Bilanzsaison: Analysten erwarten positives erstes Quartal für Europas Banken
Frankfurt. Europas Banken können optimistisch auf die anstehende Bilanzsaison blicken – zumindest, wenn es nach Ansicht von Analysten geht. Dem Handelsblatt sagte Sonja Förster, Analystin bei DRBS Morningstar: „Das erste Quartal wird für Europas Banken im Schnitt recht positiv ausfallen.“ Grund dafür sei vor allem die hohe Volatilität an den Märkten.
Laut Jochen Stanzl, Chefmarktanalyst CMC Markets, könnten die europäischen Banken „vorsichtig optimistisch“ sein. „Mit einer strengen Kosten- und Risikodisziplin haben sie sich in den zwei Jahren ohne nennenswerte konjunkturelle Impulse sturmsicher aufgestellt“, sagte er. Alle hofften jetzt auf den versprochenen Weckruf für Europa.
Damit könnte sich der Trend aus den USA in Europa fortsetzen. Mitte April hatten bereits die großen US-Banken ihre Quartalszahlen vorgelegt. Der Nettogewinn von JP Morgan stieg um neun Prozent auf 14,6 Milliarden Dollar.
Die Einnahmen im Investmentbanking legten um zwölf Prozent zu, die Erträge im Handel stiegen um 21 Prozent. Auch Goldman Sachs, Bank of America und Citigroup profitierten unter anderem vom starken Handelsgeschäft.
BNP Paribas mit starkem Investmentbanking
Erster Indikator war am Donnerstag die französische BNP Paribas, die als erste europäische Großbank ihre Zahlen präsentierte. Zwar verdiente die Bank im Auftaktquartal wie erwartet weniger. So sank der Nettogewinn in den ersten drei Monaten des Jahres im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 4,9 Prozent auf 2,95 Milliarden Euro. BNP erklärte aber, der Rückgang sei vollständig auf die Wiederaufnahme des Ukrainegeschäfts in die Konzernbilanz zurückzuführen.
Rund lief es für BNP Paribas im Investmentbanking, wo sie ein Rekord-Umsatzplus von 12,5 Prozent verzeichnete. Grund waren die Turbulenzen auf den Finanzmärkten, die für mehr Transaktionen sorgten. Hinzu kam der Rekord im Aktienhandel. Die Erträge stiegen im ersten Quartal um 42 Prozent auf knapp 1,2 Milliarden Euro.
„Der Anstieg im Handelsgeschäft und im Investmentbanking fällt bei BNP Paribas höher aus, als wir erwartet hatten“, sagte Analystin Förster. Die Volatilität an den Märkten habe nach Einführung der US-Zölle noch weiter zugenommen. „Deshalb dürften auch die Ergebnisse im Handelsgeschäft im zweiten Quartal noch stärker ausfallen”, so ihre Prognose.
Davon könnte nicht nur BNP Paribas profitieren, auch andere europäische Banken mit nennenswerten Handelsgeschäften könnten dadurch Auftrieb bekommen. Zu nennen sind hier etwa die Deutsche Bank, die französische Société Générale oder auch die britische Barclays.
Ebenso betrifft dies Banken mit einem Schwerpunkt im Investmentbanking. „Dort sehen wir allerdings nicht so große Sprünge wie im Handelsgeschäft“, sagte Förster. Grundsätzlich werde dieser Geschäftsbereich jedoch kurz- bis mittelfristig unter Volatilität und Unsicherheit leiden.
Die Deutsche Bank legt am Dienstag ihre Zahlen vor, Société Générale folgt am Mittwoch. Entscheidend ist nach Ansicht der Analysten von Morgan Stanley, wie die französische Bank mit der Unsicherheit im Welthandel umgeht, wie sie neue Technologien einsetzt, um Kosten zu senken, ob es Anzeichen für eine Verschlechterung der Aktiva gibt und wie es um die Profitabilität ihrer Onlinebank Boursorama bestellt ist.
Spanische und italienische Banken unter Druck
Nicht alle europäischen Banken haben aber ein starkes Handels- oder Investmentbanking-Geschäft. Zahlreiche Institute sind auch weiterhin vom Zinseinkommen abhängig. Laut Förster betrifft dies vor allem spanische und italienische Konzerne. „Der Druck auf die Zinserträge wird steigen“, sagte sie.
Zum einen sei in diesen Ländern ein größerer Anteil an variabel verzinsten Krediten ausgegeben worden, zum anderen sei auch nicht viel für Einlagen bezahlt worden. „Während die Kreditzinsen nun sinken, kann dies nicht durch geringere Einlagenzinsen ausgeglichen werden“, so die DRBS-Analystin.
Dem könnten allerdings die milliardenschweren Investitionsprogramme entgegenwirken. Laut Analyst Stanzl würde dies die Kreditnachfrage ankurbeln und den Investitionsbedarf in Infrastruktur, Energie und Verteidigung deutlich erhöhen.
„Zudem könnte sich die Zinsstrukturkurve in der zweiten Jahreshälfte wieder normalisieren, was die Zinserträge der Banken stützen würde“, sagte er. Der Weckruf Europas könnte bewirken, dass sich die Angebote an langlaufenden Staatsanleihen und damit auch die Zinsen erhöhen.
„Je steiler die Zinsstrukturkurve“, so Analyst Stanzl, „desto größer ist die Zinsmarge der Banken aus der Fristentransformation – und damit auch der Gewinn aus dem klassischen Kredit- und Einlagengeschäft“.