Geldpolitik: Martin Schlegel wird neuer Schweizer Notenbankchef
Zürich. Die Schweizer Regierung hat Martin Schlegel zum Präsidenten des Direktoriums der Schweizerischen Nationalbank (SNB) ernannt. Der SNB-Vizepräsident werde am 1. Oktober die Nachfolge des langjährigen Notenbankchefs Thomas Jordan antreten, teilte die Regierung am Mittwoch mit.
SNB-Direktoriumsmitglied Antoine Martin werde Vizepräsident und Petra Tschudin, bisher stellvertretendes Mitglied des Direktoriums, rückt ins Direktorium nach.
Damit setzt sich der Favorit um die Nachfolge von Jordan als SNB-Chef durch. Jordan, seit 2012 an der Spitze der SNB, hatte bereits im März seinen Rückzug für Ende September erklärt, seine Nachfolge jedoch offengelassen.
Schlegel ist seit 20 Jahren bei der SNB
Der 47-jährige Ökonom Schlegel arbeitet bereits seit 20 Jahren bei der Schweizer Notenbank. In dieser Zeit hatte er eine Reihe von Führungsposition inne, war unter anderem Chef des Bereichs Devisen und Gold sowie Leiter der SNB-Niederlassung in Singapur.
Er gilt innerhalb und außerhalb der Bank als enger Vertrauter von Jordan, der ihn über viele Jahre förderte. 2018 stieg Schlegel zum stellvertretenden Direktoriumsmitglied auf, 2022 zog er schließlich als Vizepräsident in das dreiköpfige Gremium ein, das die Leitzinsentscheidung der SNB trifft. Als Leiter des Departements für Finanzstabilität war Schlegel zudem eng in die Notmaßnahmen der Zentralbank zur Rettung der Credit Suisse eingebunden.
Mit Schlegel setzt die SNB auf Kontinuität in der Geldpolitik. Investoren können sich daher darauf einstellen, dass die Notenbank ihre aktuelle Geldpolitik mit ihrem Fokus auf die Inflationsbekämpfung fortführt. Unter Jordan hatte die SNB früher als etwa die Europäische Zentralbank die Zinsen angehoben. Das trug dazu bei, dass die Inflationsrate nach der Coronapandemie deutlich weniger stark stieg als im Euro-Raum.
SNB hat Leitzins bereits zwei Mal gesenkt
Das ermöglichte der Notenbank, nun auch früher als die EZB mit Zinssenkungen zu beginnen und damit die heimische Wirtschaft zu stützen. Die SNB senkte vor wenigen Tagen ihren Leitsatz zum zweiten Mal in Folge.
Der Zins werde um 0,25 Prozentpunkte auf 1,25 Prozent gesenkt, teilte die Notenbank am vergangenen Donnerstag mit. Der Markt geht aktuell mehrheitlich davon aus, dass die SNB noch einmal in diesem Jahr den Leitzins auf dann ein Prozent senkt. Dieses Niveau gilt vielen Analysten als neutrales Niveau, bei dem die Geldpolitik weder restriktiv noch expansiv ist.
Auch an der Strategie, mit Devisenmarktinterventionen eine zu starke Aufwertung des Schweizer Frankens zu verhindern, dürfte die SNB unter Schlegel festhalten. Die Institution setzt dabei auch auf unkonventionelle Methoden, etwa den Ankauf von Aktien in Fremdwährung.
Zu Hochzeiten hatte die SNB ein US-Aktienportfolio von über 100 Milliarden Dollar aufgebaut. Auch mit diesen im Vergleich zu anderen Notenbanken ungewöhnlichen Instrumenten ist der neue Chef bestens vertraut: Zwischen 2011 und 2018 war er Mitglied des Anlageausschusses der Notenbank, der die weitgehend passive Verwaltung der Devisenreserven verantwortet.
Trotz seiner Favoritenrolle galt die Nominierung Schlegels keineswegs als gesichert. Denn Erfahrung mit der Führung einer großen Organisation von rund 1000 Beschäftigten kann Schlegel nicht vorweisen. Auch vor dem Hintergrund der Erfahrungen mit dem Untergang der Credit Suisse hielten es Finanzkreise für möglich, dass ein Bankexperte von außen zur SNB kommt.
In diesem Zusammenhang wurde unter anderem Renaud de Planta, Teilhaber der Privatbank Pictet gehandelt. Doch die Schweizer Bundesregierung entschied sich am Mittwoch gegen ein Experiment.