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Schweizer BankHohe Kosten, teure Skandale, geringere Erträge: Credit Suisse fällt in die roten Zahlen zurück

Die Serie negativer Nachrichten wirkt sich auf das Kerngeschäft der Großbank aus. Auch für die Aktionäre gibt es eine weitere schlechte Nachricht.Jakob Blume 10.02.2022 - 10:16 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Die Credit Suisse bleibt hinter dem großen Konkurrenten UBS zurück.

Foto: Reuters

Zürich. Als eine der wenigen Großbanken weltweit hat die Credit Suisse das Geschäftsjahr 2021 mit einem Milliardenverlust abgeschlossen. Wie das Geldhaus am Donnerstag mitteilte, belief sich das Minus auf 1,5 Milliarden Franken (rund 1,4 Milliarden Euro), nach einem Gewinn von knapp 2,7 Milliarden Franken im Vorjahr.

Mit ihrem Abschluss hinkt die Credit Suisse den vergleichbaren Instituten deutlich hinterher. Die UBS fuhr 2021 konzernweit mit 7,5 Milliarden Dollar den höchsten Gewinn seit der Finanzkrise ein. Die Deutsche Bank, die vor wenigen Jahren an einem ähnlichen Punkt stand wie die Credit Suisse jetzt, erzielte 2021 den zweiten Jahresgewinn in Folge.

Erstmals bekamen die Aktionäre zudem so etwas wie eine vorläufige Gesamtrechnung für die jüngste Skandalserie präsentiert: Die Kreditrückstellungen aus dem Archegos-Skandal, Rückstellungen für ältere Rechtsfälle sowie Abschreibungen in der Investmentbank wegen eines Strategieschwenks beliefen sich allein im Jahr 2021 auf insgesamt 7,6 Milliarden Franken.

Bankchef Thomas Gottstein sagte: „Trotz eines sehr unterstützenden Marktumfelds war 2021 ein sehr schwieriges Jahr für Credit Suisse.“ Er stellte die Aktionäre auf eine längere Durststrecke ein: „Es gibt keine schnelle Lösung“, erklärte er. „2022 wird ein Übergangsjahr.“ Restrukturierungskosten, höhere Lohnzahlungen und steigende Zinsen dürften dem Ergebnis zusetzen, warnte die zweitgrößte Schweizer Bank.

Die Bank leidet nach wie vor unter dem Zusammenbruch des Hedgefonds Archegos, dem Kollaps der mit Greensill betriebenen Lieferkettenfonds und einer Reihe älterer Rechtsfälle. Zu Jahresbeginn stolperte der als Reformator verpflichtete Chefaufseher António Horta-Osório über eigene persönliche Verfehlungen.

Immer deutlicher wird nun, dass sich die Serie negativer Nachrichten auf das Kerngeschäft auswirkt. Sowohl im Schweizgeschäft als auch im Asiengeschäft musste die Bank im vierten Quartal Mittelabflüsse in Milliardenhöhe verkraften. Insbesondere in China habe man sich aus riskanten Kreditgeschäften zurückgezogen und die Verschuldungsquote der Kunden reduziert.

In der Vermögensverwaltung, dem wichtigsten Geschäftsbereich der Bank, blieb im vierten Quartal 2021 nur ein minimaler Gewinn von 25 Millionen Franken übrig. Gleichzeitig stiegen die Kosten, sodass der Geschäftsbereich für jeden eingenommenen Franken 97 Rappen ausgeben musste.

Die Investmentbank, bei vielen Konkurrenten ein Gewinntreiber, fuhr im vierten Quartal einen bereinigten Vorsteuerverlust von mehr als 230 Millionen Franken ein. Die Bank nannte als Grund unter anderem „herausfordernde Handelsbedingungen“ im Geschäft mit Unternehmensanleihen, typischerweise eine Stärke der Credit Suisse.

Zudem ging der Aktienhandel deutlich zurück, weil sich die Bank nach dem Archegos-Debakel weitgehend aus dem sogenannten Prime-Services-Geschäft zurückgezogen hat, in dem das Handelsgeschäft mit Hedgefonds gebündelt ist.

Insgesamt summierte sich der Verlust der Investmentbank im vierten Quartal auf rund zwei Milliarden Franken. Grund war eine Abschreibung auf den Wert einer im Jahr 2000 übernommenen Investmentbank, die besonders im Geschäft mit Hochzinsanleihen und Private Equity stark war. Weil die Credit Suisse nach der Skandalserie Risiken abbauen will, muss sie sich aus diesen Bereichen zunehmend zurückziehen.

Der Bankchef sprach von „einem sehr schwierigen Jahr 2021“.

Foto: Reuters

Gleichzeitig konnte die Bank im vergangenen Jahr die Kosten nicht im gleichen Umfang zum Gewinnrückgang senken. Zwar hat die Credit Suisse die variable Vergütung für die Mitarbeiter um 900 Millionen auf zwei Milliarden Franken reduziert.

Parallel dazu reichte sie jedoch im Voraus gezahlte Cash-Boni im Umfang von knapp 800 Millionen Franken aus, die Mitarbeiter zurückzahlen müssen, wenn sie die Bank vorzeitig verlassen – eine Maßnahme, Mitarbeiter zu halten, die intern jedoch für Unruhe gesorgt hatte.

Weitere knapp 500 Millionen Franken in Boni sollen hochrangige Mitarbeiter erhalten, wenn die Bank ihre Strategie bis 2024 erfolgreich auf ein weniger riskantes Geschäftsmodell umgestellt hat. Zudem hatte die Bank im November vergangenen Jahres angekündigt, in der Vermögensverwaltung Hunderte Kundenberater anzuwerben.

Ärger mit den Aktionären

Die Bank kämpft nicht nur um Kunden und Mitarbeiter – sie muss zudem ihre Aktionäre besänftigen. Wie die „Financial Times“ berichtete, wollen einige Großaktionäre dem stellvertretenden Verwaltungsratschef, Severin Schwan, die Unterstützung verweigern. Schwan, im Hauptamt Chef des Pharmariesen Roche, ist seit 2014 als oberster unabhängiger Aufseher im Amt. In dieser Zeit schlitterte die Bank in eine Reihe von Skandalen.

Credit-Suisse-Chef Gottstein hatte zudem eine weitere schlechte Nachricht für erzürnte Investoren und Kunden im Gepäck: Die Aufarbeitung des Greensill-Skandals sei für den Verwaltungsrat und die Finanzaufsicht Finma abgeschlossen.

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Allerdings werde die Öffentlichkeit vorerst nichts darüber erfahren, wie es dazu kam, dass die Bank Fonds mit einem Gesamtvolumen von zehn Milliarden Dollar abwickeln musste. „Wir haben nicht die Absicht, den Report zu veröffentlichen, solange wir noch Vermögen sichern“, sagte Gottstein.

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