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  5. Aareal Bank: Übernahmeangebot für den Immobilienfinanzierer aufgestockt

ÜbernahmeangebotFinanzinvestoren stocken Angebot für Aareal Bank auf

Investorengruppe bietet nun 31 Euro je Aktie für den Immobilienfinanzierer. Die Hedgefonds sind weiter unzufrieden, doch ihr Widerstand birgt Risiken.Yasmin Osman, Arno Schütze 26.01.2022 - 13:57 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Die Aktionäre haben bis zum 2. Februar Zeit, das Angebot anzunehmen.

Foto: dpa

Frankfurt. Das Bieterkonsortium von drei Finanzinvestoren hat sein Übernahmeangebot für die Aareal Bank erhöht. Advent, Centerbridge und CPPIB bieten für den Wiesbadener Immobilienfinanzierer nun 31 Euro je Aktie, zwei Euro mehr als bisher, wie die Bieter am Mittwoch mitteilten. „Dieser noch attraktivere Angebotspreis ist endgültig, und es wird keine weitere Erhöhung des Angebotspreises geben“, teilte Advent mit.

Die Offerte entspreche einer Prämie von 44 Prozent auf den gewichteten Dreimonatskurs. Sie bewerte die Aareal Bank mit 1,86 Milliarden Euro, 120 Millionen mehr als bisher. Einigen Investoren reicht das weiterhin nicht. Der Markt blieb skeptisch: Die Aareal-Bank-Aktie stieg kurzzeitig auf 28,50 Euro, notierte mittags bei 27,84 Euro und blieb damit deutlich unter der neuen Offerte.

Aktionäre haben bis zum 2. Februar um Mitternacht Zeit, sich zu entscheiden. Die Annahmeschwelle hatte die Investorengruppe zuletzt von 70 Prozent auf 60 Prozent gesenkt. Wird diese Schwelle nicht erreicht, scheitert die Offerte.

Doch vor allem die zahlreichen Hedgefonds, die in den vergangenen zwei Jahren bei der Aareal Bank eingestiegen sind, zeigen sich noch immer ablehnend. Auch die neue Offerte stelle ein mieses Geschäft für die Aktionäre dar, sagte Teleios-Capital-Mitbegründer Adam Epstein: „Wir hoffen, andere folgen unserem Beispiel und ignorieren sie.“ Teleios Capital hält mehr als fünf Prozent.

Der aktivistische Investor Petrus Advisers, der direkt und über Derivate über 15 Prozent an der Aareal Bank hält, will das Angebot Finanzkreisen zufolge ebenfalls ablehnen. Offiziell wollte sich der Londoner Hedgefonds auf Anfrage nicht äußern.

Auch Hedgefonds gehen Risiko ein

Petrus-Manager Till Hufnagel hatte jedoch Mitte Januar erklärt, dass vor allem der Wert der Aareal-Softwaretochter nicht angemessen reflektiert werde, und hatte dramatisch höhere Preisvorstellungen genannt. 

Seiner Analyse zufolge liegt der faire Wert allein von Aareon bei 19 bis 26 Euro pro Aareal-Aktie, wobei Aareal nur noch einen Anteil von 70 Prozent hält. Zusätzlich sei der Wert der Aareal Bank ohne die Softwaresparte 25 bis 28 Euro pro Aktie wert. Damit sieht Petrus Advisers den fairen Wert allerdings auf einem Niveau, den die Aktie in den letzten Jahren nicht annähernd erreicht hat.

Klaus Nieding, Vize-Präsident der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) und Fachanwalt für Banken- und Kapitalmarktrecht, hält es aufgrund der ablehnenden Haltung der beiden Hedgefonds für „unwahrscheinlich“, dass sich das Bieterkonsortium 60 Prozent der Anteile sichern kann.

Mit einer Ablehnung gehen allerdings auch die Hedgefonds ein Risiko ein: Scheitert die Übernahme, könnte der Aktienkurs einbrechen. Ein alternativer Bieter ist bislang nicht aufgetaucht, und die von den Hedgefonds geforderte Abspaltung der Softwaretochter Aareon dürfte zumindest zum jetzigen Zeitpunkt auf Widerstand der Bankenaufsicht stoßen. 

Sollte die Übernahme auch gegen den Widerstand der aktivistischen Investoren glücken, würde deren Einfluss deutlich sinken. Sie hätten dann zwar noch immer eine Sperrminorität, bekämen auf Hauptversammlungen aber keine Mehrheiten mehr. Dividendenzahlungen sehen die Pläne der Investoren bis auf Weiteres nicht vor.

Delisting wird in Betracht gezogen

Die Hedgefonds könnten darauf setzen, bei einem Delisting ein besseres Angebot zu bekommen, so wie es etwa der US-Investor Elliot bei Rocket Internet durchsetzen konnte. Das Bieterkonsortium zieht die Einstellung der Börsennotierung nach einer erfolgten Transaktion „in Abhängigkeit von den Marktbedingungen und wirtschaftlicher Überlegungen in Betracht“, hieß es.

Sicher ist es nicht, dass sich das lohnt. Denn so ein Rückzug aus dem Börsenverkehr, der meist mit dem Wechsel in den nicht regulierten Freiverkehr einhergeht, ist nach Einschätzung von DSW-Vizepräsident Nieding „grundsätzlich immer möglich“ – seit einer Entscheidung des Bundesgerichtshofs sogar ohne Beschluss der Hauptversammlung. 

Diese Entscheidung kann der Vorstand einer Aktiengesellschaft treffen – und falls Advent und Centerbridge eine Mehrheit erlangen, ist ihr Einfluss auf den Vorstand ohnehin größer. Die Aktie ist dann aber schlechter handelbar. Das ist meist ein Nachteil für die verbleibenden Aktionäre.

Allerdings betonen die Bieter auch, dass sie auf diesen Schritt nicht angewiesen sind. Voraussetzung für ein solches Delisting ist ein Übernahmeangebot an verbliebene Aktionäre, dazu genügt in der Regel der gewichtete Durchschnittskurs der vergangenen sechs Monate. Mit 31 Euro je Aktie liege das Angebot im Rahmen der Bewertungen anderer Unternehmen, sagte Gregory Lafitte, Analyst bei Tradition Securities.

Völlig offen ist das Verhalten anderer Aktionäre

Rund 7,8 Prozent der Anteile liegen bei dem tschechischen Investor Daniel Kretinsky, der das Investment ebenfalls aus opportunistischen Motiven hält. Kretinsky äußerte sich nicht zu seinen Plänen. Finanzkreisen zufolge ist er zu 27 Euro eingestiegen.

Mit der Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder (VBL), deren Aareal-Anteil bei 6,5 Prozent liegt, hatte sich vor zwei Wochen ein erster Großaktionär dazu entschieden, das Angebot anzunehmen. Inzwischen gebe es weitere feste Zusagen, hieß es in Finanzkreisen. 

Einige Investmentbanken hatten zuletzt größere Positionen gemeldet. Den jüngsten Stimmrechtsanteilen zufolge hält die US-Bank Morgan Stanley mittlerweile rund 10,1 Prozent der Anteile, Barclays etwa 8,2 Prozent und Citi 5,6 Prozent. In wessen Auftrag die Institute die Aktien gekauft haben, ist unbekannt.

Ob bis zum Ablauf der Offerte am 2. Februar genug Eigner tendern, ist offen. Um eine absehbare Schlappe abzuwenden, hatten die Finanzinvestoren vor einer Woche die Annahmeschwelle für ihr Angebot auf 60 von 70 Prozent gesenkt und damit zwei Wochen mehr Zeit gewonnen. 

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Bis Mitte vergangener Woche hatten erst 19 Prozent der Aareal-Aktionäre die Offerte angenommen. Allerdings ist es bei Übernahmeverfahren nicht unüblich, das sogenannte „letzte und beste Angebot“ abzuwarten – das nun erst abgegeben wurde. 

Da der erhöhte Angebotspreis zustande kam, weil das Konsortium von einem Investor Aktien zu diesem höheren Kurs erworben hat, ist der Anteil der Bieter außerdem ohnehin weiter gestiegen. Eine neue Wasserstandsmeldung wird am Donnerstag erwartet.

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