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FrankfurtUmbaupläne der Bundesbank-Zentrale stehen zur Disposition

Die Rückkehr in die Bundesbank-Zentrale ist längst ein heikles Thema. Ob es überhaupt dazu kommt, scheint offener denn je. Die Bank hinterfragt ihr Projekt im Rahmen einer neuen Untersuchung.Carsten Herz, Leonidas Exuzidis 18.08.2025 - 13:59 Uhr Artikel anhören
Zentrale der Deutschen Bundesbank in Frankfurt: Die Bank saniert das Gebäude umfassend und führt aktuell eine Wirtschaftlichkeitsuntersuchung durch. Foto: Walter Vorjohann / Deutsche Bundesbank

Frankfurt. Es sollte das größte Bauprojekt seit Bestehen der Notenbank werden: die Kernsanierung und zeitweise geplante Erweiterung der Bundesbank-Zentrale in Frankfurt. Als Ziel hatte die Notenbank anfangs ausgegeben, das Großprojekt möglichst bis 2027 fertigzustellen.

Dieses Vorhaben ist längst überholt. Die Pläne für die Neubauten sind gestrichen. Stark erhöhte Baukosten erschweren die Umsetzung des Projekts. Dass die Mitarbeiter nach dem temporären Umzug überhaupt noch einmal zurückkehren, scheint nicht gesichert. Der Vorstand um Bundesbank-Präsident Joachim Nagel lässt das milliardenschwere Projekt erneut komplett prüfen.

Die Bank führt eigenen Angaben zufolge derzeit eine Wirtschaftlichkeitsuntersuchung durch. Eine solche Prüfung stellt die stark gestiegenen Kosten des Projekts ins Verhältnis zum geplanten Ergebnis.

Wann die Ergebnisse dieser Untersuchung vorliegen, lässt die Bank offen. Neben betriebswirtschaftlichen Kriterien würden auch „sicherheitsrelevante Aspekte analysiert“, heißt es. Schließlich besitzt die Bundesbank nach den USA den weltweit zweitgrößten Goldschatz. Etwa die Hälfte der Bestände lagert unter der Zentrale in Frankfurt.

Die Verantwortlichen um Präsident Nagel streben nun eine baldige Grundsatzentscheidung an – und suchen so die Flucht nach vorne. Denn der Umbau der alten Zentrale hat sich längst zu einem heiklen Diskussionsthema entwickelt, das sich immer weiter in die Länge zieht und für Gesprächsstoff sorgt. Auf ein genaues Rückkehrdatum will sich längst niemand mehr festlegen.

Das ursprüngliche Projekt Campus ist passé. Wir haben die Kostenschraube drastisch nach unten gedreht.
Bundesbank-Sprecher

Im Jahr 2018 hatte sich die Bundesbank bereits vom zuständigen Projektleiter getrennt. Damals wollte sie das Projekt noch einmal komplett neu aufstellen.

Dafür verpflichtete sie unter anderem den früheren Vizechef des Bundesnachrichtendienstes (BND), Guido Müller, als Leiter des neu geschaffenen Zentralbereichs Bau. Müller war beim BND maßgeblich für den Neubau und Umzug der Zentrale vom bayerischen Pullach nach Berlin verantwortlich. Auch dieser sorgte zeitweise für Schlagzeilen, weil nicht alles nach Plan lief.

Von Schadstoffen befreit und entkernt

Das in den Jahren 1967 bis 1972 im Stil des Brutalismus erbaute Hauptgebäude der Bundesbank im Frankfurter Stadtteil Bockenheim wird – mit Verspätung – seit Ende 2021 saniert. Die Mitarbeiter sind in Ausweichquartieren untergebracht.

Vom Erdgeschoss bis in den 11. Stock ist die 217 Meter lange, aber nur 17 Meter breite Immobilie bereits von Schadstoffen befreit und entkernt, heißt es. Das ist sehr aufwendig, zumal umfangreiche Auflagen der Denkmalbehörden einzuhalten sind. Das verlängert und verteuert den Prozess.

Bundesbank passt das Projekt deutlich an

Ursprünglich wollte die Bundesbank ihre Zentrale um gleich drei Hochhäuser ergänzen. 2023 kündigte die Behörde zunächst an, nur noch ein Gebäude mit 5000 Quadratmetern Fläche neu errichten zu wollen. In der Folge entschied sie, sogar ganz auf Neubauten zu verzichten und zu versuchen, mit ihren Bestandsimmobilien auszukommen – also der Zentrale und Nebengebäuden auf dem Campus sowie der Bundesbank-Hauptverwaltung in der Innenstadt.

„Das ursprüngliche Projekt Campus ist passé“, kommentiert ein Sprecher der Bank den Status quo. „Mittlerweile wurden erhebliche Anpassungen in der Planung vorgenommen.“ Man habe nicht nur den Flächenbedarf und die Zahl der Arbeitsplätze reduziert, sondern „insgesamt die Kostenschraube drastisch nach unten gedreht“.

Einen Kosten- und Zeitplan hat die Bundesbank bislang nicht veröffentlicht. Vor wenigen Tagen berichtete der Finanz-Newsletter „Platow Brief“ über zwei Gutachten des Bundesrechnungshofs (BRH) aus dem Frühjahr 2024, in denen die Pläne der Bank scharf kritisiert werden. Diese hätten „einen Kostenrahmen ermittelt, der weit über das Übliche hinausgeht“.

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Bundesbank sucht neues Ausweichquartier

Unzufriedenheit herrscht auch mit Blick auf die Gegenwart. Das Ausweichquartier im Frankfurter Büro Center (FBC) ist bei Mitarbeitern und Führungskräften äußerst unbeliebt. Es bietet weder große Konferenzräume, noch ist die technische Ausstattung des Gebäudes auf dem neuesten Stand.

Inzwischen gilt als ausgemacht, dass die Notenbank den Vertrag mit dem FBC nicht verlängern wird und 2028 eine neue Zwischenlösung sucht. Wie das Handelsblatt zuletzt berichtete, hat sie einen großen Immobilienberater eingeschaltet, der nach Ersatz suchen soll. Als möglicher neuer Standort gilt das nahegelegene Trianon-Hochhaus, in dem die Bundesbank bereits Räumlichkeiten angemietet hat.

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