Commerzbank: Management und Betriebsrat vereinbaren Rahmen für Stellenabbau
Frankfurt. Wenige Stunden vor dem Beginn ihrer Hauptversammlung hat die Commerzbank eine wichtige Vereinbarung für die Umsetzung ihrer neuen Strategie getroffen. Das Management von Deutschlands zweitgrößter Privatbank einigte sich mit den Arbeitnehmervertretern auf die Eckdaten für den geplanten Abbau von 3900 Vollzeitstellen.
Das Institut habe sich mit den Arbeitnehmergremien auf einen Rahmeninteressenausgleich und einen Rahmensozialplan für die Commerzbank AG in Deutschland verständigt, teilte das Geldhaus am Mittwochabend mit. Damit schaffe es die Grundlage für den im Februar im Rahmen der Strategie „Momentum“ angekündigten Stellenabbau.
Der Stellenabbau soll dazu beitragen, dass die Kosten bis 2028 nur leicht steigen, während die Erträge um satte 35 Prozent anziehen sollen. Unter dem Strich peilt die Commerzbank einen Gewinnanstieg um mehr als die Hälfte auf 4,2 Milliarden Euro an.
Von den 3900 Arbeitsplätzen sollen bisherigen Angaben zufolge mehr als 3300 in Deutschland wegfallen – und hier vor allem in der Zentrale in Frankfurt. Bei der polnischen Tochter M-Bank und an anderen Niedriglohnstandorten werden dagegen zahlreiche neue Stellen geschaffen. Unter dem Strich soll die Zahl der Vollzeitbeschäftigten somit konstant bei rund 36.700 bleiben.
Stellenabbau durch Altersteilzeit und Vorruhestandsregelungen
Personalvorständin Sabine Mlnarsky äußerte sich zufrieden über die Verständigung mit den Arbeitnehmervertretern. „Mit den Regelungen schaffen wir die Voraussetzung dafür, die Ziele von Momentum sozialverträglich in Deutschland umzusetzen“, sagte sie.
Die Commerzbank setzt beim Stellenabbau nach eigenen Angaben vor allem auf bewährte Instrumente wie Altersteilzeitangebote und Vorruhestandsregelungen. „Daneben sind unter anderem Aufhebungsvereinbarungen mit Abfindung vereinbart“, teilte das Frankfurter Institut mit.
Interessen der Mitarbeitenden „angemessen berücksichtigen“
Betriebsratschef Sascha Uebel hatte im Gespräch mit dem Handelsblatt bereits vergangene Woche in Aussicht gestellt, dass es noch vor der Hauptversammlung zu einer Einigung mit dem Management kommt.
„Es ist gut, dass wir das Rahmenwerk so zügig vereinbart haben“, erklärte er nun. „So können wir die Interessen der Mitarbeitenden in den weiteren Verhandlungen angemessen berücksichtigen.“
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Auf Basis der Rahmenregelungen sollten nun die Details des Stellenabbaus in den einzelnen Konzernbereichen in den kommenden Monaten beraten und in Teilinteressenausgleichen geregelt werden, erklärte die Bank. „Ziel ist es, die Verhandlungen spätestens bis zu den Herbstferien dieses Jahres abzuschließen.“
Das neue Gewinnziel und die Ausgabenpläne der Bundesregierung, von denen das Geldhaus profitieren dürfte, haben auch der Commerzbank-Aktie Auftrieb gegeben.
Seit Jahresbeginn hat das Papier um 67 Prozent zugelegt auf 26,32 Euro. Innerhalb der Commerzbank steigt deshalb die Zuversicht, eine Übernahme des Instituts durch den italienischen Konkurrenten Unicredit abwenden zu können.
Das Mailänder Institut ist im September 2024 mit neun Prozent bei der Commerzbank eingestiegen und hat sich über Finanzinstrumente inzwischen Zugriff auf rund 28 Prozent der Anteile gesichert. Unicredit-Chef Andrea Orcel würde das Frankfurter Institut am liebsten komplett übernehmen. Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp kämpft dagegen für die Eigenständigkeit des 155-jährigen Geldhauses.
Der Übernahmekampf dürfte auch bei der Hauptversammlung des Instituts ein großes Thema sein. Sie beginnt am Donnerstag um 10 Uhr im Kongresszentrum in Wiesbaden. Der Betriebsrat der Commerzbank und die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi haben bereits ab 8 Uhr zu Protesten gegen eine Übernahme durch Unicredit aufgerufen.