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Federal Reserve Fed-Chef Powell stimmt Amerika auf lange Krise ein

Der Chef der US-Notenbank fordert neue Hilfen aus der Politik, um langfristige Schäden von der US-Wirtschaft abzuwenden. Den Zinssatz lässt die Fed nahe Null.
29.04.2020 Update: 30.04.2020 - 00:28 Uhr 1 Kommentar
Der Präsident der US-Notenbank Federal Reserve (Fed). Quelle: AP
Jerome Powell

Der Präsident der US-Notenbank Federal Reserve (Fed).

(Foto: AP)

Washington Die Federal Reserve (Fed) ist in den vergangenen Wochen zum großen Retter in der Coronakrise geworden. Doch die US-Notenbank ist noch längst nicht am Ziel. „Werden wir mehr tun müssen? Ich denke, die Antwort lautet ja“, stellte Fed-Chef Jerome Powell am Mittwoch auf einer Pressekonferenz klar.

Die Währungshüter seien bereit, alles zu tun, was in ihrer Macht stehe, um die US-Wirtschaft zu stabilisieren. „Wir werden weiter proaktiv, aggressiv und mit Nachdruck agieren“, betonte Powell. Doch auch die Politik müsse weitere fiskalpolitische Maßnahmen bereit stellen, schließlich seien die Möglichkeiten der Notenbank begrenzt.

Die ungewöhnlich deutlichen Worte des Fed-Chefs zeigen den Ernst der Lage. Powell hält sich eigentlich in politischen Debatten um Steuern und Ausgaben zurück und hat sich vor der Krise wiederholt besorgt über die hohen Staatsschulden geäußert. Einige Republikaner hatten sich in den vergangenen Tagen zurückhaltend über neue Stimulus-Pakete geäußert, aus Sorge vor zu großen Schuldenbergen.

„Das sind berechtigte Bedenken“, räumte Powell ein. Doch nun sei „nicht die Zeit“, um sich darüber Gedanken zu machen. „Das darf uns nicht daran hintern, den Kampf zu gewinnen.“

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    Der Ausblick auf die Wirtschaft ist düster. Powell geht davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal so stark wie nie zuvor einbrechen wird. Die Arbeitslosenquote für den April, die kommenden Freitag veröffentlicht wird, werde im zweistelligen Bereich liegen. Dabei war die Lage auf dem Arbeitsmarkt noch vor zwei Monaten so gut wie seit 50 Jahren nicht mehr.

    Erholung wird lange dauern

    Die Notenbanker sorgen sich vor allem um die Geringverdiener. Sie haben erst sehr spät von dem jüngsten Boom am US-Arbeitsmarkt profitiert und sind nun besonders stark von der Coronakrise getroffen. Diese Entwicklung „bricht mir das Herz“, so Powell.

    Es werde lange dauern, „bis wir wieder nur in der Nähe von Vollbeschäftigung kommen“. Um so wichtiger sei es, die Wirtschaft zu stützen, um sie vor langfristigen Schäden zu bewahren. Die Fed werde die Zinsen daher bis auf weiteres auf der spanne von 0 bis 0,25 Prozent belassen.

    Welche neuen Programme die Fed starten könnte, ließ Powell offen. Sie werde weiter in unbegrenztem Maße den Handel mit US-Staatsanleihen und Hypothekenbesicherten Wertpapieren stützen, ebenso wie die sogenannten Repo-Märkte, über die sich Banken kurzfristig Geld leihen.

    Sie waren im März, zum Höhepunkt der Krise, zeitweise ausgetrocknet, was die Sorgen vor den Folgen des hochansteckenden Virus noch vergrößerte. Seitdem hat sich die Lage deutlich entspannt. „Powell weiß: Wenn er zu zögerlich ist, sind die Kosten vermutlich viel höher als wenn er zu viel unternimmt“, sagt der unabhängige Ökonom Joel Naroff.

    Notenbank ist weiter auf Kooperation mit Regierung angewiesen

    In Kürze sollen auch die neusten Hilfsaktionen der Notenbank starten. Die Fed wird zum einen Kommunalanleihen von US-Bundesstaaten und Städten kaufen. Zum anderen wird sie die Kreditvergabe an größere Mittelständler fördern. Beides sind historische Schritte, die die Notenbank noch nie zuvor gehen musste und die weit über ihre eigentliche Aufgabe hinaus gehen.

    Die Mittel der Fed seien dabei praktisch unbegrenzt. Das unterscheide sie von dem „Paycheck Protection Program“ des US-Finanzministeriums. Das richtete sich an kleine Unternehmen und lockte mit einem attraktiven Versprechen: Wenn diese die Regierungskredite für Gehälter, Miete und andere laufende Kosten verwenden, würden die Kredite erlassen. Das Programm hatte eine vorher vereinbarte Größe, die binnen weniger Tage ausgeschöpft war.

    Die Fed könne dagegen nur Kredite an solvente Unternehmen vergeben, stellte Powell klar, und diese nicht erlassen, auch wenn das frustrierend sei. „Einige der Unternehmen und Haushalte, die am dringendsten Unterstützung brauchen, sind am wenigsten kreditwürdig. Das macht es für die Fed schwierig, sie direkt zu unterstützen“, erklärt Michael Feroli, Chefökonom von JP Morgan Chase. Daher sei es wichtig, weiter mit der Politik zusammenzuarbeiten.

    Mehr: Die US-Notenbank stützt die Wirtschaft so stark wie noch nie. Doch gerade das macht sie für Trump angreifbar.

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    1 Kommentar zu "Federal Reserve: Fed-Chef Powell stimmt Amerika auf lange Krise ein"

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    • Früher war es so, dass die Zentralbank für die Geldwertstabilität eines Landes stand und die Geldmenge reguliert hat. Kreditsuchende (Staat, Unternehmen, private Haushalte) haben sich das Geld bei den Geschäftsbanken geliehen oder haben Wertpapiere an Investoren (Sparer, Versicherungen, Pensionskassen etc.) begeben. Es gab es noch positive risikoorientierte Zinssätze. Ich nenne es Modell 1. D.h. es gab eine klare Unterteilung zwischen der Rolle der autonomen Zentralbank einerseits und dem Staat und den Marktteilnehmern andererseits.
      Spätestens seit der Lehman Krise ist die Zweiteilung aufgehoben. Alle die, die aus den Augen der Marktteilnehmer nicht mehr kreditwürdig sind, erhalten die Kredite, ohne Limit, direkt von der Zentralbank. "What ever it takes". In diesem Fall wird die Zentralbank zur Geldpresse des Staates, man hat quasi das Münzrecht der jeweiligen Staaten indirekt über z.B. die EZB ausgedehnt oder besser ausgehöhlt. Im aktuellen Fall stellt die EZB >750 Mrd. für den Aufkauf von Wertpapieren (auch Wertpapiere der Staaten) bereit. Wozu noch Eurobonds? Es hatte einen Grund, warum Staaten nur noch das Münzrecht behalten durften.
      Das nenne ich Modell 2. Das erste Modell steht für Geldwertstabilität und das zweite Modell steht aus den Erfahrungen der Wirtschaftsgeschichte für Inflation, Währungsreformen etc..
      Nun höre ich seit längerem von der einen Seite: "Alternativlos", oder "jetzt ist nicht die Zeit, um sich darüber Gedanken zu machen" ...., .... von einer anderen.
      Nun, das mag einmal so sein. Nur, das Einmal wird zur Gewohnheit (wie Junkies) und die Abstände werden immer kürzer.
      Der Investor sucht Sicherheit für seine Anlagen in Immobilieninvestitionen, Aktien vielleicht Gold etc.. Wenn es zum Währungscrash kommt, steht diesen Investitionen noch wenigstens noch etwas Wert gegenüber. Das tolle daran ist, die EZB gibt What ever it takes Geld an die Unternehmen. So bleiben die Aktienkurse schön hoch und die Schulden werden vergesellschaftet :-).

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