Geldanlage: Diese fondsgebundenen Rentenversicherungen haben das beste Fondsangebot
Köln. Sparer hatten in den vergangenen zwölf Monaten wieder Spaß an Fest- und Tagesgeld. Bis zu vier Prozent risikolose Zinsen gab es auf dem Konto – so viel wie seit rund 15 Jahren nicht mehr. Und weil zuletzt die Inflationsrate wieder in die Nähe der Zwei-Prozent-Marke sank, blieb sogar nach der Geldentwertung ein leichtes Plus.
Schön und gut, aber nicht genug: Denn gleichzeitig wäre an den Finanzmärkten deutlich mehr zu holen gewesen. Zahlreiche Aktienfonds und ETFs schafften im selben Zeitraum zweistellige Zuwächse. Und das gelang ihnen nicht nur über die vergangenen zwölf Monate.
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Auch über fünf oder zehn Jahre erzielten viele Fonds jährliche Renditen von zehn Prozent oder mehr. Wer sich nicht ohne Begleitung an die Finanzmärkte traut, hat andere Möglichkeiten – etwa fondsgebundene Rentenversicherungen.
Im Gegensatz zu klassischen Rentenversicherungen fließen bei fondsgebundenen Policen die Sparbeiträge nicht in Rentenpapiere wie Staatsanleihen, sondern in aktiv gemanagte Investmentfonds oder ETF-Indexfonds.
Zur Auswahl stehen vor allem Aktien- und Mischfonds als aktiv gemanagte Varianten oder ETF-Indexfonds. Über 70 Prozent der Neuanlagen fließen allein in Aktienfonds und Aktien-ETFs. Mischfonds, Renten- und Geldmarktfonds runden das Angebot ab.
Die Kunden haben zudem noch eine zweite Wahl. Sie können auf die gemanagten Musterlösungen der Versicherer mit defensiven, ausgewogenen oder offensiven Strategien zurückgreifen. Das machen viele.
Aktivere Kunden können sich aber auch einen oder mehrere Wunschfonds aussuchen, die sie dann mit ihren Beiträgen regelmäßig besparen. Während der Laufzeit der Police kann die Fondsauswahl nach Bedarf verändert werden.
ETF-Boom macht Vermögensverwaltern das Leben schwer
Ergebnisse kontinuierlich gut
„Entscheidend für den Anlageerfolg bei fondsgebundenen Rentenversicherungen ist neben den Kostenstrukturen die sorgfältige Auswahl der Zielfonds und ETFs“, erklärt Hubert Langer, leitender Analyst bei der Kölner Ratingagentur Assekurata.
Im Jahr 2024 haben die Experten für Versicherungen schon zum zehnten Mal für das Handelsblatt die Fondsportfolios der Anbieter der Rentenpolicen getestet. Insgesamt 34 Versicherer nahmen an der Umfrage teil, drei mehr als im Vorjahr.
In die Bewertung gingen neben den erzielten Renditen über drei, fünf und zehn Jahre – Stichtag war der 30. Juni 2024 – auch verschiedene Risikokennzahlen ein.
16 Gesellschaften, also nahezu die Hälfte der Teilnehmer, erzielten mit ihren Fonds in diesem Ranking mindestens 60 Durchschnittspunkte und damit die Bestnote „sehr gut“. 17 lagen zwischen 50 und 60 Punkten und erreichten ein „gut“.
Nur ein Teilnehmer, die Öffentliche Braunschweig, fiel etwas ab und musste sich bei 44 Punkten mit einem „befriedigend“ begnügen. Sie war damit auch die einzige Assekuranz, die unter dem Marktdurchschnitt blieb.
„Insgesamt haben die Ergebnisse das gute Vorjahresniveau bestätigt“, analysiert Hubert Langer. „Die Differenz zwischen bestem und schlechtestem Portfolio und den einzelnen Fonds ist jedoch noch einmal gestiegen. Sie fällt seit mehreren Jahren immer größer aus.“
So lagen zwischen dem Sieger (Huk-Coburg) und dem Letztplatzierten (Öffentliche Braunschweig) in diesem Jahr 28 Durchschnittspunkte. Ein Jahr zuvor waren es 26.
Auf der Ebene der einzelnen Fonds ist die Diskrepanz noch höher. Das liegt auch daran, dass deren Zahl um mehr als 200 gestiegen ist. Von den 1477 vertretenen Fonds gingen letztlich 1379 in die Wertung ein.
Der „Amundi MSCI World Information Tech Ucits ETF Equity“ profitierte vom Höhenflug der Technologiewerte. Er legte im Schnitt der vergangenen drei Jahre um mehr als 18 Prozent zu. Über fünf Jahre im Durchschnitt betrachtet, lag das Plus sogar bei jeweils fast 25 Prozent. Das führte zum Topergebnis von 90 Punkten.
Der „Invesco Global Clean Energy Ucits ETF Equity“ dagegen verlor in den vergangenen Jahren im Durchschnitt jeweils 20 Prozent und musste sich mit einem mageren Punkt begnügen.
Besonders auffällig: Die Trends der Vorjahre haben sich noch einmal verstärkt. Zum einen werden Nachhaltigkeitskriterien immer stärker berücksichtigt, zum anderen kommen mehr kostengünstige ETFs zum Einsatz.
Mehr als die Hälfte der getesteten Fonds berücksichtigen bereits Nachhaltigkeitsaspekte. Dominierend sind die sogenannten „hellgrünen“ Fonds mit weniger strengen Maßstäben mit Blick auf ökologische, ethische und soziale Ansprüche.
Hellgrüne Fonds schließen nach Artikel acht der EU-Offenlegungsverordnung besonders strittige Unternehmen oder Branchen aus. 63 Prozent der Fonds im Ranking erfüllen diesen Anspruch, weitere neun Prozent legen noch strengere Maßstäbe nach Artikel neun der Offenlegungsverordnung an.
ETFs machen zwar nur rund 20 Prozent der getesteten Produkte aus, gleichzeitig sind sie aber bei den Kunden sehr beliebt und erhalten über 40 Prozent des Anlegergeldes.
ETFs bilden einfach einen Index wie den deutschen Dax, den amerikanischen S&P 500 oder den besonders breiten MSCI World mit über 1500 Einzelwerten ab. Sie kosten mit 0,1 bis 0,5 Prozent Gebühren pro Jahr deutlich weniger als aktiv gemanagte Aktienfonds mit 1,5 bis 2,0 Prozent.
70 Prozent der getesteten Fonds sind exklusiv bei nur einem Versicherer im Angebot. 17 Fonds dagegen werden bei zehn Unternehmen und mehr angeboten. 15 davon sind entweder ETFs oder ETF-ähnliche Fonds.
Vorjahressieger dominieren
Dass man schon mit wenigen Produkten die Finanzmärkte sehr effizient abbilden kann, zeigt Huk-Coburg. Der Versicherer belegte zum dritten Mal in Folge Rang eins im Assekurata-Rating.
„Wir halten die Auswahl für Kunden und Vertrieb möglichst einfach“, erklärt Michael Martin, der als Produktmanager der Huk für die fondsgebundene Rentenversicherung zuständig ist. „Deshalb haben wir uns auf acht ausgewählte Produkte beschränkt, mit denen wir die wichtigsten Finanzmärkte abdecken“, sagt Martin.
Sechs der acht Produkte sind preisgünstige ETFs von iShares, der siebte ist der Vermögensfonds „Huk Welt Fonds“, der achte eine nachhaltige Variante des „Huk Welt Fonds“. Der offensive Mischfonds kann bis zu 100 Prozent in die globalen Aktienmärkte investieren. Aktuell sind es rund 75 Prozent, der Rest fließt in defensivere Anlagen.
Die Kunden wählen laut Huk-Manager Michael Martin am häufigsten die gemanagte Variante, danach folgt der MSCI-World-ETF.
Auch auf den nächsten Plätzen zeigt sich, dass die Besten der Vorjahre sich wieder ganz oben platzieren konnten. Cosmos Direkt rückte sogar von Rang vier auf den zweiten Platz vor. Der Direktversicherer bietet seinen Kunden ein konzentriertes Portfolio von knapp 40 Produkten an.
„Alle genügen Nachhaltigkeitskriterien, der Schwerpunkt liegt bei den hellgrünen Fonds nach Artikel acht“, erklärt Michael Wenzel, Leiter der Produktentwicklung bei Cosmos. In diesem Jahr hat der Direktversicherer sein Produkt noch einmal neu aufgesetzt und verbessert.
16 Fonds werden zum September ausgetauscht. Die neuen wurden in der Analyse jetzt schon berücksichtigt. Neben dem zweiten Platz in der Gesamtwertung gewann Cosmos Direkt zudem in vier Kernkategorien: Aktien global, Rentenfonds Europa, Exchange Traded Funds und hellgrüne Fonds mit Nachhaltigkeitsmerkmalen nach Artikel acht.
Nur aufgrund einer Nachkommastelle rutschte der Versicherer im Raum der Kirchen vom Silber- auf den Bronzeplatz ab. Angesichts des ersten Platzes der Huk-Coburg erstaunt der erneute Medaillenrang nicht. Denn die Huk steuert das Portfolio für den Kirchenversicherer.
So sind genau die sechs ETFs im Portfolio vertreten, die auch die Huk an die Spitze brachten. Der Unterschied liegt nur in der gemanagten Variante. Hier setzt die Kirche traditionell auf einen Ethikfonds mit Anlageschwerpunkt in Europa.
Die beiden konventionell und nachhaltig ausgerichteten Produkte der Huk-Coburg legen dagegen weltweit an und profitierten in den vergangenen Jahren von der überlegenen Performance der amerikanischen Technologiewerte.