Krankheit: Bei Banken und Versicherern ist Krankenstand um die Hälfte gestiegen
Bei Banken und Versicherungen in Deutschland ist der Krankenstand in den vergangenen zwei Jahrzehnten um die Hälfte gestiegen. Das zeigen Daten der Krankenkassen AOK, die die Nachrichtenagentur Bloomberg ausgewertet hat. Allianz-Chef Oliver Bäte hatte im Interview mit dem Handelsblatt Kritik an einem hohen Krankenstand bei Unternehmen in Deutschland geübt.
Den jüngsten verfügbaren AOK-Daten zufolge lag der Krankenstand in der Branche Banken und Versicherungen im Jahr 2004 noch bei 3,1 Prozent, während er im Jahr 2023 bereits 4,5 Prozent betrug. Vereinfacht gesagt bedeutet das, dass je Arbeitstag im Mittel rund 4,5 Prozent der Beschäftigten krank waren.
Basis sind die Arbeitsunfähigkeitsmeldungen der zuletzt etwa 15 Millionen erwerbstätigen AOK-Mitglieder in Deutschland, die nach verschiedenen Branchen aufgegliedert wurden. Zwar sind einige Sonderfaktoren über die Jahre zu berücksichtigen, doch nach Einschätzung der AOK stimmt die Trendaussage vom Grundsatz her.
Bäte hatte im Handelsblatt gesagt, dass Deutschland „mittlerweile Weltmeister bei den Krankmeldungen ist“. Arbeitnehmer in Deutschland seien häufiger krank als die Arbeitnehmer in anderen Ländern. Die Aussagen des Allianz-Chefs hatten eine deutschlandweite Diskussion zu dem Thema ausgelöst.
Trotz des langfristigen Anstiegs der Fehlzeiten hatten Banken und Versicherer in 2023 mit 4,5 Prozent den geringsten Krankenstand unter allen untersuchten Branchen. Den höchsten Krankenstand gab es in den Branchen Öffentliche Verwaltung und Sozialversicherung sowie Gesundheits- und Sozialwesen mit je 7,5 Prozent. Bei allen erwerbstätigen Mitgliedern der AOK lag der Wert bei 6,6 Prozent.
Mit Blick auf die Gründe für Fehltage in 2023 zeigt sich, dass bei Banken und Versicherungen besonders Atemwegserkrankungen eine zentrale Rolle spielten. Sie standen den AOK-Daten zufolge hinter 21 Prozent der Fehltage. Nur in der Branche Erziehung und Unterricht war der Wert ähnlich hoch. Weitere 15 Prozent entfielen auf psychische Erkranken, was im Branchenvergleich am oberen Ende lag.
Auf der anderen Seite waren Muskel- und Skelett-Erkrankungen mit einem Anteil von 11 Prozent relativ wenig vertreten bei Banken und Versicherungen.