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RankingWelche private Krankenvollversicherungen überzeugende Tarife haben

Künstliche Intelligenz setzt sich auch in der Medizin durch. Private Krankenvollversicherungen wenden sie bereits an. Welche Chancen neue Technologien bieten und welche Tarife gut abschneiden.Dirk Wohleb 17.05.2024 - 07:35 Uhr
„KI wird für das Gesundheitswesen und die private Krankenversicherung in der Zukunft eine große Rolle spielen.“ Foto: Adobe Stock

Köln. Ärzte können Röntgenbilder mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) schneller und besser auswerten. Die KI vergleicht die Bilder eines Patienten mit einer riesigen Datenbank. Das ist nur ein Beispiel für die Möglichkeiten von KI. Ein weiteres sind Operationsroboter, die Chirurgen bei ihrer Arbeit unterstützen, Fehler reduzieren und zu besseren Ergebnissen führen.

„Mithilfe von KI können Ärzte bessere Entscheidungen treffen“, sagt Hendrik Lofruthe, Leiter Portfoliomanagement beim Vermögensverwalter Apo Asset Management. Der Gesundheitssektor zählt laut einer Studie der Unternehmensberatung McKinsey zu den Branchen, die sich durch KI am stärksten verändern werden. „KI wird für das Gesundheitswesen und die private Krankenversicherung in der Zukunft eine große Rolle spielen“, sagt Gerd Sautter, Vorstand für Versicherungstechnik und Kapitalanlage bei der Süddeutschen Krankenversicherung.

Private Krankenversicherungen gelten in Deutschland als Vorreiter in Sachen moderne Behandlungen. Sie nehmen vor den gesetzlichen Krankenkassen innovative Therapieansätze in den Leistungskatalog auf. Vor allem in der Diagnose und Behandlung könnten sowohl medizinisches Personal als auch Patienten durch die Analyse großer Datenmengen von schnelleren und besseren Ergebnissen profitieren. „Auch bei internen Bearbeitungsprozessen, etwa bei allgemeinen Anfragen von Kundinnen und Kunden, wird eine KI-Unterstützung bei der Beantwortung zu einer schnelleren Bearbeitung und damit zu einer Steigerung der Kundenzufriedenheit beitragen“, sagt Martorell Naßl, Vorstandsvorsitzende der Krankenversicherungsgruppe im Konzern Versicherungskammer.

Private Krankenversicherung: Freie Auswahl an Leistungen

Grundsätzlich können Selbstständige eine private Krankenvollversicherung abschließen. Auch Beamte sind in der Regel privat versichert. Zudem können Angestellte, die 2024 mehr als 69.300 Euro verdienen, von der gesetzlichen Krankenversicherung in die private Versicherung wechseln. Dabei hängen die Prämien beim Einstieg vom Alter und vom gesundheitlichen Risiko ab. „Weil der Wechsel zurück in die gesetzliche Krankenversicherung schwierig ist, sollte der Eintritt in eine private Krankenvollversicherung wohlüberlegt sein“, sagt Michael Franke, Geschäftsführer der Ratingagentur Franke und Bornberg.

Bei der Auswahl der passenden Police hilft das Ranking von Franke und Bornberg. Die Experten haben Tarife von privaten Krankenvollversicherungen auf Herz und Niere geprüft. In die Gesamtbewertung gehen Leistungen mit 70 Prozent ein, die Höhe des Beitrags macht 20 Prozent und die Finanzstärke zehn Prozent aus. Im Musterfall werden die Tarife mit Premiumschutz für eine Person im Alter von 35 Jahren bewertet.

Der Vorteil der privaten Krankenversicherung: Versicherte können Leistungen entsprechend ihren Bedürfnissen auswählen. Das Spektrum reicht vom Basisschutz über Komfort- bis hin zum Premiumschutz. Der Basisschutz orientiert sich am Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen. Der Komfortschutz umfasst mehr Leistungen für Privatversicherte, wie die Unterbringung im Krankenhaus im Zweibettzimmer.

Premiumschutztarife erstatten ärztliche Leistungen zu Höchstsätzen. Zum Leistungskatalog zählt auch die Behandlung im Krankenhaus durch den Chefarzt sowie die Unterbringung im Einbettzimmer. Die Tarife ermöglichen auch den schnellen Zugang zu spezialisierten Ärzten, die häufig nur auf privater Basis Leistungen abrechnen.

Wir erwarten eine verbesserte und zielgenauere Versorgung von Patienten.
Martorell Naßl
Vorstandsvorsitzende Krankenversicherer im Konzern Versicherungskammer.

Insgesamt werden 13 Tarife mit der Höchstnote „sehr gut“ ausgezeichnet. Im Musterfall müsste die Person im Alter von 35 Jahren bei den Toptarifen monatlich einen Beitrag bezahlen, der zwischen 608,88 Euro und 903,79 Euro liegt.

Mit 97 von 100 möglichen Punkten schneidet die Hallesche Krankenversicherung mit der Tarifkombination „NK.Select XL Bonus, URZ, PVN“ am besten ab. Die monatliche Prämie liegt bei 712,12 Euro. Die Finanzstärke des Versicherers schätzt Franke und Bornberg mit der Höchstnote ein, Qualität mit der Note FFF+, die für hervorragend steht.

Methodik
Die Ratingagentur Franke und Bornberg hat für das Handelsblatt Tarife für private Krankenvollversicherungen geprüft. Die Experten gehen beim hier vorgestellten Musterfall von einer Person aus, die 35 Jahre alt ist. Die Analyse der Beihilfetarife basiert auf der Annahme einer Person, die 30 Jahre alt ist, und den Beihilfebedingungen des Bundes.
Franke und Bornberg teilt die Tarife bei der privaten Krankenvollversicherung in die Kategorien Basisschutz, Komfortschutz und Premiumschutz ein. Premiumschutz-Tarife ermöglichen eine Versorgung auf höchstem Niveau. Im Krankenhaus behandelt der Chefarzt. Die Versicherten werden in einem Einbettzimmer untergebracht. Die Versicherer übernehmen auch mindestens 85 Prozent der Kosten für Zahnersatz. Sie kommen darüber hinaus auch für Implantate auf und übernehmen im ambulanten Bereich die Kosten für Naturheilverfahren und Heilpraktiker. Die Analyse bei privaten Krankenvollversicherungen geht von einem Selbstbehalt von höchstens 600 Euro pro Jahr aus. Die Beihilfetarife schließen die Unterbringung im Einbettzimmer und einen Beihilfeergänzungstarif ein. Dieser deckt mögliche Versorgungslücken der Beihilfe für Beamte und schützt somit vor einer Eigenbeteiligung bei einer Behandlung.
Bei der Gesamtnote der privaten Krankenvollversicherungen machen Leistungen 70 Prozent der Bewertung aus. Die Höhe des Beitrags geht zu 20 Prozent und die Finanzstärke zu zehn Prozent ein. Gleiches gilt für die Auswertung der Beihilfetarife.

KI könnte vor allem die Krebsdiagnostik unterstützen, sagt Andreas Bernhardt, Pressesprecher der Halleschen Krankenversicherung: „Es macht nun mal einen enormen Unterschied, ob eine Ärztin oder ein Arzt alleine auf Basis des eigenen Erfahrungswissens die Ergebnisse bildgebender Verfahren interpretiert oder ob diese Interpretation durch den Abgleich mit Zigtausenden weiteren Datensätzen unterstützt wird.“ KI schafft neue diagnostische und therapeutische Möglichkeiten. „Zudem unterstützt KI dabei, Prozesse besser, schneller, effizienter und kundenfreundlicher zu gestalten.“ Schon jetzt bietet die Versicherung ein digitales Gesundheitsportal, Videosprechstunden und digitale Gesundheitsprogramme an.

Zu den mit „sehr gut“ bewerteten Tarifen zählt die Tarifkombination „GesundheitVario, AmbulantPlus, KlinikPlus, ZahnPlus, PVN“ der Bayerischen Beamtenkrankenkasse. „Mit dem Tarif ,GesundheitVARIO‘ bieten wir ein flexibles Tarifsystem, bestehend aus einem Grundtarif in drei Selbstbehalt-Stufen und Ergänzungsbausteinen“, sagt Martorell Naßl, Vorstandsvorsitzende der Krankenversicherungsgruppe im Konzern Versicherungskammer. Sie sieht eine Abkehr vom reinen Preis- hin zum Qualitätswettbewerb und den weiteren Ausbau digitaler Ökosysteme. „Wir erwarten durch den Einsatz von KI positive Aspekte hinsichtlich Kundenservice und Kundenzufriedenheit, aber auch eine verbesserte und zielgenauere Versorgung von Patientinnen und Patienten“, ist Naßl überzeugt.

Auf lange Sicht ist mit einer kostensenkenden Wirkung des Einsatzes von KI zu rechnen.
Gerd Sautter
Vorstand Süddeutsche Krankenversicherung

Zu den mit „sehr gut“ ausgezeichneten Tarifen zählt auch die Continentale Krankenversicherung mit der Tarifkombination „Premium, SP1, PVN“. Helmut Hofmeier, Vorstand Kranken- und Lebensversicherung bei der Continentale Versicherung, sieht großes Potenzial für KI. „Eine flächendeckende Umsetzung sehen wir – noch – nicht. Aber wir erwarten, dass die Rolle der KI zunehmend größer sein wird, um den Herausforderungen im Gesundheitswesen – wie zum Beispiel dem Fachkräftemangel und der Finanzierbarkeit – zu begegnen.“

Beihilfetarife: Ergänzende private Krankenversicherung

Bei Beamten kommt der Bund, das Bundesland oder der jeweilige Dienstherr über die Beihilfe für einen Teil der Behandlungskosten auf. Sie brauchen zusätzlich eine private Krankenversicherung, um die restlichen Kosten zu decken, auch Beihilfetarif genannt. Da sich die Beihilfeordnung je Dienstherr unterscheidet, sollte der Beihilfetarif entsprechend gewählt werden. Franke und Bornberg ging bei der Auswertung von den Beihilfebedingungen des Bundes aus. Insgesamt erhalten 14 Tarife die Höchstnote „sehr gut“. Die Prämien für die Beihilfetarife liegen im Musterfall eines Beamten im Alter von 30 Jahren monatlich zwischen 277,17 Euro und 378,23 Euro.

KI wird die Gesundheitsbranche von Grund auf verändern. Doch was bedeutet das für die Kosten? Gerd Sautter, Vorstand der Süddeutschen Krankenversicherung, sieht zwar höhere Investitions- und Lizenzkosten sowie höhere Kosten für Dienstleister. „Dagegen stehen jedoch viele Faktoren, die – vor allem auf lange Sicht – zu kostensenkenden Effekten führen.“ Zum Beispiel durch höhere Effizienz von Prozessen. Die frühere Erkennung und Prävention von Erkrankungen mithilfe von KI biete außerdem die Möglichkeit, Krankheiten zu vermeiden oder früher zu behandeln. Sautters Fazit: „Insofern ist auf lange Sicht mit einer kostensenkenden Wirkung des Einsatzes von KI zu rechnen.“

Erstpublikation: 16.05.2024, 08:55 Uhr.

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