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Schweizer Großbank verdient Milliarden UBS erhöht den Druck auf Konkurrenten wie die Deutsche Bank

Die UBS verdoppelt ihren Nettogewinn und übertrifft sämtliche Erwartungen. Profiteure sollen die Aktionäre sein. Doch die Strategie ist riskant.
20.10.2020 Update: 20.10.2020 - 17:47 Uhr Kommentieren
Die UBS konnte im dritten Quartal über sämtliche Geschäftsbereiche hinweg zulegen. Quelle: Bloomberg
UBS

Die UBS konnte im dritten Quartal über sämtliche Geschäftsbereiche hinweg zulegen.

(Foto: Bloomberg)

Frankfurt Sergio Ermotti konnte seine Genugtuung am Dienstag nicht verbergen. „Die Zahlen sprechen für sich selbst“, sagte der scheidende Chef der Schweizer Großbank UBS gleich mehrfach bei der Vorstellung der Neun-Monats-Bilanz. Im dritten Quartal fuhr die Bank einen Nettogewinn von 2,1 Milliarden Dollar ein, fast doppelt so viel wie vor einem Jahr. Die Einnahmen lagen bei 8,9 Milliarden Dollar.

Damit übertraf die UBS die Erwartungen der Analysten deutlich. Die UBS-Aktie legte denn auch um mehr als vier Prozent zu. Es gebe „nicht viel zu meckern“, kommentierte Amit Goel von Barclays, der zu den eher skeptischen Beobachtern der UBS gehört.

Die Schweizer knüpfen damit an den Trend an, den die amerikanischen Großbanken vorgegeben haben: Die Marktverwerfungen in der Coronakrise haben dem Investmentbanking und besonders dem Handelsgeschäft eine Sonderkonjunktur beschert. Gleichzeitig federten Notenbanken und Staaten mit massiven Stützungsprogrammen die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie ab und übernahmen etwa Ausfallrisiken im Kreditgeschäft.

Die Folge: höhere Einnahmen und weniger Kosten durch faule Kredite als befürchtet. Die meisten Experten gehen davon aus, dass sich das auch in den Ergebnissen der übrigen europäischen Großbanken zeigen wird. Kommende Woche legen unter anderem die Deutsche Bank, die Commerzbank und die Credit Suisse Zahlen vor.

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    Mehr als eine Momentaufnahme ist das aber nicht, denn die Unsicherheit bleibt groß. Die zweite Coronawelle ist in Europa längst da. Die Infektionszahlen steigen erneut rasant – und damit auch die Sorge über einen zweiten Lockdown. Der dürfte die Volkswirtschaften dann noch härter treffen als der erste im Frühjahr, mit entsprechenden Konsequenzen auch für die Banken.

    Übernimmt zum 1. November als UBS-Chef. Quelle: Reuters
    Ralph Hamers

    Übernimmt zum 1. November als UBS-Chef.

    (Foto: Reuters)

    Wachstum über alle Geschäftsfelder hinweg

    Ermotti zeigte sich dennoch zuversichtlich, dass die UBS robust genug aufgestellt ist. Am 1. November übergibt er das Ruder an seinen Nachfolger Ralph Hamers, der von der niederländischen ING gekommen ist. „Die UBS hat alle Möglichkeiten, um unter Ralph ein neues erfolgreiches Kapitel in ihrer Geschichte aufzuschlagen“, sagte Ermotti. Die Schweizer Großbank will sogar wieder mit Ausschüttungen an die Aktionäre beginnen. Damit könnte sie sowohl die europäische als auch die US-Konkurrenz unter Zugzwang bringen. 

    Die Kernkapitalquote der UBS (CET1) verbesserte sich gegenüber dem zweiten Quartal auf 13,5 von 13,2 Prozent. Auch die Ratingagentur Moody’s bescheinigte der Bank eine „robuste Performance“. Die UBS hätte sogar noch einen wesentlich komfortableren Kapitalpuffer von 14 Prozent aufbauen können. Doch sie legte 1,5 Milliarden Dollar zurück für ein Aktienrückkaufprogramm, das im kommenden Jahr starten könnte. Voraussetzung dafür ist die Zustimmung der Schweizer Bankenaufsicht Finma.

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    Möglich wurde das, weil die UBS über sämtliche Geschäftsfelder hinweg ordentlich gewachsen ist. In der wichtigsten Sparte der Bank, dem Geschäft mit vermögenden Kunden, fuhr sie das stärkste Ergebnis seit 2011 ein. Der Vorsteuergewinn stieg um 18 Prozent. Im Investmentbanking konnte die UBS ihren Vorsteuergewinn mehr als verdoppeln. Weder im Geschäft mit Schweizer Privat- und Firmenkunden noch im Geschäft mit reichen Kunden weltweit gab es größere Corona-bedingte Kreditausfälle. Verkäufe spülten zusätzliches Geld in die Kasse.

    Die Investmentbanker feiern

    Schon die US-Banken hatten die Latte in der vergangenen Woche hoch gelegt: So meldete Morgan Stanley vor Kurzem den zweithöchsten Gewinn, den die Bank jemals im dritten Quartal eines Jahres erwirtschaften konnte – rund 2,6 Milliarden Dollar, ein Zuwachs von mehr als 25 Prozent zum Vorjahreszeitraum. Goldman Sachs steigerte den Gewinn von Juli bis September im Jahresvergleich sogar um 94 Prozent auf 3,5 Milliarden Dollar – der höchste Gewinn in einem Quartal seit 2010.

    Der Wall-Street-Riese JP Morgan zeigte sich mit einem um vier Prozent höheren Quartalsgewinn von 9,4 Milliarden Dollar ebenfalls überraschend widerstandsfähig in der Coronakrise. Institute, die stärker vom Privatkundengeschäft geprägt sind wie Citi oder die Bank of America, litten dagegen unter den Folgen der Pandemie.

    Insgesamt stiegen die Einnahmen der großen US-Geldhäuser im Investmentbanking im Schnitt im dritten Quartal um 19 Prozent. Damit summiert sich der Anstieg seit Beginn des Jahres auf rund 35 Prozent. Die Analysten der Hamburger Bank Berenberg gehen inzwischen davon aus, dass 2020 für die Investmentbanker das erfolgreichste Jahr seit einem Jahrzehnt werden könnte.

    Ähnliches erwarten die Analysten auch bei den anderen europäischen Banken. Zwar gehen die Berenberg-Experten davon aus, dass die Einnahmen der europäischen Banken im Investmentbanking nur mit zwölf Prozent wachsen werden, vor allem weil die US-Institute über den lukrativeren Heimatmarkt verfügen. Doch zu den größten Profiteuren im Investmentbanking dürften neben der UBS auch die Deutsche Bank und die Credit Suisse gehören.

    Die Gebühreneinnahmen im Equity Capital Markets (ECM) stiegen um 340 Prozent. Quelle: Reuters
    UBS-Logo

    Die Gebühreneinnahmen im Equity Capital Markets (ECM) stiegen um 340 Prozent.

    (Foto: Reuters)

    Einer Analyse von RBC Capital Markets zufolge legten UBS, Credit Suisse und Deutsche Bank so stark wie kein anderer Konkurrent im florierenden Geschäft mit Börsengängen und Aktienplatzierungen zu, genannt Equity Capital Markets (ECM). Demnach konnte die UBS ihre Gebühreneinnahmen in diesem Teilbereich des Investmentbankings um 340 Prozent steigern. Die Deutsche Bank legte um 280 Prozent zu, Credit Suisse um 228 Prozent.

    Daher dürften beide Institute ebenfalls deutliche Ergebnisbeiträge des Investmentbankings vermelden, wenn sie in der kommenden Woche ihre Quartalszahlen vorlegen. Die Deutsche Bank hat den Markt darauf bereits eingestimmt: In einer Telefonkonferenz mit Analysten hatte das größte heimische Geldhaus kürzlich erklärt, es habe sich im dritten Quartal im Handelsgeschäft genauso gut oder besser als die amerikanischen Rivalen geschlagen. Die Analysten von Morgan Stanley sagen für das Investmentbanking der Deutschen Bank im dritten Quartal Einnahmen von 1,9 Milliarden Euro voraus. Das wären 17 Prozent mehr als vor einem Jahr.

    Beim Vorsteuergewinn der Sparte halten die Experten sogar einen Anstieg um gut 60 Prozent auf über 500 Millionen Euro für möglich. Für die Unternehmensbank, eigentlich der Kern der neuen Strategie von Vorstandschef Christian Sewing, prognostizieren die Analysten dagegen stagnierende Einnahmen von 1,4 Milliarden Euro und einen ebenfalls stagnierenden Vorsteuergewinn von 248 Millionen Euro.

    Wachsende Unterschiede

    Insgesamt erwartet Morgan Stanley von der Deutschen Bank bei Einnahmen von 5,6 Milliarden Euro einen Gewinn vor Steuern von 387 Millionen Euro. Damit sind die Analysten der Amerikaner optimistischer als der Rest ihrer Kollegen. Im Schnitt rechnen die Experten mit einem kleinen Quartalsverlust bei der Deutschen Bank. Bei der CS erwarten die Analysten dem Finanzdatenanbieter Bloomberg zufolge im Durchschnitt einen Erlös von 5,2 Milliarden Franken und einen Nettogewinn von 530 Millionen Franken.

    Die Beispiele von UBS, CS und Deutscher Bank zeigen: In einer Krise haben es breit aufgestellte Universalbanken leichter als Institute, die sich auf das Privat- und Firmenkundengeschäft fokussiert haben. Daher sind die Erwartungen etwa für die Commerzbank deutlich niedriger. Hier dürfte das Quartalsergebnis nicht nur von den Rückstellungen für ausfallgefährdete Kredite belastet werden, sondern auch von Restrukturierungsaufwendungen für den Abbau von rund 200 Filialen, die das Institut nach ihrer Schließung wegen Corona nicht mehr wiedereröffnet hat.

    Die Commerzbank hat im ersten Halbjahr einen Verlust von 96 Millionen Euro gemacht und rechnet auch im Gesamtjahr mit roten Zahlen. Laut Bloomberg gehen Analysten 2020 im Schnitt von einem Minus von 143 Millionen Euro aus. Dabei kalkulieren die Experten im dritten Quartal mit einem kleinen Gewinn von 18 Millionen Euro und im Schlussquartal dann mit einem Minus von fast 100 Millionen Euro. „Wir sind noch nicht über den Berg – die Krise dauert an“, warnte Finanzchefin Bettina Orlopp Ende September bei einer Finanzkonferenz.

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    Die großen Unterschiede bei den Bankgewinnen dürften eine Debatte darüber in Gang bringen, wie solide Banken ihre Aktionäre an dem Erfolg beteiligen dürfen. So hat die US-Notenbank Fed den großen US-Banken bis Jahresende verboten, Kapital über Dividenden oder Aktienrückkaufprogramme auszuschütten. Auch die EZB hat den von ihr beaufsichtigten Instituten nachdrücklich empfohlen, kein Kapital an Aktionäre auszuschütten. Zu groß ist bislang die Sorge, dass eine Welle von Unternehmenspleiten auch die Banken unter Druck setzen und neuerliche staatliche Rettungspakete nötig machen müsste.

    Der UBS-Chef macht beim Thema Dividende Druck. Quelle: Reuters
    Sergio Ermotti

    Der UBS-Chef macht beim Thema Dividende Druck.

    (Foto: Reuters)

    Doch UBS-Chef Ermotti hat deutlich gemacht, dass er beim Thema Ausschüttungen Druck machen will. „Wir werden überschüssiges Kapital nicht einbehalten“, stellte er klar. „Wir haben nicht vor, unsere Ausschüttungen zu reduzieren.“ Der Verwaltungsrat der UBS kündigte daher an, noch im vierten Quartal seine Dividendenzahlungen fortzusetzen und rund 0,37 US-Dollar pro Anteilsschein auszuschütten. Darüber soll eine außerordentliche Hauptversammlung am 19. November entscheiden.

    Ermotti verteidigte zudem die geplanten Aktienrückkäufe und kritisierte eine „Dämonisierung“ von Rückkaufprogrammen in Teilen der Öffentlichkeit. Diese seien eine sehr effiziente Möglichkeit, Ausschüttungen an Aktionäre zu steuern und sich gleichzeitig die Flexibilität zu bewahren, auf neue Krisensituationen zu reagieren. 

    Aufseher sind beunruhigt

    Dass die Coronakrise noch längst nicht ausgestanden ist, treibt auch die Aufseher um. Andrea Enria, oberster Bankenkontrolleur der EZB, fürchtet, dass viele Banken noch immer zu sorglos mit ihren Kreditrisiken umgehen. Einige wenige hätten bereits damit begonnen, das Pleiterisiko ihrer Kunden neu einzustufen. Andere Banken würden zumindest vorsorglich eine pauschale Risikovorsorge für ihren Kreditbestand bilden, sagte Enria vor Kurzem im Interview mit dem Handelsblatt. Daneben gebe es aber auch die Optimisten. „Die ziehen es vor, nichts zu tun, solange sie kein konkretes Indiz dafür haben, dass ein Kunde von ihnen pleitegeht.“

    Ein Schweizer Sonderweg bei Ausschüttungen an Bankaktionäre könnte den Druck auf Deutsche Bank und Co. erhöhen, ihre Kreditrisiken optimistisch zu bewerten, um im Wettbewerb um Anlegerkapital mithalten zu können.

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