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LebensversicherungenBafin bemängelt Risiken durch Hybridprodukte

Mischformen aus klassischen und fondsgebundenen Lebensversicherungen spielen im Neugeschäft eine zunehmend wichtigere Rolle. Sie bergen aber Risiken für alle Versicherten.Susanne Schier 02.07.2025 - 15:51 Uhr Artikel anhören
Person klettert mit Sicherungsseil an einer Felswand: Die Bafin fordert von den Versicherern nähere Analysen von Hybridprodukten. Foto: Getty Images/RooM RF

Frankfurt. Lebensversicherer setzen im Neugeschäft immer mehr auf Mischformen aus klassischen und fondsgebundenen Policen. Die Produkte versprechen Sicherheit und Rendite, bergen jedoch auch besondere Risiken für Verbraucher.

Die Finanzaufsicht Bafin hat nun untersucht, wie Versicherer mit diesen Risiken umgehen – und in mehreren Punkten Schwächen festgestellt. Vor allem sogenannte dynamische Hybridprodukte stehen im Fokus der Aufseher.

Mischformen werden beliebter

Klassische Lebensversicherungen bieten Sparerinnen und Sparern einen garantierten Zinssatz sowie eine Beteiligung an Überschüssen. Fondspolicen hingegen knüpfen die Auszahlung an die Wertentwicklung ausgewählter Investmentfonds – mit höherem Risiko, aber auch größeren Renditechancen.

In den vergangenen Jahren haben sogenannte Hybridprodukte an Bedeutung gewonnen: Mischformen aus klassischen und fondsgebundenen Versicherungen. Laut der diesjährigen Marktstudie der Ratingagentur Assekurata sehen die Anbieter hier weiterhin Wachstumspotenzial.

Bei den sogenannten dynamischen Hybridprodukten hat die Bafin nun aber Mängel entdeckt.

Diese Produkte zeichnen sich dadurch aus, dass Versicherer das Fondsguthaben je nach Marktlage zwischen Fondsanlage und klassischem Deckungskapital umschichten. Die daraus entstehenden Risiken können nicht nur die Inhaber dieser Policen, sondern auch die anderen Kunden desselben Versicherers treffen.

Umschichtungen können gesamte Vertragsbestände belasten

Denn die Umschichtungen bei den dynamischen Hybridprodukten wirken sich auf die gesamte nicht fondsgebundene Kapitalanlage der Versicherer aus, an deren Erträgen alle Versicherten mit klassischen Vertragskomponenten über die Überschussbeteiligung partizipieren.

Durch die Wirkungsweise ihrer Umschichtungsalgorithmen können Versicherer laut Bafin gezwungen sein, kurzfristig zusätzliche Mittel im klassischen Deckungskapital anzulegen – oder sie brauchen zusätzliche Liquidität, um sie ins Fondsguthaben umleiten zu können.

Wenn sie also verstärkt in kurzfristige, liquide Kapitalanlagen mit geringerem Renditepotenzial investieren, um bei den Hybridprodukten flexibel umschichten zu können, kann dies der Aufsicht zufolge für die Überschussbeteiligung der übrigen klassischen Vertragsbestände nachteilig sein.

Regelmäßige Umschichtungen bei den Hybriden könnten zudem zusätzliche Transaktionskosten verursachen.

Finanzaufsicht fordert nähere Analyse

Nur vier von zehn Lebensversicherern gaben an, die Transaktionskosten, die durch die Umschichtungen entstehen, bei der Produktentwicklung näher analysiert zu haben. Verbesserungsbedarf sieht die Bafin auch bei der Analyse der langfristigen Auswirkungen auf die Kapitalanlage, wenn der Vertragsbestand an dynamischen Hybridprodukten weiterwächst.

Verbesserungsbedarf sieht die Bafin auch bei der Analyse langfristiger Auswirkungen auf die gesamte Kapitalanlage, wenn der Anteil der Verträge in dynamischen Hybridprodukten weiterwächst.

Versicherte verpassen mögliche Kurserholung

Auch für die Versicherungsnehmer der dynamischen Hybridprodukte bestehen Risiken. Schichtet ein Versicherer bei einem Kurseinbruch an den Aktienmärkten in größerem Umfang Anlagen in den klassischen Vertragsteil um, können die Versicherten von einer späteren Kurserholung im Fondsguthaben möglicherweise nur eingeschränkt profitieren.

Laut Bafin-Untersuchung ist genau das während der Coronakrise passiert. Die Turbulenzen an den Kapitalmärkten im Jahr 2020 führten demnach zu erheblichen Umschichtungen bei den dynamischen Hybridprodukten. Das Ausmaß habe zwischen den Anbietern deutlich variiert. Bei manchen Lebensversicherern sei der klassische Anteil am Vertragsguthaben um mehr als 20 Prozentpunkte gestiegen, bei anderen um weniger als zehn Prozentpunkte.

Im Zuge der Kurserholung ab März 2020 stockten die Versicherer zwar die Fondsguthaben wieder auf, aber längst nicht so stark, wie zuvor die Umschichtungen ins klassische Deckungskapital ausgefallen waren. Allerdings sei die Entwicklung auch hier bei den einzelnen Versicherern sehr unterschiedlich gewesen.

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Die Bafin fordert nun, dass die Gesellschaften die Wirkungsweise der Umschichtungsalgorithmen künftig noch stärker bei ihren Produktprüfungen berücksichtigen – insbesondere wenn sie definieren, für welchen Zielmarkt ein Produkt geeignet ist.

Die Versicherer selbst berichten, bereits Maßnahmen zur Reduzierung von Umschichtungsrisiken ergriffen zu haben, wie etwa eine vorsichtige Festlegung der Garantiehöhen und eine Auswahl von geeigneten, schwankungsärmeren Fonds.

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