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Eine Homeoffice-Quote von bis zu 60 Prozent der Arbeitszeit entspreche den Wünschen der Beschäftigten, so Verdi.

(Foto: Imago)

Tarifverhandlungen Verdi fordert für Banker Anspruch auf drei Tage Homeoffice pro Woche

Die Gewerkschaft will das Recht auf mobiles Arbeit im Tarifvertrag verankern. Die Arbeitgeber lehnen dies genauso wie die Gehaltsforderungen von Verdi ab.
18.06.2021 Update: 18.06.2021 - 17:01 Uhr Kommentieren

Frankfurt Bei der anstehenden Tarifrunde für rund 200.000 Bankbeschäftigte in Deutschland zeichnen sich hitzige Debatten zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften ab. Streit dürfte es in den kommenden Wochen und Monaten nicht nur über die Entwicklung der Gehälter geben, sondern auch über verbindliche Homeoffice-Regeln nach der Corona-Pandemie.

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi fordert, dass die Beschäftigten künftig einen im Tarifvertrag festgeschriebenen Anspruch darauf haben, bis zu drei Tage pro Woche von zu Hause aus zu arbeiten. Eine Homeoffice-Quote von bis zu 60 Prozent der Arbeitszeit entspreche den Wünschen der Beschäftigten, sagte Verdi-Verhandlungsführer Jan Duscheck am Freitag.

Er will zudem dafür kämpfen, dass betroffene Mitarbeiter von ihren Arbeitgebern einmalig 1500 Euro bekommen, um ihren Heimarbeitsplatz einzurichten. Die Banken bräuchten wegen des Trends zu mehr Homeoffice schließlich weniger Büroflächen und könnten so Kosten sparen.

Der Arbeitgeberverband des privaten Bankgewerbes (AGV) wies die Forderungen mit deutlichen Worten zurück. „Wir sollen einen massiven Eingriff in das gesetzlich garantierte Direktionsrecht des Arbeitgebers akzeptieren und diesen auch noch finanzieren. Das ist mit uns nicht zu machen“, sagte die AGV-Vorsitzende Sabine Schmittroth.

Die Gestaltung von mobiler Arbeit erfordere eine differenzierte Herangehensweise, die je nach Geschäftsmodell, Arbeitsorganisation und Unternehmenskultur sehr unterschiedlich sei, argumentieren die Arbeitgeber. Deshalb solle das Thema auf Betriebsebene geregelt werden und nicht in einem branchenweiten Tarifvertrag.

Verdi-Vorstandsmitglied Christoph Schmitz will sich mit dieser Erklärung nicht abspeisen lassen. Mobiles Arbeiten sei im Finanzdienstleistungssektor auch vor der Coronakrise schon üblich gewesen – „aber sehr stark nach dem Nasen-Prinzip. Die Arbeitgeber haben entschieden, wer darf und wer nicht. Wir wollen, dass es künftig für alle Arbeitsplätze, die mobil arbeitsfähig sind, diese Möglichkeit gibt.“ Wo Präsenz erforderlich sei, etwa in den Filialen, könne man über Ausgleichsmechanismen reden.

Arbeitgeber: „Kostendisziplin ist das oberste Gebot“

Die Tarifverhandlungen für öffentliche Institute wie die Landes- und Förderbanken starten am 23. Juni. Bei privaten Geldhäusern wie der Deutschen Bank und der Commerzbank geht es am 1. Juli los.

Verdi fordert für beide Bankengruppen eine Erhöhung der Gehälter um 4,5 Prozent bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Der Deutsche Bankangestellten-Verband (DBV) will sogar ein Plus von 4,8 Prozent erreichen.

Die Dienstleistungsgewerkschaft fordert bei den anstehenden Tarifverhandlungen 4,5 Prozent mehr Gehalt für Bankangestellte. Quelle: REUTERS (M)
Verdi

Die Dienstleistungsgewerkschaft fordert bei den anstehenden Tarifverhandlungen 4,5 Prozent mehr Gehalt für Bankangestellte.

(Foto: REUTERS (M))

Der Arbeitgeberverband hält die Forderungen für überzogen und verweist darauf, dass sich viele Geldhäuser im Umbau befinden und Stellen streichen. Zudem setzten das Zinsumfeld und Kreditausfälle infolge der Coronakrise den Geldhäusern zu.

„Die Banken bleiben auf Jahre hinaus auf der Kosten- und der Ertragsseite unter Druck, und wir haben es zurzeit mit so vielen Risiken und Unsicherheiten zu tun wie lange nicht“, sagte AGV-Verhandlungsführerin und Commerzbank-Vorständin Schmittroth. „In dieser Situation ist strikte Kostendisziplin das oberste Gebot.“

Wie schnell Konflikte zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern eskalieren können, zeigte sich im Frühjahr, als es in den Callcentern der Deutschen Bank wochenlange Streiks gegeben hatte. Auch bei den Sparda-Banken, bei denen die Tarifverhandlungen bereits laufen, scheinen Streiks nur noch eine Frage der Zeit zu sein.

„Die Arbeitgeber fordern als Beitrag der Beschäftigten für den Erhalt der Arbeitsplätze eine Null-Runde, ohne dass sie im Gegenzug bereit wären, betriebsbedingte Kündigungen auszuschließen“, sagte Verdi-Vorstandsmitglied Schmitz. „Dem werden wir uns gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen entgegenstellen.“

Verdi fürchtet aktuell keine Commerzbank-ÜbernahmeBank

Scharfe Kritik übt Verdi auch an der Commerzbank, die Verhandlungen über einen Tarifvertrag für ihre ComTs-Servicegesellschaften bisher ablehnt. „Ein Institut, an dem der Staat beteiligt ist, darf keine tariflosen Flecken dulden“, sagte Schmitz. „Wir werden das nicht akzeptieren.“

Laut Verdi-Gewerkschaftssekretär Stefan Wittmann ist die Wut in der Belegschaft über die Situation bei ComTs groß – genauso wie die Bereitschaft für Streiks ab Juli. Wittmann hatte bereits im Februar im Handelsblatt über „zum Teil prekäre Arbeitsverhältnisse“ bei den Servicegesellschaften geklagt, die für die Commerzbank Verwaltungsaufgaben erledigen.

Die Commerzbank erklärte, in den ComTs-Gesellschaften gebe es auch ohne Tarifvertrag gute Arbeitsbedingungen. Sie hätten Ende 2020 ein transparentes Gehaltssystem eingeführt, die Bezahlung aller Mitarbeiter liege klar über dem Mindestlohn.

Bei den letzten Tarifverhandlungen zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften 2019 beteiligten sich viele Mitarbeiter von Commerzbank und Deutscher Bank auch deshalb an Warnstreiks, um dabei gegen die damals diskutierte Fusion beider Institute zu protestieren. Auch wegen des Widerstands der Arbeitnehmervertreter wurde der Zusammenschluss wenig später abgesagt.

Nach Einschätzung von Gewerkschaftssekretär Wittmann, der auch im Aufsichtsrat der Commerzbank sitzt, ist eine Übernahme von Deutschlands zweitgrößter Privatbank aktuell unwahrscheinlich. „Ich bin als Aufsichtsrat sehr positiv gegenüber meinem eigenen Institut eingestellt“, sagte Wittmann.

„Aber ich könnte derzeit nicht sehen, was ein ausländischer Erwerber für einen Vorteil haben würde, wenn er die Commerzbank übernimmt – außer, dass er sich eine Menge Umbaukosten einfängt und die ungelösten Probleme der mBank.“ Die polnische Commerzbank-Tocher mBank steht aktuell wegen eines Streits um den Umgang mit Franken-Krediten unter Druck.

Mehr: Kontrollorgan der privaten Banken gerät wegen der Greensill-Pleite immer stärker unter Druck

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