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Versicherungs-Start-up So plant Wefox seine Expansion in die USA

Das Versicherungs-Start-up Wefox will in den amerikanischen Markt eintreten. Zu den Vorbereitungen gehört auch die Teilnahme am Gründerprogramm German Accelerator.
05.03.2020 Update: 05.03.2020 - 15:59 Uhr Kommentieren
Über die App können Nutzer ihre Versicherungen verwalten und neue abschließen. Quelle: Screenshot Wefox
Wefox-App

Über die App können Nutzer ihre Versicherungen verwalten und neue abschließen.

(Foto: Screenshot Wefox)

Frankfurt Julian Teicke ist mit seinem Versicherungs-Start-up Wefox weiter auf Expansionskurs. Gerade sondiert er für sein Vermittlerportal den amerikanischen Markt. Eine Gruppe von Mitarbeitern wird ab April am German Accelerator in New York teilnehmen, einem Programm, das Start-ups beim Eintritt in neue Märkte hilft.

Auch einen Kooperationspartner hat Teicke bereits gefunden, wie er dem Handelsblatt bestätigte. Für die Expansion in die USA setzt er auf die gleiche Strategie, mit der er bereits in europäischen Märkten erfolgreich war. Andere deutsche Insurtechs setzen noch schwerpunktmäßig auf Europa.

Bislang sind deutsche Start-ups, die in die USA expandieren, noch eine Seltenheit. Aus der Finanzbranche hat im vergangenen Jahr die Smartphonebank N26 den Schritt gewagt und zählt dort nach eigenen Angaben bereits mehr als 250.000 Kunden. Die Anlageplattform Raisin, die hierzulande besser unter der Marke Weltsparen bekannt ist, und ihr Konkurrent Deposit Solutions planen ebenfalls Angebote in den Staaten. Daneben arbeitet auch WebID Solutions, ein Anbieter von Identifizierungsverfahren, am Aufbau seines US-Geschäfts.

Kern des Geschäftsmodells von Wefox ist ein digitaler Marktplatz, über den Versicherungsmakler, Versicherer und Kunden verbunden werden. Mit diesem Modell ist Wefox bisher bereits in Deutschland, Österreich, der Schweiz sowie Spanien und Frankreich aktiv. Der erste Schritt auf dem Weg in einen neuen Markt ist laut Teicke die Partnerschaft mit einem lokalen Versicherungsmakler – diesen habe er bereits gefunden, gibt den Namen derzeit aber noch nicht preis. In Deutschland hatte der Makler F1rst Finance den Anfang gemacht, an dem Teickes Vater Hartmut Teicke beteiligt ist.

Wie in den anderen Märkten stelle Wefox auch in den USA zunächst nur einem Makler seine Technologie zur Verfügung, biete ihm Zugriff auf Versicherungsverträge mit selbst ausgehandelten Konditionen und erhalte dafür eine Nutzungsgebühr, erklärt Julian Teicke. Da sie selbst nicht als Makler aktiv werde, benötige seine Firma keine eigene Lizenz. Das wäre in den USA auch besonders aufwändig, sagt der 33-Jährige, denn in den 50 Staaten sei für das Geschäft als Versicherungsmakler jeweils eine separate Lizenz erforderlich.

Schritt zwei sei die Öffnung des Marktplatzes für weitere Makler. Später könnte laut Teicke die Übernahme eines Versicherungsmaklers folgen. Mit dessen Lizenzen könnte Wefox dann selbst als Makler auftreten – und Provisionen einnehmen: So machte es das 2014 gegründete Unternehmen bereits in Österreich mit der Übernahme der DIE Maklergruppe und in der Schweiz mit der Übernahme der SAM Versicherungen. „In Österreich und der Schweiz sind wir dank der Akquisitionen die Nummer eins unter den Privatkunden-Maklern“, sagt Teicke.

Der Gründer der Wefox Group will mit seinem Unternehmen expandieren. Quelle: Wefox Group
Julian Teicke

Der Gründer der Wefox Group will mit seinem Unternehmen expandieren.

(Foto: Wefox Group)

Wann genau es in den USA losgehen soll, verrät er indes nicht. Auch zur Größe des Teams hält er sich bedeckt und spricht lediglich von einer „Vorhut“. „Es gibt in den USA ein großes Potenzial für unser Geschäftsmodell und wir lassen uns nicht unter Druck setzen – auch nicht von Nachahmern“, sagt er. „Uns geht es nicht darum, möglichst schnell zu expandieren. Unser Ziel ist es, in neuen Märkten eine führende Position einzunehmen.“ Auch Japan und China hat er bereits ins Auge gefasst.

Johannes-Tobias Lorenz, Senior Partner bei McKinsey und Leiter des digitalen Versicherungsgeschäfts, sieht für deutsche Insurtechs auf dem US-Markt grundsätzlich ein großes Potenzial. „Gerade bei der Digitalisierung des traditionellen Versicherungsvertriebs sind die USA nicht weiter als wir in Deutschland, da besteht also noch ein großer Nachholbedarf“, sagt er. Zwar gebe es in den USA bereits digitale Versicherungsmakler, aber die würden sich zum Teil nur an kleine und mittlere Unternehmen richten. „Für weitere Maklerplattformen gibt es sicherlich noch Platz“, betont Lorenz.

Trotz des Potenzials existieren für deutsche Versicherungs-Start-ups in den USA aber auch Hürden: „Das ist zum einen die komplexere Regulatorik, je nach Geschäftsmodell benötigen die Anbieter in jedem der 50 Bundesstaaten eine separate Lizenz“, sagt Lorenz. In der EU dagegen könnten sie die Lizenz aus einem Land meist in andere übertragen. Hinzu komme der schärfere Wettbewerb. „Die großen amerikanischen Versicherer geben enorm viel Geld für Marketing aus, um auf sich aufmerksam zu machen, da müsste ein Insurtech ebenfalls ein hohes Marketing-Budget einplanen“, so der Berater.

Die Wefox Group hatte im vergangenen Jahr in zwei Schüben insgesamt rund 210 Millionen Euro von internationalen Investoren erhalten. Sein Erstversicherer namens One, der in Deutschland Hausrat- und Haftpflichtpolicen anbietet, sei jedoch nicht Teil der Expansionspläne nach Übersee, so Teicke. „Es wäre schon eine gigantische Leistung, wenn wir es schaffen, einen pan-europäischen Versicherer aufzubauen“, sagt der Gründer.

Auch andere deutsche Insurtechs wollen international wachsen, die USA haben die meisten vorerst nicht im Blick. Im Fokus für die kommenden Jahre stehe erst einmal Europa, heißt es beispielsweise beim Heidelberger Digitalversicherer Getsafe. Seit Januar bietet dieser eine digitale Hausratsversicherung in Großbritannien. Die nächsten Märkte, in die das Start-up expandieren will, seien Frankreich, Spanien, Italien und Osteuropa.

Getsafe-Chef Christian Wiens ergänzt: „Wir sind überzeugt, ein Geschäftsmodell aufzubauen, das sich perspektivisch gut in die ganze Welt exportieren lässt.“ Das Insurtech hält die USA außerhalb Europas für den spannendsten Markt. Allerdings seien die Versicherungsmärkte in Asien und Südamerika weniger gesättigt und es sei leichter, dort Fuß zu fassen.

Ähnlich äußerte sich eine Sprecherin des Frankfurter Versicherungsmanagers Clark: „Wir schließen nicht aus, dass die USA für uns irgendwann relevant werden könnten.“ In der näheren Zukunft konzentriere Clark sich allerdings auf das Wachstum in Deutschland sowie Europa. Den Start in Österreich hat das Unternehmen für Anfang 2020 angekündigt.

Eine Ausnahme bildet das Start-up Claimsforce aus Hamburg. Das Insurtech bietet Technologien, um die Schadenbearbeitung bei Sach- und Haftpflichtversicherungen zu vereinfachen und für den Kunden transparenter zu machen. Zwar liegt bei diesem erst 2018 gegründeten Unternehmen noch die Priorität auf der Weiterentwicklung des Geschäfts in Deutschland.

„Wir schauen uns mögliche Auslandsmärkte aber genau an“, sagt Firmenchef Nils Mahlow. „Die USA halten wir dabei für besonders interessant: Der Versicherungsmarkt ist noch wenig digitalisiert und bietet daher großes Potenzial.“ Gut möglich, dass das Unternehmen seine internationale Expansion eher in den USA als in anderen europäischen Märkten starten wird.

Mehr: Mutige Angreifer: Wie Fintechs mit „Made in Germany“ den Finanzplatz USA erobern wollen.

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