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Versicherungs-Start-up Wefox Group erhält weitere 100 Millionen Euro

Das Versicherungs-Start-up Wefox Group hatte bereits mit einer Finanzierungsrunde in Höhe von 110 Millionen Euro für Aufsehen gesorgt. Jetzt kommt neues Geld hinzu - von teils überraschenden Investoren.
11.12.2019 - 08:45 Uhr Kommentieren
Der Wefox-Gründer sieht sein Unternehmen mehr als Partner denn als Angreifer der traditionellen Assekuranzakteure. Quelle: Foto: Luca Fasching
Julian Teicke

Der Wefox-Gründer sieht sein Unternehmen mehr als Partner denn als Angreifer der traditionellen Assekuranzakteure.

(Foto: Foto: Luca Fasching )

Frankfurt Geld folgt Geld – diese Weisheit hat sich für Julian Teicke gerade bewahrheitet. Kaum hatte der Gründer des Versicherungs-Start-ups Wefox Group im Frühjahr eine Finanzierungsrunde in Höhe von 110 Millionen Euro vermeldet, fragten auch schon weitere interessierte Investoren bei ihm an, berichtete er dem Handelsblatt. „Wir nehmen das Geld gerne, denn wir wachsen gerade noch schneller als gedacht“, sagte Teicke. Insgesamt sei die jüngste Finanzierungsrunde nun um rund 100 Millionen Euro erweitert worden. Die Kapitalgeber sind zudem von strategischer Bedeutung.

Angeführt wird das neue Investment von dem kanadischen Risikoinvestor Omers Ventures, neu dabei sind auch die britische Investmentgesellschaft Merian Chrysalis und Samsung Catalyst Fund, ein Investmentarm des gleichnamigen Elektrogeräteherstellers. Auch Bestandsinvestoren wie Mubadala Ventures, der Staatsfonds Abu Dhabis, und Creditease – ein Fintech aus China – hätten sich erneut beteiligt. Insgesamt hat die Wefox Group nun rund 251 Millionen Euro Eigenkapital von Investoren erhalten.

Die Finanzierungsrunde ergänzt eine ganze Reihe großer Investments, mit denen internationale Kapitalgeber in diesem Jahr deutsche Finanz-Start-ups unterstützt haben. Den bisherigen Rekord hält die Smartphonebank N26, die – ebenfalls in zwei Schüben – eine Finanzierungsrunde in Höhe von 412 Millionen Euro abschloss. Zu den sehr großen Runden zählt zudem jene der Anlegerplattform Weltsparen, die 100 Millionen Euro einsammelte.

Auch Wefox-Konkurrent Friday erhielt 114 Millionen Euro – in Kapital und Medialeistungen. Allein in den ersten neun Monaten dieses Jahres haben deutsche Fintechs laut einer Studie von Comdirect und Barkow Consulting rund 1,3 Milliarden Euro Kapital erhalten – ein neuer Spitzenwert.

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Standort erkennen

    Den Investor Samsung, größter Hersteller von Smartphones, hat bei Wefox offenbar der Fokus auf Datenanalyse besonders angesprochen. Auch sein Fonds fokussiert sich auf „New Data Economy und Mobile“. Young Sohn, Präsident und Strategievorstand von Samsung, sagte: „Die Wefox Group ist ein spannendes Beispiel für ein schnell wachsendes Unternehmen, das Daten und Künstliche Intelligenz (KI) nutzt, um die Versicherungsindustrie zu verändern.“ Er freue sich auf „die enge Zusammenarbeit, die verschiedensten Kundensegmenten einen enormen Mehrwert bieten wird“, so Sohn.

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    In Teickes Vision für seine Unternehmensgruppe dreht sich alles um Daten: Versicherungskunden sollen künftig laufend überwacht werden – mit dem Smartphone, dem vernetzen Auto und allerlei Sensoren in ihrer Wohnung. Wann immer ein Risiko droht, schlägt der Versicherer der Zukunft Alarm. Die Kunden können das Risiko dann entweder vermeiden, oder sie erhalten automatisch den nötigen Versicherungsschutz.

    Weitere Folge der Datenauswertung: Für Kunden mit höherem Risiko sind die Policen teurer. Deshalb ist beispielsweise Niki Winter, Director bei Willis Towers Watson, skeptisch, ob ein solcher Versicherungsschutz hierzulande große Chancen hat. „Telematiktarife im Kfz-Versicherungsbereich sind in Deutschland bisher ein Nischenprodukt“, so Winter.

    Auch Verbraucher sehen solche Tarife teils noch kritisch. So kam eine Studie des Instituts für Versicherungswesen der TH Köln zu dem Ergebnis, dass Versicherte Telematik-Tarife dann als gerecht empfinden, wenn sich diese auf beeinflussbare Verhaltensmerkmale beziehen. Würden eine schwer veränderbare Lebenssituation oder das Schicksal der Versicherten einbezogen, sinke die Akzeptanz deutlich. Laut einer Umfrage der BavariaDirekt würden immerhin 43 Prozent der Befragten einen Telematik-Tarif abschließen. Wenn sie über die Datenweitergabe frei bestimmen können, stieg die Akzeptanzquote.

    Die Wefox Group kann schon einige Erfolge vorweisen und ist breiter aufgestellt als die meisten anderen sogenannten Insurtechs: Während andere meist entweder als Makler oder Vermittler (Simplesurance, Clark, Moneymeets), als Technologiedienstleister (Kasko, Massup, Relayr) oder als Anbieter mit eigener Versicherungslizenz, sogenannte „Neo-Insurer“, tätig sind (Coya, Ottonova, Element), vereint Wefox diese drei Elemente.

    Zu dem Ende 2014 gegründeten Unternehmen gehört ein digitaler Marktplatz, über den Versicherer, Versicherungsmakler und Kunden verbunden werden und auf dem Wefox selbst als Makler auftritt. Anfang 2018 kam ein eigener Erstversicherer namens One hinzu, der inzwischen Hausrat-, Haftpflicht und Kfz-Versicherungen bietet. Und gerade wird unter dem internen Namen „Nexus“ noch eine Vertriebsplattform aufgebaut. Sie soll Daten von One und künftig auch anderen Versicherern verknüpfen und damit individualisierte Angebote ermöglichen.

    Wichtige Standortdaten der Nutzer

    Etliche Daten lassen sich über das Smartphone sammeln, zum Beispiel der Standort des Kunden. Den nutzt One seit dem Sommer bereits für seine Kurzzeit-Reise-Sachversicherung „Travel Light“. Beim Betreten eines Flughafens oder Fernbahnhofs wird über die Smartphone-App von One automatisch eine individuell anpassbare Versicherung vorgeschlagen. Samsung wiederum ist der weltweit größte Produzent von Mobiltelefonen. „Sie sind der ideale Partner, um unsere Entwicklungen von modularen und nutzungsbasierten Versicherungsprodukten voranzutreiben“, sagt Teicke über den Investor.

    Die Geldgeber Omers Ventures und Merian Chrysalis bezeichnet er als „reine Finanzinvestoren“. Dennoch dürfte insbesondere Merian für das Start-up von strategischer Bedeutung sein. „Merian Chrysalis hat bereits viel Erfahrung mit wachstumsstarken Start-ups und begleitet Unternehmen bis hin zum Börsengang. Mit ihnen können wir unsere Unternehmensstrukturen ausbauen, um weiterhin erfolgreich in neue Ländermärkte zu expandieren”, so der 33-jährige Gründer.

    Noch schreibe seine Gruppe wegen des Wachstumsfokus keinen Gewinn. Doch der Umsatz habe sich in diesem Jahr deutlich erhöht. Seien es im vergangenen Jahr 35 Millionen Euro gewesen, rechnet Teicke für dieses Jahr mit mehr als 100 Millionen Euro. Getrieben werde das Wachstum zum einen durch die inzwischen 2500 angebundenen Makler. Je mehr Kunden diese haben, desto mehr verdient Wefox mit ihnen.

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    Zudem zähle One inzwischen 180.000 aktive Kunden und 300.000 aktive Tarife. Allein im Oktober seien mit der Einführung einer Kfz-Versicherung bereits mehr als 24.000 Verträge verkauft worden. Auch die Zahl der Mitarbeiter der Wefox Group habe sich im vergangenen Jahr verdoppelt, inzwischen seien es rund 400.

    Bei der Frage nach der Bewertung seines Unternehmens gibt sich der Gründer allerdings zurückhaltend. „Das ist unwichtig“, sagt er. Was zähle, sei, nachhaltig zu arbeiten. „Der geplatzte Börsengang von WeWork hat gezeigt, dass Bewertungen nicht immer aussagekräftig sind. Außerdem ist seitdem die Skepsis der Investoren gestiegen. Als junges Unternehmen muss man jetzt viel genauer erklären, wie man profitabel werden will.“

    Mehr: Knapp 900 deutsche Fintechs - Die Revolution der Finanzbranche bekommt neuen Schwung.

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