Versicherer: Ex-Bafin-Aufseher Frank Grund wird Aufsichtsrat bei Generali
Frankfurt. Ein Jahr nach seinem Weggang von der Finanzaufsicht Bafin zieht der ehemalige oberste deutsche Versicherungsaufseher Frank Grund in drei Aufsichtsräte des italienischen Versicherers Generali ein. Zum 1. Oktober soll der 66-Jährige Mitglied der Aufsichtsgremien von Generali Deutschland sowie deren Lebens- und Sachversicherungstöchtern werden. Das gab das Unternehmen am Donnerstag bekannt.
Grund sei ein ausgewiesener Kenner der Versicherungsbranche und werde seine langjährige Expertise in das Gremium einbringen, hieß es in der Mitteilung. Bei der Bafin war er bis Ende September 2023 acht Jahre lang Exekutivdirektor für die Versicherungs- und Pensionsaufsicht. In seine Amtszeit fiel nicht nur die lang anhaltende Niedrigzinsphase, auf die ein starker Zinsanstieg und hohe Inflation folgte, sondern auch die Einführung des Aufsichtsregimes für Versicherer Solvency II.
Sein Wechsel zu Generali ist aus mehreren Gründen bemerkenswert: Bei der Bafin beschäftigte er sich unter anderem mit den hohen Kosten in der Lebensversicherung. Das zu dieser Zeit auch auf politischer Ebene diskutierte Provisionsverbot im Finanzvertrieb sah der promovierte Jurist zwar kritisch.
Zugleich mahnte er die Branche regelmäßig, Exzesse einzudämmen, und stand auch einer Deckelung der Abschlusskosten offen gegenüber. Als eine seiner letzten Amtshandlungen brachte er ein Merkblatt zu Wohlverhaltenspflichten in der Lebensversicherung heraus, das darauf abzielte, Kundinnen und Kunden ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis zu bieten.
Generali Leben fiel mit hohen Kosten auf
Interessant dabei: Im Konkurrenzvergleich war vor allem Generali Deutschland Leben in den vergangenen Jahren immer wieder mit hohen Vertriebskosten aufgefallen. Auf Druck der Bafin gab der Versicherer schließlich in diesem Frühjahr bekannt, die Rendite für Hunderttausende fondsgebundene Lebensversicherungspolicen nachträglich zu erhöhen.
Nicht nur deshalb wird Grunds Wechsel zurück in die Branche von den Versicherern aufmerksam beobachtet. Schließlich nimmt er seine bei der Bafin gesammelten Erkenntnisse über die verschiedenen Unternehmen nun zu einem der großen Anbieter mit.
Der Wechsel von den Finanzaufsehern zurück in die Finanzbranche wird aus diesem Grund häufig kritisch gesehen. So beschäftigte der Wechsel des früheren Exekutivdirektors der Europäischen Bankenaufsicht Eba, Adam Farkas, zum Finanzlobbyverband Afme im Jahr 2020 sogar die Ombudsfrau der Europäischen Union (EU).
Gesetzliche Mindeststandards für ehemalige hochrangige Finanzaufseherinnen und -aufseher sind gerade erst in Arbeit. Das jüngste Gesetzespaket der EU zur Reform des Bankenmarkts verpflichtet die EU-Länder dazu, Interessenkonflikte ehemaliger Aufseher besser zu regeln, auch durch eine Karenzzeit. Diese Cooling-off-Periode soll zwischen sechs Monaten und einem Jahr liegen.
Der Versicherer Generali betonte, Grund sei Ende September 2023 aus der Bafin ausgeschieden und trete seine neue Position in den Aufsichtsräten der Generali Deutschland zum 1. Oktober 2024 an. „Damit ist eine Cooling-off-Phase von zwölf Monaten eingehalten, was unserer Kenntnis nach auch internationalen Standards entspricht“, betonte ein Sprecher des Unternehmens.
Fraglich ist, ob das eine Jahr Pause zwischen den beiden Tätigkeiten ausreichend ist. Die Bafin wollte dies nicht kommentieren. Auch die für gewöhnlich kritische Bürgerbewegung Finanzwende wollte sich zu dem Vorgang nicht äußern.
In Kreisen des Bundesfinanzministeriums hieß es: „Bei den Aufsichtsrat-Tätigkeiten von Herrn Dr. Grund bestehen keine Anhaltspunkte für eine Beeinträchtigung öffentlicher Interessen, die eine über die vereinbarte Berufsbeschränkungsregelung hinausgehende Untersagung rechtfertigen würden.“
Der Generali-Sprecher betonte, Kritik an dem Zeitpunkt des Wechsels sei ihm nicht bekannt. Grund sei ein ausgewiesener Kenner der gesamten Branche, habe während seiner Karriere verschiedene Positionen auch auf Unternehmensseite innegehabt und genieße seit jeher eine hohe Reputation. Der ehemalige Versicherungsaufseher werde sich zudem auch an alle Vertraulichkeitsvorgaben halten.
Vor seiner Zeit bei der Bafin hatte Grund für den Schweizer Versicherer Baloise gearbeitet. Auch seine Nachfolgerin bei der Behörde, Julia Wiens, kam von Baloise. Das hatte in der Branche Diskussionen über mögliche Interessenkonflikte bei der Aufsicht über den Versicherer ausgelöst. Wiens hatte im Handelsblatt-Interview dagegengehalten, dass es bei der Bafin strenge Compliance- und Offenlegungsregeln gebe und sie keine Entscheidungen über ihren alten Arbeitgeber treffe.