Europäische Zentralbank: EZB-Direktor nahm Ehefrau mit auf Dienstreisen
Der Luxemburger ist im Führungsgremium der EZB unter anderem für Recht zuständig und stellvertretender Chef der EZB-Bankenaufsicht (SSM).
Foto: BloombergFrankfurt. Das EZB-Direktoriumsmitglied Yves Mersch hat seine Ehefrau mehrfach auf Kosten der Notenbank auf Dienstreisen ins Ausland mitgenommen. Fragen wirft vor allem eine Reise in Malaysias Hauptstadt Kuala Lumpur im Juli 2017 auf, über die der „Spiegel“ berichtet.
Der 70-Jährige Luxemburger, der aktuell im EZB-Führungsgremium unter anderem für Recht zuständig ist, nahm dort an einer geldpolitischen Konferenz der malaysischen Notenbank teil. Er reiste dafür zusammen mit seiner Gattin an, die aus Malaysia stammt. Die Kosten trug die EZB.
Nach den eigenen Regularien übernimmt die EZB die Reisekosten der Ehepartner, wenn diese offiziell zu Veranstaltungen mit eingeladen werden. Laut "Spiegel" soll Merschs Büro zuvor darauf gedrängt haben, dass seine Ehefrau eine offizielle Einladung der dortigen Notenbank erhielt.
Zwei Monate vor der Konferenz habe sich eine Mitarbeiterin Merschs mit der Bitte an die malaysischen Kollegen gewandt, dass sie eine offizielle Einladung auf einem Briefkopf bräuchte, „die Herrn und Frau Mersch beide erwähnt“. Laut "Spiegel" antworteten die Organisatoren wie folgt: „Sollten Sie darauf bestehen, die formale Einladung auf Frau Mersch auszuweiten, würden wir gern den Grund dafür erfahren, um Ihrem Anliegen zu entsprechen“. Letztlich flogen Mersch und seine Frau auf EZB-Kosten nach Malaysia – er in der First Class, sie Business. Die Reisekosten beziffert die EZB auf 11.782,66 Euro.
Die EZB bestreitet, dass Mersch die Zentralbank von Malaysia um eine Einladung für seine Frau gebeten hat. Diese sei bereits vorher ausgesprochen worden. Laut ihrer Darstellung „ging es nur um eine schriftliche Bestätigung dieser Einladung.“ Mersch habe sich an die EZB-internen Regeln gehalten.
Neben der Reise nach Kuala Lumpur soll Mersch, dessen Amtszeit bei der EZB im Dezember endet, seine Ehefrau auch zu einer Reise nach Salzburg mitgenommen haben. Anfang des Jahres hatte die Süddeutsche Zeitung berichtet, dass Mersch und seine frühere EZB-Direktoriumskollegin Sabine Lautenschläger bemerkenswert oft ihre Ehepartner auf Kosten der Notenbank mitgenommen hatten.