Schweizer Großbank: Wie eine hausgemachte Pannenserie die Credit Suisse in die Bredouille bringt
Verbesserungswürdige Kontrollprozesse?
Foto: dpaZürich. Seinen Amtsantritt hat sich António Horta-Osório vermutlich anders vorgestellt. Der langjährige Chef der britischen Bank Lloyds übernimmt in wenigen Wochen den mächtigen Posten des Verwaltungsratspräsidenten bei der Credit Suisse. Und er findet die Schweizer Großbank in einer ähnlich angeschlagenen Lage vor, in der auch Lloyds vor zehn Jahren steckte.
Eine hausgemachte Pannenserie sorgt bei der Credit Suisse im Moment für konstante Negativschlagzeilen: Abschreibungen auf eine Hedgefondsbeteiligung sowie eine Hypothekenstrafe in den USA verhagelten der Bank schon das Schlussquartal 2020.
Anleger und Mitarbeiter, die danach auf bessere Zeiten hofften, wurden enttäuscht: Anfang März wurde bekannt, dass Credit Suisse von der Insolvenz des britisch-australischen Lieferkettenfinanzierers kalt erwischt wurde. Hier verloren viele vermögende Kunden der Bank über Fondskonstruktionen viel Geld – ein Desaster für das Kerngeschäft. Und nun droht mit dem Kollaps des Hedgefonds Archegos Capital ein neuer Verlust, der allein ausreichen könnte, den erwarteten Jahresgewinn vor Steuern aufzuzehren.
Die konkreten finanziellen und personellen Konsequenzen der Skandale sind noch nicht absehbar. Seit einer Gewinnwarnung Anfang der Woche gibt es kein offizielles Statement der Bank mehr. Auch auf Anfrage lehnte Credit Suisse einen Kommentar ab. Dem neuen Chefaufseher Horta-Osório dürfte aber schon jetzt klar sein, dass ein Weiter-so keine Option ist.