Allianz: Versicherung trotz Unwetterkatastrophen auf Rekordkurs
Frankfurt. Trotz höherer Schäden aus Naturkatastrophen hat die Allianz im zweiten Quartal einen operativen Gewinn in Höhe von 3,9 Milliarden Euro erzielt. Das war mehr als von Analysten erwartet. Ihre Schätzungen hatten im Schnitt bei rund 3,7 Milliarden Euro gelegen.
Konzernchef Oliver Bäte sagte angesichts der Flutkatastrophe im Juni in Süddeutschland: „Unsere Leistung zeigt die Kernstärken und die Widerstandsfähigkeit unseres Unternehmens. Wir sind zuversichtlich, dass wir unsere Ziele für das Gesamtjahr erreichen werden.“
Die Allianz hatte sich zum Ziel gesetzt, operativ in diesem Jahr zwischen 13,8 Milliarden und 15,8 Milliarden Euro zu verdienen. Das Geschäftsvolumen erhöhte sich im zweiten Quartal um 7,6 Prozent auf 42,6 Milliarden Euro, unter dem Strich lag das Ergebnis bei 2,5 Milliarden Euro.
Allianz stockt Aktienrückkäufe auf
Bereits am Mittwochabend hatte der Versicherer mitgeteilt, das Aktienrückkaufprogramm in diesem Jahr um 500 Millionen Euro auf 1,5 Milliarden Euro aufzustocken. Der im Februar angekündigte Rückkauf von Aktien in Höhe von einer Milliarde Euro sei bereits im Juli abgeschlossen worden.
William Hawkins, Analyst beim Investment-Banking-Unternehmen KBW, nannte die Aufstockung eine „nette, kleine Überraschung“. Alle Papiere sollen eingezogen, also aus dem Umlauf genommen werden. Für Investoren erhöht sich dadurch tendenziell der Gewinn je Aktie.
Trotz der insgesamt soliden Konzernergebnisse machten sich in der Schaden- und Unfallversicherung die höheren Naturkatastrophen- und Wetterschäden bemerkbar. Hierfür musste die Allianz im zweiten Quartal 642 Millionen Euro aufwenden.
Davon entfielen 292 Millionen Euro auf die Fluten in Süddeutschland. Dem Versicherer wurden hier etwa 11.500 Schäden gemeldet – mit einer durchschnittlichen Schadenhöhe von 25.000 Euro.
Hinzu kamen Schäden aus den Ausschreitungen im französischen Überseegebiet Neukaledonien. Auslöser der schweren Unruhen war eine von Paris geplante Verfassungsreform. Dadurch erhöhte sich die Basisschadenquote der Allianz gegenüber dem Vorjahresquartal um 0,9 Prozentpunkte auf 72,4 Prozent, was KBW-Analyst Hawkins als die schlechte Nachricht im Zahlenwerk bezeichnete.
Für eine Schadenschätzung nach dem fehlerhaften Crowdstrike-Softwareupdate ist es laut Finanzvorständin Claire-Marie Coste-Lepoutre noch zu früh. Die IT-Panne hatte vorübergehend zu Störungen unter anderem im Flugverkehr, in Krankenhäusern und in Banken geführt. Coste-Lepoutre erwarte hier jedoch keine größeren Schäden für die Allianz, sagte sie in einer Telefonkonferenz.
Insgesamt lag das operative Ergebnis des Geschäftsbereichs Schaden- und Unfallversicherung im zweiten Quartal mit 1,9 Milliarden Euro leicht unter dem Vorjahreswert von zwei Milliarden Euro. Analysten hatten im Vorfeld nur mit knapp 1,8 Milliarden Euro gerechnet. Die Schaden-Kosten-Quote stieg von 92,2 Prozent auf 93,5 Prozent, fiel damit aber ebenfalls besser aus als von den Finanzprofis erwartet.
Zugleich konnte die Allianz das Geschäft mit Privatkunden sowie kleineren und mittelgroßen Gewerbekunden ausbauen, ebenso das Flottengeschäft. Das gesamte Geschäftsvolumen stieg um 9,4 Prozent auf 19,3 Milliarden Euro. Besonders stark legte der Versicherer in Italien, Australien, Spanien und Deutschland zu.
Vermögensverwaltung bleibt hinter Erwartungen zurück
Auch in der Lebens- und Krankenversicherung lief es besser als erwartet. Operativ verdiente die Allianz hier 1,4 Milliarden Euro, mehr als im Vorjahresquartal. Der Barwert der Neugeschäftsbeiträge stieg von 17,7 Milliarden auf 18,8 Milliarden Euro.
Die Vermögensverwaltung trug 742 Millionen Euro zum operativen Gewinn bei, ein Plus von 5,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal. Die Analystenschätzung hatte im Schnitt bei 777 Millionen Euro gelegen.
Das für Dritte verwaltete Vermögen stieg bis Ende Juni auf über 1,8 Billionen Euro. Das war der höchste Wert seit dem ersten Quartal 2022. Die Nettomittelzuflüsse lagen mit 14 Milliarden Euro allerdings unter den von Analysten erwarteten 17 Milliarden Euro.
Für Anleger interessant wird nun vor allem der Kapitalmarkttag am 10. Dezember werden. Dann wird die Allianz ihre Strategie für die nächsten drei Jahre präsentieren und den Investoren zeigen müssen, wo der Konzern künftig noch Wachstumschancen sieht.
Zuletzt hatte die Allianz eine Übernahme in Singapur angekündigt. Für umgerechnet 1,5 Milliarden Euro will der Versicherer eine Mehrheitsbeteiligung von mindestens 51 Prozent an der Income Insurance erwerben, die bisher teuerste Akquisition der Allianz in Asien.
Erstpublikation: 08.08.2024, 07:28 Uhr