus auf einer dualen Plattform operiere und zugleich dort eigene Kapazitäten aufbaue.

Peel sieht die DWS im Plan, in diesem Jahr eine CIR von unter 65 Prozent erreichen zu können. Bis 2025 soll die CIR dann unter 59 Prozent sinken. Für das Gesamtjahr will die DWS auch die Erträge wieder stabilisieren. Da bedürfe es auch der Hilfe sich wieder erholender Kapitalmärkte, meint ein Großinvestor. Die Ziele für die CIR sähen nach einem weiten Weg aus.

Hoops berichtete in der Analystenkonferenz über „Fortschritte“ beim Umbau der Unternehmensstruktur der DWS: „Wir gehen erst einige harte Schritte, um uns dann auf unser Wachstum konzentrieren zu können“, sagte er.

So seien bereits 15 Prozent der leitenden Manager aus den mittleren und oberen Ebenen (Managing Directors) gegangen, was einer hohen zweistelligen Zahl entspreche. Zwei Drittel der Manager, die direkt dem Vorstand berichtet hätten, hätten ihre Rolle verändert, ergänzte Hoops.

Die Aktie des Unternehmens liegt am Donnerstag im Minus.

Foto: dpa

Der Konzerngewinn nach Steuern sank gegenüber dem ersten Quartal 2022 um 26 Prozent auf 138 Millionen Euro. Gegenüber dem vierten Quartal legte der Gewinn um 29 Prozent zu, nachdem er laut DWS Ende 2022 durch eine steuerverringernde Wertminderung belastet worden war.

Strategisch hebt die DWS hervor, dass sie ihre Partnerschaft mit dem japanischen Versicherer Nippon Life um weitere fünf Jahre verlängert hat. Dies auch, um die Reichweite des Vertriebs in Asien zu vergrößern und Produktinnovationen voranzutreiben. In Indien wurden demnach 600 neue Mitarbeiter in die DWS eingegliedert, was zum Ziel beitragen soll, dort ein eigenständiger Vermögensverwalter zu werden.

Ferner setzt die DWS stärker auf Strategien in europäischer Infrastruktur und hat den ersten Fonds auch für deutsche Privatanleger aufgelegt. Am Dienstag hat die DWS zudem eine strategische Partnerschaft mit dem Digitalwährungsspezialisten Galaxy Digital Holding angekündigt, um ins Kryptogeschäft einzusteigen. Hoops kündigte außerdem an, dass die DWS einen an den Euro gekoppelten Stablecoin herausbringen werde.

Vorstandswechsel bei der Deutschen Bank

Im Vorstand der Deutschen Bank wird wohl ab November James von Moltke die DWS vom scheidenden Karl von Rohr übernehmen. Der Finanzvorstand der Bank soll zusätzlich im Vorstand die Vermögensverwaltung des Geldhauses verantworten, die zu knapp 80 Prozent der Deutschen Bank gehört.

Ein neuer Aufsichtsratschef wird indes noch gesucht, da von Rohr seinen im Herbst auslaufenden Vertrag nicht verlängern will. In Finanzkreisen heißt es, dass die Deutsche Bank extern nach einem Nachfolger schaue.

Neben der Neubesetzung des Aufsichtsratsvorsitzes warten Investoren darauf, dass die behördlichen Untersuchungen in Deutschland und den USA zum Verdacht, die DWS habe sich nachhaltiger dargestellt, als sie sei, abgeschlossen werden. Die DWS hat die Anschuldigungen einer ehemaligen Mitarbeiterin stets zurückgewiesen. Hoops sagte in der Analystenkonferenz, dass es zu dem Thema bisher „nichts Neues“ gebe.

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Im Interview mit dem Handelsblatt hatte er Ende des Jahres gesagt: „Man kann im Nachhinein schon feststellen, dass es eine Zeit lang überschwängliches Marketing bei dem Thema Nachhaltigkeit gab.“ In der Analystenkonferenz bezeichnete der DWS-Chef die Kapitalzuflüsse von netto 1,4 Milliarden Euro in nachhaltige Fonds als einen Vertrauensbeweis der Anleger. In Finanzkreisen rechnet man mit einer Strafzahlung im zweistelligen Millionen-Euro- oder -Dollar-Bereich.

Die DWS bekräftigte zudem, ihren Aktionären im Jahr 2024 eine Milliarde Euro Sonderdividende zu zahlen – wenn freies Kapital bis dahin nicht für mögliche Zukäufe gebraucht worden sei. Übernahmen dürften nach Ansicht großer Investoren, wenn überhaupt, erst konkret werden, wenn das Thema Greenwashing erledigt ist.

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