Wirecard-Prozess: Insolvenzverwalter entkräftet Brauns Verteidigungsstrategie
München. Im Betrugsprozess um den Zahlungsdienstleister Wirecard hat Insolvenzverwalter Michael Jaffé die Zweifel an der Existenz des angeblichen Milliardengeschäfts verstärkt. „Sie können sich vorstellen, was es für mich für ein Fest wäre, wenn es diese Gelder gegeben hätte“, sagte Jaffé am Mittwoch, „aber dem ist leider nicht so.“
Seit fünf Jahren beschäftigt sich Jaffé mit dem Wirecard-Skandal. Der Konzern mit Sitz in Aschheim bei München musste im Juni 2020 Insolvenz anmelden, nachdem ein angebliches Vermögen von 1,9 Milliarden Euro aus den Büchern nicht auffindbar war.
Das Geld sollte aus dem Geschäft mit sogenannten Drittpartnern stammen. Diese halfen dem Unternehmen offiziell dabei, Zahlungen in Ländern abzuwickeln, in denen Wirecard selbst keine Lizenz besaß. Jaffé glaubt genauso wie die Staatsanwaltschaft, dass es das Geschäft nie gab.
Sein Team habe „alle verfügbaren Informationsquellen genutzt, die alle zum gleichen Ergebnis geführt“ hätten, sagte der als Zeuge geladene Insolvenzverwalter am 207. Prozesstag vor dem Landgericht München I. „Das Geschäft selbst hat nach allen Erkenntnissen, die wir haben, nicht existiert.“