Amundi: Allianz unterbricht Gespräche über Vermögensverwaltung
Frankfurt. Der Versicherer Allianz hat die Gespräche über einen möglichen Zusammenschluss seiner Fondstochter Allianz Global Investors (AGI) mit dem größeren Wettbewerber Amundi unterbrochen. Informierte Kreise bestätigten dem Handelsblatt einen entsprechenden Bericht der „Financial Times“. Die Allianz und der Amundi-Mehrheitseigner Crédit Agricole seien bereits seit etwa einem Jahr in Gesprächen über eine mögliche gemeinsame Zukunft.
Durch eine Fusion oder Übernahme könnte ein europäischer Riese mit einem verwalteten Vermögen von knapp 2,8 Billionen Euro entstehen. Die Gespräche seien am Samstagmorgen unterbrochen worden, könnten aber zu einem späteren Zeitpunkt fortgesetzt werden. In Finanzkreisen spricht man von einer taktischen Pause. Beide Häuser gelten weiterhin als sehr interessiert an einer Zusammenarbeit.
Ein Knackpunkt bei den Verhandlungen sei demnach die Struktur einer möglichen Transaktion gewesen, berichteten Insider. Es sei keine Einigung zustande gekommen, wer in der neuen Einheit das Sagen hätte – ein typischer Streitpunkt bei Übernahmeverhandlungen, der bereits andere Annäherungsversuche auch der Allianz hat scheitern lassen. So hat der Konzern auch schon mit der Deutschen Bank über ein Zusammengehen von AGI und DWS gesprochen.
Amundi ist mit 2,2 Billionen Euro Kundenvermögen deutlich größer als Allianz Global Investors mit 560 Milliarden Euro. Es hatte sich aber bereits zuletzt angedeutet, dass der deutsche Versicherungskonzern in den Verhandlungen darauf hinarbeitet, eine gleichberechtigte Rolle einzunehmen. In der vergangenen Woche hatte man sich noch zuversichtlich gezeigt, die Beteiligungsverhältnisse dahingehend gestalten zu können.
Allianz will in allen Bereichen zu den Marktführern gehören
Allianz-Chef Oliver Bäte hat deutlich gemacht, dass er für den Konzern weiteres Wachstum anstrebt – nicht nur im Versicherungsgeschäft, sondern auch in der Vermögensverwaltung. AGI erfüllt momentan nicht den Anspruch des Konzerns, in allen Bereichen zu den Marktführern zu gehören. Bereits Ende Oktober waren Gerüchte über eine Suche nach einem Partner für das Fondshaus aufgekommen. Die Gespräche mit Amundi waren diversen Medienberichten zufolge zuletzt intensiver geworden.
Spekulationen, die Allianz könnte AGI zu einem guten Preis auch komplett verkaufen wollen und nur noch auf die zweite Fondstochter Pimco setzen, war Finanzchefin Claire-Marie Coste-Lepoutre entgegengetreten. Bei der Präsentation der jüngsten Quartalszahlen des Konzerns betonte sie, dass der Allianz beide Vermögensverwalter wichtig seien, diese ihre speziellen Rollen hätten und sich ergänzten.
Amundi, bekannt für seine ambitionierte Wachstumsstrategie auch über Zukäufe, kann sich Insidern zufolge eine Mehrheitsübernahme von AGI vorstellen. Der „Financial Times“ zufolge gibt es die Idee, dass Crédit Agricole über 50 Prozent an dem fusionierten Vermögensverwalter halten könnte, die Allianz etwa 30 Prozent bekäme und der Rest in Streubesitz wäre.
Die Allianz wollte die aktuellen Informationen gegenüber dem Handelsblatt am Samstagabend nicht kommentieren. Amundi äußert sich ebenfalls nicht dazu.
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Steigende Kosten und der Druck auf die Gebühren zwingen die Vermögensverwalter, größer zu werden. Viele der größten Anbieter in Europa befinden sich immer noch im Besitz von Banken oder Versicherungen und verfügen oft nicht über die nötige Größe, um mit US-Fondshäusern und alternativen Investmentfirmen zu konkurrieren, die in den letzten Jahren massiv gewachsen sind.
Die Großbank BNP Paribas hatte daher Anfang des Jahres Pläne zur Übernahme der Vermögensverwaltungssparte des französischen Versicherungskonzerns Axa bekannt gegeben. Im November war berichtet worden, dass der italienische Versicherer Generali einen Zusammenschluss mit Natixis Investment Managers in der Vermögensverwaltung erwägt.
Erstpublikation: 07.12.2024, 21:48 Uhr.