Ranking: Das sind die besten Versicherungsdienstleister des Jahres 2025
Köln. Drängende Fragen, die Antworten kommen rasch per Mausklick: Wie sehr ist mein Haus von Starkregen und Hochwasser bedroht? Und wie kann ich mich davor schützen? Empfiehlt sich eine Versicherung gegen solche sogenannten Elementarschäden? Eigentümer und Mieter können sich über diese beunruhigenden Themen bei vielen Versicherern online informieren. Seit April stellt der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) den „Hochwasser-Check“ zur Verfügung. Verbraucher geben dort einfach die Adresse ihres Hauses ein. So erfahren sie zum Beispiel, wie häufig Starkregen zuletzt in der Region niedergegangen ist und welche beispielhaften Schäden dabei entstanden sind.
Der GDV hilft seinen Mitgliedern mit dem Service, auf die Elementarschadenversicherung aufmerksam zu machen. Diese Police gewinnt an Bedeutung, weil der Klimawandel das Risiko durch Naturgefahren steigert. Und Versicherer könnten mit dem Tool „auch ihre Kompetenz im Bereich Naturgefahrenkommunikation unterstreichen“, sagt Anja Käfer-Rohrbach, stellvertretende Hauptgeschäftsführerin des GDV.
Doch mit Kommunikation allein ist es nicht getan. Auf Versicherer dürfte durch die Elementarschadenversicherung eine Menge Arbeit zukommen. Denn die Bundesregierung will prüfen, ob Hauseigentümer zum Abschluss einer bislang freiwilligen Elementarschadenversicherung verpflichtet werden können. So steht es im Koalitionsvertrag. Die Elementarschadendeckung würde dann fester Bestandteil von Hausrat- und Wohngebäudeversicherungen. Bislang taucht sie dort nur auf, wenn der Versicherungsnehmer dies wünscht. Vor allem Hausrat- und Wohngebäudeversicherer bereiten sich auf die veränderte Situation vor.
Doch wer positioniert sich am besten? Derzeit gilt die Huk-Coburg als bester Anbieter von Hausratversicherungen, die GEV Grundeigentümer-Versicherung liegt vorn bei Wohngebäudeversicherungen. Dies hat eine Umfrage des Kölner Analysehauses Servicevalue ergeben, es wurden mehr als 100.000 Bewertungen abgegeben.
Obwohl die Zahl der zu versichernden Gebäude durch die Pflicht stark ansteigen dürfte, sieht die Huk-Coburg darin kein neues Geschäftsfeld. Denn die Pflicht würde auch dazu führen, dass Versicherer Anträge auf Elementarschschadenversicherungen nur noch in Ausnahmefällen ablehnen können. „Das ist kein Selbstläufer“, sagt Gerhard Meyer, verantwortlich für den Bereich der Wohngebäude- und Hausratversicherung. „Die Risiken sind schwer zu kalkulieren, eine Differenzierung anhand der Ausgestaltung der Police ist schwierig.“ Sein Haus sehe sich aber in gesellschaftlicher Verantwortung. „Es geht uns darum, Transparenz zur Notwendigkeit der Elementarschadenversicherung zu schaffen und eine möglichst breite Abdeckung mit diesem wichtigen Versicherungsschutz in der Bevölkerung zu erreichen“, sagt Meyer.
Dabei ist die Huk-Coburg bereits vorgeprescht. Seit September 2022 umfasst jede ihrer neu abgeschlossenen Wohngebäudepolicen auch eine Elementarschadendeckung. Ohne diesen Schutz wird die Police nicht mehr ausgegeben. Dies sei eine Reaktion auf die Flutkatastrophe im Ahrtal im Sommer 2021, sagt Meyer. Damals starben allein dort weit mehr als hundert Menschen, Tausende Häuser wurden beschädigt. Versicherte haben bei der Huk-Coburg nun die Wahl zwischen zwei Policen, die sich im Selbstbehalt stark unterscheiden. Eine hat nur 500 Euro Selbstbehalt, die andere 100.000 Euro. Letztere sichere „als Basisschutz die Existenz des Kunden“ ab. „Diese Ausgestaltung der Wohngebäudeversicherung läuft sehr gut. Wir haben Kunden, die eigens deswegen zu uns kommen“, sagt Meyer. „Rund 80 Prozent unserer Versicherten wählen die Variante mit 500 Euro Selbstbehalt.“
Die breite Akzeptanz der Elementarschadenversicherung spiegelt sich nicht nur bei der Huk-Coburg. Zunehmend erkennen Hauseigentümer die Bedeutung der Police. Im Jahr 2005 lag der Anteil der versicherten Gebäude noch bei rund 20 Prozent. Derzeit sind nach Zahlen des GDV fast zehn Millionen Wohngebäude gegen Elementarschäden versichert. Das entspricht einer Quote von 54 Prozent.
Allerdings gibt es Anzeichen, dass damit das Ende der Fahnenstange bald erreicht sein dürfte. Zwar befürworten laut einer Umfrage des Vergleichsportals Verivox 78 Prozent der Hauseigentümer das Vorhaben der Bundesregierung zur Pflichtversicherung. Doch 51 Prozent der Hausbesitzer ohne Elementarschadenversicherung wollen auch künftig keine abschließen. Der Grund: Das Risiko sei in ihrem Wohnort gering. Jeder fünfte Eigentümer ohne Elementarschadenpolice will darauf aus Kostengründen verzichten. 16 Prozent geben sogar an, keine weiteren Kosten für das Wohneigentum tragen zu können.
Klar ist: Gerade dort, wo das Risiko etwa für Hochwasser besonders hoch ist, dürfte auch die Prämie sehr hoch ausfallen. Denn Anbieter dürfen Hauseigentümer auch bei einem großen Risiko nicht abweisen.
Bis wirklich alle Häuser und Wohnungen gegen die finanziellen Folgen von Elementarschäden abgesichert sind, dürfte es noch dauern. Die Politik zögert noch mit der Umsetzung des Vorhabens aus dem Koalitionsvertrag. Zwar dürfen künftig neue Wohngebäudeversicherungen nur noch inklusive Elementarschadenabsicherung angeboten werden, doch der Zeitpunkt für die Änderung ist noch unbekannt. Im zweiten Schritt sollen bestehende Verträge erweitert werden.
Umstritten ist der Plan zur Pflichtversicherung vor allem dort, wo Gebäude wegen des hohen Schadenrisikos bislang kaum oder nur gegen sehr hohe Prämien zu versichern sind – etwa an Rhein und Mosel, die stellenweise regelmäßig über die Ufer treten. Nach GDV-Zahlen sind in Deutschland 300.000 Gebäude von Hochwasser bedroht.
Diskussion um gefährdete Lagen
Vor allem in gefährdeten Lagen befürchten Eigentümer hohe Prämien, Versicherer hingegen hohe Schadenquoten. Der GDV und weite Teile der Versicherungswirtschaft fordern in Überschwemmungsgebieten vom Gesetzgeber ein strengeres Bauverbot. Denn häufig wird auch dort gebaut, wo es grundsätzlich verboten ist. So wurden laut Recherchen des Bayerischen Rundfunks für solche Gebiete allein in Bayern seit 2020 rund 3500 Ausnahmegenehmigungen erteilt.
Der Politik ist dieses Problem bekannt. In einer Arbeitsgruppe zum Koalitionsvertrag hieß im April laut Nachrichtenagentur Reuters, man prüfe, ob die Bauplanungsbehörden in besonders gefährdeten Gebieten mehr Verantwortung übernehmen sollten. Um Versicherungsgesellschaften zu entlasten, habe die Arbeitsgruppe zum Koalitionsvertrag zudem beschlossen, eine staatliche Rückversicherung für Elementarschäden ins Leben zu rufen. Meyer begrüßt den Vorstoß. „Der Staat darf sich nicht darauf ausruhen, dass Versicherer durch eine verpflichtende Elementarschadenversicherung einen Großteil der Schäden finanziell begleichen. Der Fokus der Politik muss auf der Prävention liegen.“
Mit teils hohen Prämien für Eigentümer rechnet auch die GEV Grundeigentümer-Versicherung. Jens van der Wardt, Leiter des Maklervertriebs, empfiehlt Versicherungsnehmern, erst gar nicht bis zur Pflicht zu warten. „Es gilt, jetzt zu handeln. Von den Beiträgen her günstiger wird es in jedem Fall nicht – ganz im Gegenteil.“
Auch bei der GEV ist die Elementarschadenversicherung längst etabliert. In 70 Prozent der Wohngebäudepolicen sei der Schutz bereits enthalten, sagt van der Wardt. Ein Buhlen um Neukunden erwartet auch er nicht. „Alle Elementarbausteine entsprechen in der Regel einem gewissen Standard. Damit ist keine große Differenzierung vom Leistungsumfang am Markt möglich.“
Grundsätzlich gilt: Versicherer zahlen ihren Kunden keine Pauschale, falls ein Haus zerstört ist. Sie finanzieren stattdessen den Wiederaufbau. Einige Unterschiede gibt es bei den Policen dennoch. So springt mancher Versicherer nur bei einer kompletten Überschwemmung ein, andere decken Schäden, auch wenn nur Balkone oder etwa Dachterrassen betroffen sind.
Einige Tarife ermöglichen es, ein zerstörtes Haus an einem anderen Ort wiederaufzubauen. Und einige Versicherer erstatten den Neuwert eines Hauses. Das gilt auch, wenn der Neubau kleiner ausfallen sollte als das zerstörte Gebäude.