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Singapur Warum in Singapur Taxiunternehmer und Massagesessel-Hersteller zu Banken werden können

Singapur öffnet sich für Fintechs und vergibt Lizenzen für digitale Banken. Das Interesse ist groß. Einige Bewerber haben ungewöhnliche Hintergründe.
09.01.2020 - 14:31 Uhr Kommentieren
Singapur, ein Insel- und Stadtstaat südlich vor Malaysia, ist ein globales Finanzzentrum. Quelle: Unsplash
Skyline von Singapur

Singapur, ein Insel- und Stadtstaat südlich vor Malaysia, ist ein globales Finanzzentrum.

(Foto: Unsplash)

Singapur Südostasiens wertvollstes Start-up gibt sich alle Mühe, im Alltag seiner Kunden unverzichtbar zu werden. Angefangen hat die Firma Grab als App, um Taxis zu bestellen. Inzwischen können Nutzer in Metropolen wie Singapur darüber auch Essen oder Kinotickets ordern oder Filme und Fernsehserien auf ihrem Smartphone anschauen.

In Zukunft will das Unternehmen, das zum Imperium des japanischen Technologieinvestors Softbank gehört, auch zur ersten Anlaufstelle für Finanzgeschäfte werden. In Partnerschaft mit dem lokalen Telekomkonzern Singtel ist Grab ins Rennen um Singapurs erste Digitalbanklizenzen eingestiegen. Grab will damit zum direkten Konkurrenten der etablierten Kreditinstitute aufsteigen.

Möglich wird die Offensive von Grab-Chef Anthony Tan durch Singapurs größte Finanzreform der vergangenen Jahrzehnte. Erstmals will der Stadtstaat in diesem Jahr rein virtuelle Banken zulassen, die ihre Kundengeschäfte ausschließlich über das Internet abwickeln.

Das ermöglicht auch Unternehmen, die bisher mit der Finanzindustrie höchstens am Rande etwas zu tun hatten, in den Wettbewerb mit klassischen Finanzkonzernen wie Singapurs größter Bank DBS zu treten.

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    Eine Reihe von Überraschungskandidaten wittert dabei eine Chance: Zu den Bewerbern um die Lizenzen gehören unter anderem ein Hersteller von Computerspiele-Zubehör, ein Produzent von Massagesesseln und der Betreiber einer E-Commerce-Website.

    21 Kandidaten haben sich beworben

    Bis zum Bewerbungsschluss am 31. Dezember gingen 21 Lizenzanträge ein, wie die Finanzbehörde des Stadtstaates mitteilte. Sie will nun bis Juni eine Entscheidung treffen. Insgesamt sollen fünf Banklizenzen erteilt werden – zwei für digitale Vollbanken, die auch Geschäfte mit Privatkunden machen dürfen. Die restlichen drei Lizenzen betreffen virtuelle Finanzdienstleistungen für kleine und mittelgroße Firmenkunden.

    Eine Liste der Bewerber legte die Finanzaufsicht nicht vor. Einige Unternehmen haben ihr Bemühen um die Lizenz aber von sich aus bekanntgegeben. Neben Grab ist unter anderem Ant Financial, die Finanztochter des chinesischen E-Commerce-Konzerns Alibaba in das Rennen eingestiegen. Berichten zufolge mischt auch der Eigentümer der aus China stammenden Social-Media-App Tiktok, Bytedance, in dem Verfahren mit.

    Zu den eher überraschenden Interessenten gehört der aus Singapur stammende Milliardär Ron Sim, der mit seinem Konglomerat V3 unter anderem Asiens größten Massagesesselproduzenten und eine Teemarke leitet. Kürzlich gründete er auch eine Finanzeinheit.

    Als Teil eines Konsortiums bewirbt er sich wie Grab um eine Vollbanklizenz – genauso wie der kalifornische Computerzubehörproduzent Razer, dessen Produkte in der Gaming-Szene beliebt sind. Mit seiner 2018 gegründeten Fintech Einheit will Razer nun in Singapur die erste Razer Youth Bank gründen und sich damit als Finanzdienstleister für Millennials etablieren.

    Die gleiche Zielgruppe hat auch der südostasiatische Onlinekonzern Sea, der sich ebenfalls um eine der Vollbanklizenzen bewirbt, ins Visier genommen. Das Unternehmen, das seit 2017 an der New Yorker Börse gelistet ist und in Südostasien die Einkaufsplattform Shopee sowie Onlinespiele betreibt, möchte „die bisher unbefriedigten Bedürfnisse von Millennials abdecken“, teilte Konzernchef Forrest Li mit.

    Die digitale Vollbanklizenz wird es den erfolgreichen Bewerbern ermöglichen, Guthaben von Privatkunden zu verwalten und Kredite zu vergeben. Die Anforderungen dafür sind aber hoch: So verlangt Singapurs Finanzaufsicht ein Grundkapital von mindestens 1,1 Milliarden US-Dollar. Zudem müssen die Bewerber glaubhaft darstellen, wie sie innerhalb weniger Jahre profitabel werden können. Angesichts der Konkurrenz mit mehr als 100 bestehenden Finanzinstitutionen in Singapur ist das nicht einfach.

    Region mit 650 Millionen Einwohnern

    Für viele der Bewerber dürfte Singapur aber nur der erste Schritt sein. Das glaubt zumindest Varun Mittal, der Fintech-Experte des Beratungsunternehmens EY. Er erwartet, dass sich weitere Länder der Region für Digitalbanken öffnen und Pioniere aus Singapur dort einen Vorteil haben werden. „Eine der Hauptmotivationen ist, sich in Singapur für andere südostasiatische Märkte als Erfolgsgeschichte zu präsentieren“, sagte er der Nachrichtenagentur Reuters.

    Das Potenzial in der Region mit mehr als 650 Millionen Einwohnern ist groß. In bevölkerungsreichen Märkten wie etwa in Indonesien gibt es für die Finanzbranche enormes Wachstumspotenzial, weil dort vielen Menschen noch immer der Zugang zu Finanzdienstleistungen fehlt.

    Eine von Google, dem Beratungsunternehmen Bain und Singapurs Staatsfonds Temasek beauftragte Studie geht davon aus, dass sich das Volumen von online vergebenen Krediten in Südostasien in den kommenden fünf Jahren auf 110 Milliarden Dollar vervierfachen wird.

    Softbanks Taxi-App Grab rechnet sich besonders gute Chancen aus, die mehrere Hundert Millionen Menschen zu erreichen, die bisher unterversorgt sind. Die App des Unternehmens, das zu 27,5 Prozent zu Uber gehört, wurde bereits mehr als 160 Millionen Mal heruntergeladen.

    In den Metropolen der Region gibt es kaum jemanden, der noch keine Erfahrungen mit den vielfältigen Services des Start-ups gemacht hat. Für den Chef von Grabs Finanz-Sparte, Reuben Lai, ist klar: „Eine digitale Bank zu gründen, ist für uns der natürliche nächste Schritt.“

    Mehr: Singapur möchte den Menschen in den Mittelpunkt des Fortschritts stellen – und könnte damit auch ein Vorbild für Europa sein.

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