Versicherung: Kunden meiden Investments in Lebenspolicen
Frankfurt. Die Überschussbeteiligungen in der Lebensversicherung steigen an, und die Assekuranz bietet ihren Kundinnen und Kunden im Neugeschäft höhere Garantien.
„Eigentlich gibt es wieder mehr Argumente, die für eine Lebensversicherung sprechen“, sagt Lars Heermann, Bereichsleiter Bewertung und Analyse bei der Ratingagentur Assekurata. Doch tatsächlich verbesserten sich die Geschäftsperspektiven für die Lebensversicherer nur wenig.
So lautet Heermanns Fazit einer aktuellen Untersuchung, für die Assekurata Daten von 39 Lebensversicherern ausgewertet hat: „Viele Verbraucher bleiben zurückhaltend, ihr Geld langfristig in die private Altersvorsorge zu stecken.“
Die Bilanz der Studie ist gemischt: Einerseits gebe es bei den Lebensversicherern weiterhin mehr Freiräume als in der Niedrigzinsphase, die Überschussbeteiligungen der Versicherten zu erhöhen. Andererseits nehme die Bevölkerung die allgemeinen Preissteigerungen noch immer als äußerst hoch wahr – obwohl sich die Inflation mittlerweile weit von ihren Höchstständen entfernt habe.
Dennoch hielten viele Menschen ihr Geld zusammen, anstatt es langfristig zu investieren. „Sie nehmen die gestiegene Attraktivität der Überschussbeteiligung nur wenig wahr“, meint Assekurata-Geschäftsführer Reiner Will.
Dabei gebe es 2025 weiterhin einen Aufwärtstrend bei den laufenden Verzinsungen, auch wenn sich dieser im Vergleich zum Vorjahr abgeschwächt habe. Diese setzen sich zusammen aus dem Garantiezins, der bei Vertragsbeginn für die gesamte Laufzeit festgelegt wird, und der Überschussbeteiligung, die jedes Jahr neu berechnet und den Verträgen gutgeschrieben wird.
Bei klassischen Lebensversicherungen mit lebenslangem jährlichem Garantiezins steigt die laufende Verzinsung laut der Assekurata-Auswertung im Jahr 2025 auf 2,53 Prozent nach 2,42 Prozent im Vorjahr. Inklusive der Schlussüberschüsse und sonstigen Gewinnanteile stellen die Versicherer im Schnitt eine Gesamtverzinsung von 3,22 Prozent in Aussicht.
Ähnlich ist die Entwicklung in anderen Produktkategorien. Bei Lebensversicherungen der „Neuen Klassik“, die niedrigere Garantien bieten und die Kundengelder dafür etwas chancenreicher am Kapitalmarkt anlegen können, stieg die laufende Verzinsung von 2,53 Prozent auf 2,58 Prozent.
Der gestiegene Höchstrechnungszins, der zum Jahreswechsel von 0,25 Prozent auf ein Prozent erhöht wurde, führt zudem dazu, dass die Versicherer die Garantien wieder erhöhen. Der Höchstrechnungszins wird vom Bundesfinanzministerium festgelegt, er stellt die Obergrenze für den Garantiezins dar.
Dadurch gibt es beispielsweise wieder etwas mehr Anbieter, die ihren Kunden in der „Neuen Klassik“ Tarife mit einem vollständigen Bruttobeitragserhalt bieten. Zudem liegen die garantierten Monatsrenten im Schnitt fast 20 Prozent über den Vorjahreswerten.
„Versicherer können für ihre Kunden am Markt dank der in den letzten zwei Jahren gestiegenen Zinsen langfristig mehr rausholen“, sagt auch Moritz Schumann, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Versichererverbands GDV. Zugleich bleibt auch der GDV nur verhalten optimistisch für die Lebensversicherung.
Prognose der Lebensversicherer ist vorsichtig
In diesem Jahr rechnet der Verband mit einem moderaten Wachstum der Beitragseinnahmen von 1,3 Prozent auf knapp 96 Milliarden Euro. Im Jahr 2024 hatte das Beitragsplus noch 2,6 Prozent betragen.
Treiber des Wachstums dürfte dem GDV zufolge das Einmalbeitragsgeschäft bleiben, bei dem die Anleger eine größere Summe auf einmal in eine Lebensversicherung stecken. Policen mit regelmäßiger Beitragszahlung, mit denen Verbraucher üblicherweise fürs Alter sparen, dürften dagegen auch weiterhin nur wenig gefragt sein.
Die besten Geschäftsmöglichkeiten sehen die Lebensversicherer Assekurata zufolge bei Fondspolicen ohne Garantien. Hierauf hatten sie ihr Neugeschäft in den vergangenen Jahren stark fokussiert, da es in der Niedrigzinsphase für die Branche nahezu unmöglich war, die in der Vergangenheit zugesagten Garantien zu erwirtschaften. Auch jetzt haben nur elf Gesellschaften aus der Assekurata-Studie klassische Lebensversicherungen im Angebot.
Professor Hermann Weinmann vom Institut für Finanzwirtschaft der Hochschule Ludwigshafen bedauert diese Entwicklung. Das gesetzliche Rentenniveau werde nicht zu halten sein. Deshalb müsse die Lebensversicherung für Verbraucher wieder „begehrenswert“ werden, um einen Ausgleich bewirken zu können, schreibt er in einem aktuellen Beitrag in der „Zeitschrift für Versicherungswesen“.
Eine Hürde sieht er vor allem darin, dass die Produkte in der Öffentlichkeit als zu teuer wahrgenommen würden. Er schlägt daher vor, vor allem bei der staatlich geförderten Altersvorsorge die riesige Produktvielfalt einzuschränken und auf kostengünstige Normprodukte zu setzen. Zugleich fordert er eine klare und intelligente Regulierung der Betriebskosten.
Erstpublikation: 05.03.2025, 16:32 Uhr.